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Textilveredeler & Garnhersteller Pilotbetrieb 1
| Pilotbetrieb 1: | Lindenfarb Textilveredlung Julius Probst GmbH & Co. KG, Aalen-Unterkochen
( http://www.lindenfarb.de ) |
| Berater: | EnviroTex GmbH, Augsburg ( http://www.envirotex.de ) |
| Betrieb: | Lohnveredler von Farb- und Buntware (hauptsächlich Kettwirkware und Strickware), IVU-Betrieb |
| Durchführung: | Energie- und Stoffstromanalyse des Gesamtbetriebes, tiefergehende Untersuchungen zur Strom- und Dampferzeugung mittels Kraft-Wärme-Kopplung sowie Detailanalyse eines Hauptartikels im Jahr 2002. |
| Methode: | Fokus des Projektes war eine Energie- und Stoffstromanalyse des Gesamtbetriebes der Lindenfarb Textilveredlung Julius Probst GmbH Co. KG in Aalen-Unterkochen sowie tiefergehende Untersuchungen, die sich zum einen mit der am Standort zur Strom- und Dampferzeugung eingesetzten Kraft-Wärme-Kopplung und zum anderen mit den Energie- und Stoffströmen bei der Herstellung eines umsatzstarken Artikels aus dem Sektor der Technischen Textilien befassten.
Die Stoffstrom-Analyse des Gesamtbetriebes erfolgte auf der Ebene der Betriebsbereiche Vorbehandlung, Färberei und Ausrüstung. Bei der Betrachtung der Input-Stoffströme lag der Schwerpunkt auf den durch die textile Rohware in die Textilveredlung eingeschleppten Ökolasten sowie auf den in den einzelnen Betriebsbereichen angewandten Grundchemikalien, Textilhilfsmitteln und Farbmitteln. Die Output-Stoffströme in die Umweltkompartimente Abwasser und Abluft wurden im Wesentlichen über die Summenparameter Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB), der den Anteil an organischen Substanzen im Abwasser widerspiegelt und die Organisch-C-Last in der Abluft charakterisiert. |
| Ergebnis: | Bedingt durch Präparationsmittelauflagen dominieren die rohwarenbedingte Ökolasten in den Umweltkompartimenten Abluft und Abwasser eindeutig. Die Präparationsmittel verursachen mindestens ca. 40 % der Organisch-C-Last und über 50 % der gesamten CSB-Last. Als Lohnveredler hat Lindenfarb nur indirekt Einfluss innerhalb der textilen Kette auf die Art und Menge der aufgebrachten Präparationsmittel. Thermostabile Präparationsmittel z.B. auf Basis höher/verzweigter Fettsäureester oder Kohlensäureester könnten die Organisch-C-Last deutlich senken. Sie zeigen daneben zumeist eine gute biologische Abbaubarkeit/Eliminierbarkeit. Lindenfarb ist dabei jedoch auf die freiwillige Kooperation der Akteure der textilen Kette angewiesen. Administrative Anforderungen an die der Textilveredlung vorgelagerten Akteure bezüglich des Einsatzes ökologisch optimierter Präparationsmittel gibt es zurzeit nicht.
Abb. 1: Quellen für die CSB-Last im Abwasser
Abb. 2: Quellen für die Organisch-C-Belastung in der Abluft Die bei der Stoffstromanalyse ermittelten Input/Output-Daten und Prozessstrukturen wurden mit den Best Verfügbaren Techniken (BVT) für die Textilindustrie verglichen. Die BVT werden im Rahmen der Umsetzung der IVU-Richtlinie in BVT-Merkblättern (BREF) dargestellt und sind bis 2007 in bestehenden Textilveredlungsbetrieben umzusetzen. Nach derzeitigem Kenntnisstand erfüllt Lindenfarb die im Rahmen des Projekts betrachteten BAT-Kriterien bereits zum jetzigen Zeitpunkt. Im Detail wurde die Kraft-Wärme-Kopplung, die über die Gasturbinentechnologie den Betrieb mit Dampf und elektrischer Energie versorgt, untersucht und bewertet. Verschiedene Szenarien, wie zum Beispiel die Rückspeisung des mit der KWK-Anlage erzeugten Stromes bei gleichzeitigem Fremdstrombezug, wurden berücksichtigt. Zudem wurden die emissionsrechtliche Situation und die Potenziale des KWK-Gesetzes beurteilt. Damit wurden wichtige Planungsgrundlagen für die Entscheidung zum Einbau einer neuen Gasturbine geschaffen. Der Betrieb der Kraft-Wärme-Kopplung verringert im Vergleich zur getrennten lokalen Dampferzeugung und zum Fremdstrombezug den Kohlendioxidausstoß um ca. 25 %. In einer weiteren Detailanalyse wurden die Stoff- und Energieströme der einzelnen Fertigungsstufen eines Artikels, der das Produktionsspektrum des Geschäftsjahres 2002 bei Lindenfarb dominierte, mit der Stoffstrom-Software Umberto modelliert und visualisiert. Die Stärke der Stoffstrommanagement-Software zeigte sich insbesondere beim Vergleich unterschiedlicher Varianten zur Veredlung des Hauptartikels zum Beispiel auf der Ebene der Wasser- und Energieverbräuche aber auch hinsichtlich der Kosten. Im Laufe der Datenaufnahme zur Bilanzierung des Gesamtbetriebes und während der Detailanalysen konnten mehrere, auch kostenwirksame Einsparmöglichkeiten ermittelt werden, deren Umsetzung zurzeit geprüft wird. Im Bereich der Färberei kann, soweit dies textiltechnologisch möglich, durch die Verkürzung von Färbezeiten und eine höhere Temperatur des Frischwasserzulaufs zu den Färbebädern Energie und Arbeitszeit eingespart werden. In der Verkürzung/Vermeidung von Spannrahmenstillständen und dem damit verbundenen geringeren Butangas- und Stromverbrauch konnte das größte Einsparpotenzial erkannt werden. Isolierungsmaßnahmen an den Färbeaggregaten und eine Verringerung des Butangasschlupfes an den direkt beheizten Spannrahmen sind aus wirtschaftlicher Sicht nicht lohnend. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Erfassung und Bilanzierung von Energie- und Stoffströmen entlang der Prozesssequenzen der Textilveredlung - oder anders gesagt: betriebliches Stoffstrommanagement - die notwendige Grundlage für eine transparente Sicht auf die betrieblichen Abläufe darstellt. Eine transparente Sicht auf die Prozessabläufe wird letztlich auch von Anhang 38 Abwasserverordnung, der im Bereich Textilhersteller und Textilveredler Gültigkeit hat, und dem BREF zur Textilveredlung gefordert. Erst eine integrative Sicht der Prozessabläufe macht ökonomische und ökologische Optimierungspotenziale sichtbar und ermöglicht es, die Prioritäten bei der Umsetzung von Kosten sparenden und Ressourcen schonenden Maßnahmen richtig zu setzen. Der Einsatz spezieller Stoffstrommanagement-Software ist v.a. bei detaillierten Prozessanalysen hilfreich, in vielen Fällen sind einfachere Werkzeuge (z.B. Excel-Tabellen) ausreichend und weniger aufwändig. |
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