Blog

 
Zurück

Insektenaktivität an Windenergieanlagen

Die LUBW hat im Sommer 2018 das Staatliche Naturkundemuseum Karlsruhe in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Technische Chemie mit einer umfassenden Studie zur Anlockwirkung von Windenergieanlagen auf nachtaktive Insekten beauftragt. Untersucht wurde, ob die Beleuchtung überhaupt einen Einfluss auf nachaktive Insekten hat vor dem Hintergrund, dass eine verstärkte Anwesenheit möglicherweise wiederum Anlockwirkung auf Fledermäuse haben könnte. Die Ergebnisse der Studie liegen der LUBW nun vor.

Bei der Untersuchung wurden die Ergebnisse von Lichtfängen am Mastfuß mit denen auf Gondelhöhe verglichen. Die Anlagen waren im Untersuchungszeitraum (also in der Nacht) abgeschaltet.

Bei insgesamt neun Beprobungen zeigte sich, dass die Menge der auf der Windenergieanlage in ca. 100 m Höhe nachgewiesenen Insekten ausgesprochen gering war. Eine Ausnahme lag in einer windstillen Untersuchungsnacht im Juni vor. Hier wurden zwei Drittel der im Laufe der Beprobung auf der Gondel insgesamt nachgewiesenen Individuen gefangen.

In der Referenzfalle am Boden waren die festgestellten Tiere im jahreszeitlichen Verlauf nahezu normal verteilt und im Vergleich zur Gondelhöhe deutlich in der Überzahl. Eine zur Überprüfung der geringen Fangzahlen auf der Gondel eingesetzte Klebefalle in den Monaten Juni und Juli sowie die Verlängerung der Beprobungszeiträume bestätigten die geringere Insektenaktivität auf Gondelhöhe.

Hinsichtlich der Zusammensetzung der nachgewiesenen Insekten in ca. 100 m Höhe und am Boden zeigen sich deutliche Unterschiede. So waren auf der WEA sehr viele Kleininsekten von maximal zwei bis fünf Millimetern Größe vertreten, insbesondere aus der Gruppe der Gleichflügler (z.B. Blattläuse und Zikaden) und der Familie der Kurzflügler. Am Boden bildeten hingegen Nachtfalter die Hauptmenge der nachgewiesenen Insekten. Nachtaktive Wanderfalter wurden bei dieser Untersuchung wider Erwarten nicht festgestellt. Im Frühjahr 2021 wurde der ausführliche Bericht in der Fachzeitschrift „Carolinea“ veröffentlicht.

Bild oben zeigt: Ungefähr 100 Meter liegen zwischen der Falle auf der Gondel einer Windenergieanlage und dem Boden.

Bild unten zeigt: Zwischen der Luke und dem Signalleuchtenträger (dem so genannten „Geweih“) konnte die Lichtfalle sicher befestigt werden. Ihre Maße sind aber dadurch auf 30 cm Durchmesser und 58 cm Höhe insgesamt (mit Prallscheiben, Trichter und Sammelgefäß) beschränkt. Die Falle wurde von M. Falkenberg konstruiert und hergestellt. – Bildnachweise: Markus Falkenberg (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe)

Mehr zum Thema:

  • Die LUBW baut seit 2018 ein landesweites Insektenmonitoring auf. Ausgewählte Insektengruppen werden mit standardisierten Methoden in regelmäßigen Zeitabständen erfasst. Mehr dazu erfahren Sie hier.
Bildnachweis: TypoArt BS/shutterstock.com