Grundwasser

Fazit: Die Grundwasserneubildung wird sich bis 2050 insgesamt nur wenig ändern. Aufgrund geänderter Niederschlagsverteilung nimmt die innerjährliche Schwankungsbreite mit niedrigeren Grundwasserständen im Sommer und höheren Grundwasserständen im Winter zu. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Wasserversorgung landesweit auch langfristig gesichert ist. Die Vulnerabilität des Grundwassers liegt im mittleren Bereich.

 

Grundwasserhaushalt

Schematische Darstellung des Grundwasserhaushalts unter Berücksichtigung der wichtigsten Bilanzgrößen (Grafik: KLIWA, Heft 17)


Über 70% des Trinkwassers im Land stammt aus Grundwasser. Die Grundwasserneubildung ist stark abhängig von der Höhe des Niederschlags und der Temperatur, daneben spielen die Höhe des oberirdischen Abflusses und der Verdunstung eine Rolle. Der Jahresniederschlag in Baden-Württemberg betrug für die Vergleichsperiode 1971-2000 durchschnittlich 961 mm. Für die nahe Zukunft (2021-2050) werden nur geringfügige Änderungen im Gesamtniederschlag erwartet. In der Vergleichsperiode lagen die Sommerniederschläge (außer im Schwarzwald) über denen des Winterhalbjahrs, dennoch ist die Grundwasserneubildung aus dem Niederschlag im hydrologischen Sommerhalbjahr (01.05. bis 31.10.) weit geringer als im hydrologischen Winterhalbjahr (01.11. bis 30.04.).

Die bisher betrachteten Klimaprojektionen für die Zukunft gehen von einer saisonalen Verschiebung des Niederschlags im Land aus. Die bereits feststellbaren jahreszeitlichen Veränderungen in Richtung Winterhalbjahr weiter voraussichtlich weiter zunehmen (+15 bis 35 mm), die Niederschläge im Sommerhalbjahr etwa in gleichen Maß weiter abnehmen.

Die Zunahme sommerlicher Trockenperioden in der Zukunft führt zu einer geringeren Grundwasserneubildung im Sommerhalbjahr und zu einer Zunahme des Trockenheitsindex. Berechnungen zeigen, dass es künftig vermehrt (jährlich zusätzlich 2 bis 3 Wochen) zu Trockenzeiten kommen kann, bei denen der pflanzenverfügbare Wassergehalt im Boden [sog. nutzbare Feldkapazität] unter einen kritischen Wert von 30% sinkt. Im Sommerhalbjahr ist daher eine verstärkte Beanspruchung der Grundwasservorräte zu erwarten, z.B. durch Trinkwasserversorgung (Spitzenbedarfsdeckung) und ggf. durch die Deckung des steigenden landwirtschaftlichen Beregnungsbedarfs.


Trockenheitsindex Süddeutschland

Trockenheitsindex (in Tagen pro Jahr) für die Normalperiode (1971-2000) für den Süden Deutschlands; Grafik: KLIWA

 

Veränderung des Trockenheitsindex

Veränderung des Trockenheitsindex (in Tagen pro Jahr) für die nahe Zukunft für den Süden Deutschlands; Grafik: KLIWA


Die Grundwasserneubildung ist ein wichtiges Maß für die 'natürliche Regenerationsfähigkeit' der Grundwasserressourcen. Die künftig erwartete Erhöhung der Niederschläge im Winterhalbjahr lässt die Grundwasserstände steigen. Damit nimmt saisonal die Vernässungsgefahr zu. Die Auswertung von Grundwasser-Daten bis 2007 hat gezeigt, dass die Grundwasserhöchststände häufig in den Monaten März bis Mai auftreten und dass eine Tendenz zu immer früherem Auftreten des Maximums in Richtung Winterhalbjahr erkennbar ist. Über das gesamte Jahr gesehen wird die jährliche Schwankungsbreite der Grundwasserstände zunehmen.


Weitere Angebote zum Thema

Auswirkungen des Klimawandels auf Bodenwasserhaushalt und Grundwasserneubildung, KLIWA-Berichte Heft 17

Trinkwasser: Versorgung langfristig gesichert

Das durchschnittliche jährliche Wasserdargebot über Grundwasser- und Oberflächengewässerzuflüsse aus umgebenden Regionen und Niederschlägen beträgt 49 Milliarden Kubikmeter Wasser – etwa soviel wie das Bodenseevolumen. Davon werden 10% als Brauch- und Trinkwasser genutzt – der Hauptanteil dient als Kühlwasser für Kraftwerke und wird aus Oberflächenwasser entnommen und wieder in die Flüsse eingeleitet. 10% des Gesamtverbrauches dienen der öffentlichen Wasserversorgung durch über 1.300 Wasserversorgungsunternehmen (meist in kommunaler Hand). Die vier Fernwasserversorgungen stellen mit großräumigen Versorgungssystemen Zusatzwasser für Wassermangelgebiete bereit. Jährlich werden rund 652 Millionen Kubikmeter Trinkwasser bereitgestellt. Dieses stammt zu 73% aus Grund- und Quellwasser und zu 27% aus Oberflächenwasser. Der Bodensee ist der bedeutendste Trinkwasserspeicher im Land.


Wasserverbrauch in Baden-Württemberg

Wasserverbrauch in Baden-Württemberg 2010 (Daten: Statistisches Landesamt, 2012)


Die Experten erwarten im Sommerhalbjahr einen Anstieg des Bedarfs der wesentlichen Verbrauchergruppen wie Haushalte, Industrie und Landwirtschaft und hierdurch eine verstärkte Beanspruchung der Grundwasservorräte. Die Bedarfsentwicklung ist jedoch von vielen weiteren Randbedingungen abhängig und derzeit noch nicht quantifiziert. Landesweit geht heute von der öffentlichen Wasserversorgung nur ein geringer und seit Jahrzehnten tendenziell abnehmender Nutzungsdruck auf die Wasserressourcen aus.

Über das gesamte Jahr gesehen wird die jährliche Schwankungsbreite der Grundwasserstände zunehmen. Die vorhandene Wasserversorgungsstruktur in Baden-Württemberg mit den so genannten drei Säulen Gemeinde-, Gruppen- und Fernwasserversorgungen hat bisher technisch und organisatorisch ein ausreichend hohes Maß an Flexibilität und Kapazitätsreserven gezeigt. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Wasserversorgung landesweit auch langfristig gesichert ist.


Struktur der Wasserbereitstellung

Struktur der Wasserbereitstellung der Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg (Quelle: Zweckverband Landeswasserversorgung 2004 auf Basis von Daten des Statistischen Landesamtes)