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LUBW Monatsthema Klima: Ausbreitung der Flechten

Flechten sind Pilze, die in einer Lebensgemeinschaft mit kleinsten Algen oder Cyanobakterien leben. Sie siedeln beispielsweise an Felsen oder Baumrinden und reagieren vergleichsweise empfindlich auf Klimaveränderungen. 45 Flechtenarten sind als „Klimawandelindikatoren“ eingestuft, da sie ursprünglich in milden und eher atlantisch geprägten Klimagebieten beheimatet sind.

Da Flechten keine Wurzeln zur aktiven Wasseraufnahme haben, können sie nur über die Oberfläche Wasser aufnehmen. Bei Trockenheit können Flechten in eine Art Trockenstarre verfallen und sind daher unempfindlich gegenüber Hitze und weiterer Austrocknung. Bei erneuter Wasseraufnahme erwachen sie wieder zum Leben. Im Gegensatz zu den meisten Gefäßpflanzen legen Flechten im Winter keine Ruhephase ein. Daher eignen sie sich, um Witterungsveränderungen in den Wintermonaten anzuzeigen.

Verschiedene Flechtenarten reagieren sehr empfindlich auf Luftverschmutzung. Die Nähr- und Schadstoffe werden durch Regen oder die Luft nahezu ungefiltert aufgenommen. Von der verbesserten Luftqualität sowie den milder und feuchter gewordenen Wintern profitieren die Flechten und breiten sich daher immer mehr aus.
Um die Entwicklung der Flechtengemeinschaft zu erfassen, untersucht die Medienübergreifende Umweltbeobachtung an der LUBW seit 1986 die Veränderungen systematisch an Baumstämmen an 17 Waldstandorten in Baden-Württemberg. Mit Ausnahme eines Standorts hat die Anzahl der Flechtenarten zugenommen, selbst in kühlen, teils über 1.000 Meter hoch gelegenen Wäldern. Die Zunahme wärmeliebender Flechtenarten ist also im ganzen Bundesland und in allen Höhenstufen beobachtbar. An Bedeutung gewinnen die Arten, die mildere und im Jahresverlauf weniger stark schwankende Temperaturen und niederschlagsreiche Winter bevorzugen. Das sind insbesondere die atlantischen Arten.

Die klimatischen Veränderungen haben Auswirkungen auf unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten. Während wärmeliebende Arten Regionen besiedeln, die ihnen früher möglicherweise zu kühl waren, weichen an kühle Habitate angepasste Arten in höhere Lagen aus oder verschwinden zunehmend.
Die Veränderungen des Flechtenartenspektrums können entsprechend Auswirkungen auf das Ökosystem Wald haben. Flechten bieten zahlreichen Kleintieren Unterschlupf und dienen als Brutstätte und Nahrungsquelle. Die Beziehungen zwischen den Arten ist äußerst komplex. Wie sehr das Ökosystem Wald durch die Veränderungen des Flechtenartenspektrums beeinflusst wird, lässt sich derzeit nicht konkret fassen.

Bild zeigt: Flechte auf Rinde, Bildnachweis: Marina_Nov/stock.adobe.com


Mehr zum Thema:
• Mehr über den Klimawandelindikator Flechte können Sie im neu erschienenen Monitoringbericht 2020 zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel in Baden-Württemberg (Link: https://pd.lubw.de/10182) nachlesen. Auch andere Indikatoren, die den Klimawandel in Ausmaß und Dynamik beschreiben, können Sie darin finden. Diese sind zum Beispiel aus den Feldern Landwirtschaft, Boden und Wasserhaushalt, aber auch Tourismus und Gesundheit.
• Mehr Informationen zur Medienübergreifenden Umweltbeobachtung der LUBW finden Sie außerdem hier
 

Bildnachweis: TypoArt BS/shutterstock.com