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Die gefährdete Vielfalt unserer Heu- und Fangschrecken

In Baden-Württemberg leben 70 Heu- und Fangschreckenarten. 30 der 70 Arten sind bestandsgefährdet. Damit sind im Vergleich zur Roten Liste 1998 zwar nur unwesentlich mehr Arten gefährdet, doch mit Blick auf die einzelnen Arten werden Verschiebungen deutlich. So gibt es Arten, die von den Klimaveränderungen profitieren, wohingegen andere aufgrund zunehmender Hitze- und Dürreperioden aus tieferen Lagen verschwinden und in ihrer Verbreitung zurückgehen. Der Verlust von Lebensräumen ist nach wie vor der Hauptgrund, der zur Gefährdung führt. Gezielte Schutzmaßnahmen sind daher unumgänglich, um die Vielfalt der Heuschrecken zu erhalten. Drei besonders interessante Vertreter aus der Ordnung der Heuschrecken sind die Maulwurfsgrille, der Warzenbeißer und die Alpine Gebirgsschrecke.

Kreisdiagramm, das die Gefährdung der Heu- und Fangschrecken zeigt. Dabei sind 28 Arten ungefährdet, 8 auf der Vorwarnliste, 11 gefährdet, 10 stark gefährdet, 8 vom Aussterben bedroht und 2 ausgestorben/verschollen, bei zwei Arten sind die Daten unzureichen, bzw. es liegt eine Gefährdung unbekannten Ausmaßes vor.

Grafik zeigt: Anzahl der baden-württembergischen Heu- und Fangschreckenarten in der jeweiligen Gefährdungskategorie der Roten Liste (Stand 2020). Bildnachweis: LUBW

Die Maulwurfsgrille: ähnelt nicht nur im Aussehen einem Maulwurf

Versteckt und nur in der Nacht ist die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) aktiv. Dicht unter der Oberfläche legt die bis zu fünf Zentimeter große Grille Gänge an, in denen sie fast ihr ganzes Leben verbringt. Nicht nur die Lebensweise und das Aussehen ähneln dem Maulwurf, auch ihre Ernährung hat die Grille mit dem Säugetier gemein: Sie ernährt sich vorwiegend von Würmern, Schneckeneiern und anderen Bodenlebewesen. Nur selten bekommt man das außergewöhnliche Tier zu Gesicht, was ihre Erfassung sehr schwierig macht. In Folge gezielter Aufrufe wurden 2018 und 2019 aber 100 neue Funde gemeldet. Viele ehemalige Vorkommen konnten jedoch nicht mehr bestätigt werden, sodass eine Gefährdung unbekannten Ausmaßes anzunehmen ist. Die Grille bevorzugt vor allem lockere und feuchte Böden, wie sie zum Beispiel an Bächen oder unter frisch-feuchten Wiesen vorkommen. Durch Bachbegradigungen und Entwässerung von Wiesen und Mooren verliert die Maulwurfsgrille ihren Lebensraum.

Seitliche Nahaufnahme der Maulwurfsgrille: Diese Grille ist relativ groß. Ihr Kopf ist dunkelbraun gefärbt, Körper und Flügel sind gelblich-braun. Die Körperoberfläche ist samtartig fein behaart. Der Kopf ist konisch, die Antennen sind fadenförmig und circa so lang wie der Halsschild. Auffällig sind die großen zum Graben ausgebildeten Vorderbeine. Die Hinterflügel sind sehr dünn und liegen unter den Vorderflügeln, ihre Spitzen ragen nach hinten weit über diese hinaus.

Bild zeigt: Maulwurfsgrille, Bildnachweis: Juliane Saar

Der Warzenbeißer: ein historisches Heilmittel

Der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) kann beißen, wenn man versucht ihn zu fangen. Dieser Eigenschaft verdankt er auch seinen Namen. Früher wurden die Tiere zur Warzenbehandlung verwendet. Durch den Biss in die Warze sollte diese besser heilen. Zu finden ist die Heuschrecke auf Heideflächen und extensiv genutzten Weiden. Doch diese Lebensräume werden immer seltener, was die Population der Heuschrecke gefährdet. Sie ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Spinnen und weichen Kräutern. Werden die Flächen nicht mehr extensiv bewirtschaftet, verfilzt die Vegetation wodurch dem Warzenbeißer ein Teil seiner Nahrung und Orte zur Eiablage entzogen werden. Viele Vorkommen der Art leiden unter einer fortschreitenden Verkleinerung und Verinselung ihrer Lebensräume. Die Beweidung mit Schafen und Rindern bietet aber die Möglichkeit, geeignete Flächen offenzuhalten und damit zum Erhalt der beeindruckenden Art beizutragen.

Seitliche Nahaufnahme des Warzenbeißers: Das Tier ist grün mit braunen Flecken gefärbt, ebenso die Flügel. Im Vergleich zum massigen Körper wirken die Flügel schmal und klein. Die Fühler sind etwa so lang wie der Körper. Die lange Legeröhre ist leicht nach oben gebogen.

Bild zeigt: Warzenbeißer, Bildnachweis: Torsten Bittner

Die Alpine Gebirgsschrecke: nur in der Höhe zuhause

Wie der Name schon erahnen lässt, bevorzugt die Alpine Gebirgsschrecke (Miramella alpina) die Berge und Lagen über 600 Höhenmeter. In Baden-Württemberg ist sie daher fast ausschließlich im Schwarzwald anzutreffen und insbesondere in feuchten Wiesen, Mooren und lichten Nadelwäldern verbreitet. Sie ernährt sich von Gräsern, Flechten und Moosen. Im Gegensatz zu anderen Schrecken oder Grillen können die Männchen nicht mit den Beinen oder Flügeln zirpen.  Um die Weibchen anzulocken knarren und klicken sie daher mit ihren Mundwerkzeugen.
Da die Art nicht fliegen kann, benötigt sie eine gute Vernetzung der Lebensräume. Durch die Klimaveränderungen und zunehmend heiße und trockene Sommer ist die Art bereits aus tiefer gelegenen Flächen verschwunden.

Nahaufnahme zweier Alpiner Gebirgsschrecken bei der Paarung: Das Weibchen ist deutlich größer als das Männchen. Beide sind metallisch-grün gefärbt und weisen jeweils einen schwarzen Längsstreifen, beginnend am Auge, auf. Die Hinterschenkel sind an der Unterseite rot gefärbt, die Fühler relativ kurz.

Bild zeigt: Alpine Gebirgsschrecken, Bildnachweis: Joachim Wimmer

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Bildnachweis: TypoArt BS/shutterstock.com