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Wie ist es um Schwärmer, Glucken und Trinkerinnen im Land bestellt? – Das Nachfaltermonitoring der LUBW bringt Licht ins Dunkel.

Von oben nach unten: Der Nachtfalter Brauner Bär auf einem Baum. Frau Bell spricht beim Pressetermin im Naturkundemuseum Karlsruhe. Kasten in dem die bestimmten Insekten aufbewahrt werden.Sie tragen seltsame Namen wie Glucke, Trinkerin oder Mönch und werden erst bei Dunkelheit aktiv. Nur wenige Menschen kennen deshalb die 950 in Baden-Württemberg beheimateten Nachtfalterarten.

Es gibt immer weniger Tagfalter. Aber wie ist es um deren nächste Verwandte, die artenreiche Gruppe der Nachtfalter bestellt? Um diese Frage zu ergründen, verglichen Expertinnen und Experten im Rahmen des landesweiten Insektenmonitorings der LUBW historische Aufzeichnungen mit aktuellen Belegen aus der vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe betreuten Schmetterlingsdatenbank. Die aktuellen Daten wurden durch ein zweijähriges, intensives und gezieltes Monitoring ergänzt. So kamen rund 130.000 Datensätze zusammen, deren Auswertung umfassende Aussagen zur Entwicklung der Nachfalterbestände im Land über die letzten fünf Jahrzehnte erlaubt.

Die teils überraschenden Ergebnisse wurden am 22. Oktober anlässlich eines Pressetermins der LUBW mit Staatssekretär Dr. Andre Baumann (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft), Dr. Claudia Rose (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst) und Eva Bell – Präsidentin der LUBW – am Naturkundemuseum Karlsruhe vorgestellt.

Was zuvor nur vermutet wurde, bestätigte sich leider. Selbst in den naturschutzfachlich hochwertigsten Gebieten des Landes, ist die Artenvielfalt der Nachtfalter seit dem Jahr 2000 deutlich zurückgegangen. Im Mittel verschwanden 29 Prozent (113) der in der Vergangenheit nachgewiesenen Arten. 17 Prozent (65) neue Arten sind hinzugekommen. Beide Trends zusammengenommen hat die Artenzahl insgesamt um 12 Prozent abgenommen. Für die Biodiversität ist das kein gutes Zeichen. Der durch die neuen Arten verursachte Wandel in der Artenzusammensetzung ist eines der überraschendsten Ergebnisse des Monitorings und liegt an den zunehmend höheren Temperaturen. Hierin kann ein weiteres Anzeichen für den Klimawandel gesehen werden.

Für mehr als die Hälfte (54 Prozent) der nachgewiesenen Nachtfalter konnte außerdem ein Rückgang der Verbreitung festgestellt werden. Besonders auffallend ist, dass diese Abnahme vor allem viele Arten (282) betrifft, die bisher nicht auf der Roten Liste geführt werden. Das sind Arten die also als „nicht gefährdet“ galten. Ein Beispiel hierfür ist der Braune Bär – Falter des Jahres 2021.
Hauptursachen für diese Entwicklungen dürften der Verlust und die Entwertung von Biotopen, übermäßige Nährstoffeinträge, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Lichtverschmutzung und der Klimawandel sein.

Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten. So konnten über das Monitoring mehrere als verschollen geltende Arten wiedergefunden werden – eine davon ist der Augentrost-Blütenspanner.

Sowohl Staatssekretär Baumann als auch Frau Präsidentin Bell unterstrichen beim Pressetermin den großen Wert langfristiger Datenreihen. Deshalb sei der Landesregierung zu danken, die sich die Verstetigung des Insektenmonitorings zum Ziel gesetzt habe. Nur über ein dauerhaftes Monitoring lasse sich die Wirksamkeit der zum Schutze der Insekten ergriffenen Maßnahmen auch in der Fläche nachvollziehen und effizient gestalten. So soll das Monitoring dazu beitragen, dass auch folgende Generationen noch erfahren können, welch faszinierende Wesen sich hinter den seltsamen Namen verbergen.

Bilder zeigen (von oben nach unten): Der Braune Bär (Arctia caja) ist stark in seinem Bestand zurückgegangen. Bildnachweis: Dr. Florian Theves.
Frau Bell, Präsidentin der LUBW spricht im Naturkundemuseum Karlsruhe über die Relevanz eines langfristigen Insektenmonitorings. Bildnachweis: Julia Schwandner.
Kasten in der die bestimmten Insekten gesammelt werden, gelagert im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe. Bildnachweis: Julia Schwandner.

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Bildnachweis: TypoArt BS/shutterstock.com