Schutzgut bauliche Umwelt

Mehr Schäden durch Hitze an Straßen und Gebäuden

Fazit: Gebäude und Verkehrswege sind zentrale Handlungsfelder der Stadt- und Raumplanung. Beide werden durch den Klimawandel einer höheren Wärmebelastung ausgesetzt sein. Häufigere Erwärmung und Abkühlung der Bauwerke sowie thermische Spitzenbelastungen über längere Zeiträume kann zu Bauteilermüdung, vorzeitiger Materialalterung, Dehnungsrissen und Ausfällen von technischen Gebäudeanlagen führen. Diese Schäden werden künftig zahlreicher und früher auftreten – besonders in städtischen Ballungsräumen. Daneben kann die Wirtschaftlichkeit mancher Gebäude durch den künftig steigenden Kühlbedarf deutlich sinken. Die Ergebnisse der Vulnerabilitätsanalyse zeigen, dass die Kreise Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar, Heilbronn (Landkreis und Stadtkreis), Karlsruhe (Landkreis und Stadtkreis), Pforzheim, Ludwigsburg, Böblingen, Esslingen und der Ortenaukreis als hoch vulnerabel eingestuft werden müssen.


Kommunalplanung
 

Risiko für Schäden an Gebäuden

Für die Untersuchung der Vulnerabilität der Kreise wurde der Indikator "Gebäude-/Freifläche" verwendet. Aufgrund fehlender Basisdaten nimmt das Gutachten vereinfachend an, dass dort, wo es mehr Gebäude und Straßen gibt, auch mehr Hitzeschäden entstehen können. Als Klimafaktoren wurden "Heiße Tage" und "Hitzeperioden-Tage" verwendet. Denn für Schäden an Gebäuden sind nicht nur die Spitzenbelastungen an sich, sondern auch ihre Dauer relevant. Das Gutachten kommt zum Ergebnis, dass die Kreise Mannheim, Rhein-Neckar, Heidelberg, Karlsruhe (LKR und SKR), Heilbronn (LKR und SKR), Pforzheim und der Ortenaukreis als hoch vulnerabel einzustufen sind.

Risiko für die ökonomische Nutzbarkeit von Gebäuden in der Wirtschaft (Kühlungsbedarf)

Die Kühlung von Arbeitsstätten erhöht die Betriebskosten eines Gebäudes. Entweder steigt der Strombedarf oder das Gebäude muss mit Kühlsystemen nach- oder umgerüstet werden. Beides führt dazu, dass Gebäude nicht mehr so rentabel betrieben werden können wie ursprünglich kalkuliert. Die Abwärme konventioneller Klimaanlagen verstärkt wiederum den urbanen Hitzeinsel-Effekt. In der Produktion verschärft sich das Problem noch durch etwaige Prozesswärme oder zu kühlende Produkte.

Um das Risiko für die ökonomische Nutzbarkeit von Gebäuden zu bestimmen, wurde die Anzahl der "Kühlgradtage" zugrunde gelegt. Dieser Faktor gibt in Kelvin die Summe der Temperaturen jener Tage eines Jahres an, deren Tagesmitteltemperatur über 18,3 °C liegt. Je höher der Wert, desto mehr muss gekühlt werden. Der Median steigt in ganz Baden-Württemberg auf 54,0 bis 258,1 Kühlgradtage in der nahen Zukunft. Die Ergebnisse der Untersuchung nach Kreisen ergeben, dass folgende Kreise hoch vulnerabel sind: Heidelberg, Karlsruhe (Landkreis und Stadtkreis), Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen und der Ortenaukreis.

Risiko für Schäden an Verkehrswegen

Die erwarteten zunehmenden Temperaturschwankungen, steigende Durchschnittstemperaturen und Hitzetage im Sommer schaden den Verkehrwegen, vor allem den Straßen. So kann sich das Materialverhalten genauso verändern wie die Spannungen im Straßenaufbau mit daraus resultierenden Materialermüdungen. Die Spurrinnenbildung kann ebenso zunehmen wie die Anzahl der "Blow-ups" (Hitzeaufbrüche/-sprengung) bei Betonfahrbahndecken oder Schäden an Brückenlagern.

Da bei diesem Themenfeld Basisdaten aus Langzeituntersuchungen fehlen, wurde zur Bestimmung der Vulnerabilität der Indikator "Verkehrsfläche" verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kreise Rhein-Neckar, Karlsruhe (Landkreis), Heilbronn (Landkreis), Schwäbisch Hall, Main-Tauber und der Ortenaukreis als hoch vulnerabel eingestuft werden müssen. Es sind hier vorwiegend Landkreise des ländlichen Raums betroffen, weil diese aufgrund der vielen Straßen und Wege und ihrer Größe relativ mehr Verkehrsfläche als Stadtkreise aufweisen.

 

Vulnerabilitäten der Stadt- und Landkreise für das "Schutzgut Bauliche Umwelt"

Potenzielle Vulnerabilitäten der Stadt- und Landkreise für alle Teilaspekte (Problemlagen) des "Schutzgut Bauliche Umwelt" in der nahen Zukunft (2021-2050; p50.0); eigene Darstellung; Legende: rot = hoch; orange = mittel; gelb = gering (Quelle: Fachgutachten im Handlungsfeld Stadt- und Raumplanung, Hemberger und Utz 2013)