Hochwasserereignisse nehmen weiter zu

Fazit: Bis 2050 ist eine Verschärfung der Hochwassersituation sowohl in der Höhe, der Dauer als auch der Häufigkeit sehr wahrscheinlich – insbesondere im Winterhalbjahr. Schwere Schäden können sowohl lokal als auch großräumig auftreten. Für die ferne Zukunft lassen sich noch keine detaillierten Angaben machen. Insgesamt ist der Bereich Hochwasser hoch vulnerabel.


Hochwasser Bad Wimpfen 2005

Hochwasser Bad Wimpfen 2005

Allgemein führt ein Temperaturanstieg zu einer Intensivierung des Wasserkreislaufes: Die höhere Verdunstung und Wolkenbildung führt zu stärkeren Niederschlägen. Seit etwa Mitte der 1970er Jahre treten in Baden-Württemberg häufiger Hochwässer auf als in der Zeit davor. Die Untersuchungen aus KLIWA und der regionalen Klimaprojektionen zeigen: Für die nahe Zukunft ist eine weitere Verschärfung der Hochwassersituation sowohl in der Höhe, der Dauer als auch der Häufigkeit sehr wahrscheinlich. Dies gilt für mittlere und extreme Hochwasserereignisse.

Ursache sind zunehmende Winterniederschläge durch vermehrtes Auftreten niederschlagsintensiver Westwetterlagen (Westlage zyklonal) und häufigere Starkregenfälle. Die erwarteten wärmeren Winter verkürzen die Zwischenspeicherung von Niederschlägen in Form von Schnee, die bisher eine ausgleichende Wirkung auf die Abflussverhältnisse hatte. Die Verschärfung der Hochwassergefahr ist dabei je nach Flusscharakteristik unterschiedlich: Grundsätzlich werden kaum Veränderungen bei Hochwasserereignissen (z. B. HQ100) an solchen Gewässern erwartet, die maßgeblich durch die Schneeschmelze aus Mittelgebirgen und den Alpen beeinflusst sind (sog. nivales Abflussregime z.B. Hochrhein, Oberrhein). Dagegen sind größere Veränderungen bei Gewässern wie z.B. Neckar und Kinzig zu erwarten, deren Hochwässer überwiegend durch Regenereignisse charakterisiert sind (sog. pluviales Abflussregime).
 

Lastfall Klimawandel - Klimaänderungsfaktor

Mit einer Erhöhung von Hochwasserabflüssen geht ein erhebliches Schadenspotential durch Überflutung von Siedlungen und Infrastruktur, Nutzungseinschränkungen der Gewässer wie der Einstellung der Binnenschifffahrt und Auswirkungen auf die Gewässerökologie einher. Die Hochwasservorsorge ist deshalb zentrales Element der Hochwasser-Anpassungsstrategie. Bei der Planung von Hochwasserschutzanlagen wird meist der HQ 100 zugrunde gelegt, also der Hochwasserabfluss, der statistisch betrachtet einmal in 100 Jahren auftritt ("Jahrhunderthochwasser"). Simulationen zeigen, dass die künftigen Hochwässer im Winter an fast allen Pegeln zunehmen werden. Der "Lastfall Klimawandel" berücksichtigt bei Planung und Bau von technischen Hochwasserschutzmassnahmen bereits die erwarteten höheren Abflüsse. Richtig geplant fallen Kosten für erhöhten Hochwasserschutz geringer aus bei nachträglichen Anpassungen.


Faktor für Klimaänderung

Lastfall Klimawandel: Regionen mit einheitlichen Klimaänderungsfaktoren fT,K für den technischen Hochwasserschutz und Tabelle der Klimaänderungsfaktoren fT,K . Je höher dieser Faktor ist, desto höher sind die zu erwartenden Hochwasserabflüsse. [LUBW 2012b]

Aus Vorsorgegründen haben daher Baden-Württemberg und Bayern einen "Klimaänderungsfaktor" eingeführt, der für der HQ 100 zwischen 1,15 bis 1,25 liegt. Bei der Bemessung von Schutzmaßnahmen werden Anlagen im südlichen Schwarzwald sowie den Oberläufen von Neckar und Donau künftig für eine 25 Prozent höhere Wasserführung dimensioniert oder bereits heute so geplant, dass sie bei Bedarf nachgerüstet werden können. In den übrigen Landesteilen wird die Zunahme auf 15 Prozent geschätzt und ein entsprechender Abfluss berücksichtigt.


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Hochwasservorhersagezentrale der LUBW (links) und das Muster einer Hochwasserrisikokarte (rechts)
 

Im Hochwasserfall erstellt die Hochwasservorhersagezentrale der LUBW (HVZ) aufgrund von meteorologischen Messdaten und Prognosen sowie Pegeldaten stündlich aktualisierte Vorhersagen zum Hochwasserverlauf wie Scheitelhöhen und voraussichtlichem Zeitpunkt der Maxima. Dadurch gewinnen Einsatzkräfte wichtige Zeit, um sich auf drohende Hochwasserereignisse vorzubereiten. Rechtzeitiges Eingreifen von Behörden, Kommunen und Bürgern kann immense Schäden verhindern. Jedoch gibt es keinen absoluten Schutz vor Hochwasser. Das Erkennen von Hochwasserrisiken sowie das koordinierte und gemeinsame Handeln vor, während und nach einem Hochwasser wird mit der 2007 in Kraft getretenen Europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (EU-HWRM-RL) verbindlich geregelt.

Dazu werden in einem Gemeinschaftsprojekt der Kommunen und des Landes Baden-Württemberg u.a. sog. Hochwassergefahrenkarten für alle relevanten Gewässer erstellt. Die Gefahrenkarten zeigen für über 11.000 km Gewässer die Ausdehnung und Überflutungstiefen bei unterschiedlichen Hochwasserszenarien an (HQ10, HQ100, HQExtrem). Aus den Gefahrenkarten werden Hochwasserrisikokarten abgeleitet, indem potentielle Schäden für die Schutzgüter menschliche Gesundheit, Umwelt, wirtschaftliche Tätigkeit und Kulturerbe abgeschätzt werden. Die Risikokarten werden durch Steckbriefe für jede Gemeinde ergänzt. Die Hochwassergefahren-, Risikokarten und Steckbriefe werden landesweit erstellt.

Hochwasserpartnerschaften sind ein Zusammenschluss von Kommunen, Fachverwaltungen und Institutionen innerhalb eines Einzugsgebietes. Ziel ist die Stärkung des Gefahrenbewusstseins und der Weitergabe von Erfahrungen in der Hochwasservorsorge durch den Aufbau von Netzwerken entlang der Gewässer. Eine wichtige Aufgabe ist die Plausibilisierung der Gefahren- und der Risikokarten sowie der Maßnahmenplanung zum Hochwasserrisikomanagement. Auch die Einbindung berührter Stellen wie Naturschutz- oder Wirtschaftsverbände erfolgt über sie.