Hintergrund und Eckdaten

Naturschutz in Baden-Württemberg

Fazit: Etwa 40 % der Arten und knapp die Hälfte der schützenswerten Biotoptypen Baden-Württembergs sind derzeit nach den Roten Listen gefährdet, auch ohne den zusätzlichen Gefährdungsfaktor Klimawandel. Durch den Klimawandel wird die Gefährdungssituation der Arten weiter verschärft. Dem steht eine voraussichtlich steigende internationale Schutzverantwortung Deutschlands und Baden-Württembergs (z. B. für FFH-Arten) gegenüber. Artenschutzmaßnahmen sind daher sehr dringlich, v. a. für gegenüber dem Klimawandel empfindliche Arten. Von den als "gefährdet" und "stark gefährdet" eingestuften Biotoptypen weisen 72% eine mittlere bis hohe Sensitivität gegenüber dem Klimawandel auf. Deshalb gilt es, den Biotopverbund auszubauen und die Resilienz und das natürliche Anpassungspotenzial der Ökosysteme zu stärken.

Baden-Württemberg besitzt aufgrund der Vielfalt der Landschaften – von der Oberrheinischen Tiefebene bis zum Hochschwarzwald und den Mooren des Allgäu - eine große Fülle an Arten und Lebensräumen (biologische Vielfalt, Biodiversität). Das Artenspektrum reicht von Arten mit arktisch-alpinen bis zu solchen mit submediterranen Verbreitungsschwerpunkten und umfasst etwa 50.000 Tier- und Pflanzenarten.

Montane Arten wie die Alpine Gebirgsschrecke gelten als "Klimaverlierer"Die Verbreitung von Lebensräumen, Pflanzen und Tieren aber auch ihre Gefährdung durch Klimawandel und Nutzungsdruck kennen keine politischen Grenzen. Die Staaten der Europäischen Union haben sich die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa zum Ziel gesetzt und den Aufbau eines zusammenhängenden Netzes europäischer Schutzgebiete beschlossen. Natura 2000 ist eine europäische Naturschutzkonzeption auf Grundlage der EG-Vogelschutzrichtlinie aus dem Jahr 1979 und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aus dem Jahr 1992 (FFH-Richtlinie; Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt, Habitat = Lebensraum). In Baden-Württemberg sind rund 86.000 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen, das sind 2,4% der Landesfläche. Flächenhafte Naturdenkmale machen 0,3% aus (10.500 ha). Zu den Schutzgebieten nach der europäischen FFH-Richtlinie zählen im Land 350 Gebiete (davon 260 FFH und 90 Vogelschutzgebiete, die sich teilweise überlappen) mit insgesamt 630.00 Hektar (17,3% der Landesfläche).

Schutzgebiete

Die Schutzgebietskategorien Naturschutzgebiet (NSG), Nationalpark (NLP), Landschaftsschutzgebiet (LSG), Naturdenkmal (Flächenhaftes Naturdenkmal: FND; Einzelbildungen: END), Naturpark (NP), Bannwald (BNW), Schonwald (SCW) sowie Biosphärengebiet (BSG) als auch Natura 2000-Schutzgebiet (FFH-Gebiet und Vogelschutzgebiet - SPA-Gebiet) unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihrem Schutzziel und ihrem Schutzstatus. Im Schutzgebietsverzeichnis finden Sie zu jedem Schutzgebiet Baden-Württembergs weiterführende Informationen.

Klimawandel gefährdet Arten und Lebensräume

Die Lebensbedingungen von Tieren, Pflanzen und ihre Lebensräume (Habitate) hängen in starkem Maß von den klimatischen Faktoren, den naturräumlichen Gegebenheiten und der menschlichen Nutzung ab. Viele der Arten und Lebensräume sind in ihren Beständen und ihrer Verbreitung in Baden-Württemberg zum Beispiel durch Verkleinerung der Lebensräume und andere menschliche Nutzungen heute schon gefährdet. Der Klimawandel kann diese Entwicklung künftig noch verstärken. Der Anteil an gefährdeten Arten der Roten Listen beträgt je nach Artengruppe zwischen 66 Prozent (Reptilien) und 11,8 Prozent (Weberknechte). Im Mittel über alle Artengruppen der Roten Listen waren Ende 2012 ungefähr 40 Prozent der Arten in Baden-Württemberg gefährdet. Nach der Roten Liste Biotoptypen gelten von den 281 Biotoptypen ca. 37 Prozent als aktuell gefährdet, weitere 13,5 Prozent stehen auf der Vorwarnliste. Der Klimawandel mit seinen Auswirkungen trifft also auf eine in ihrer Anpassungsfähigkeit geschwächte biologische Vielfalt. Heute schon sind deutliche Auswirkungen auf einzelne Arten, geschützte Biotope und Lebensräume festzustellen und dieser Einfluss wird künftig weiter zunehmen.


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