Schutzgut Mensch

Erhöhtes Risiko für bestimmte Bevölkerungsgruppen

Fazit: Vor allem ältere Menschen über 75 Jahre, Kleinkinder unter fünf Jahren und vorbelastete Menschen wie Kranke und Pflegebedürftige sind anfällig für Hitzestress. Die Stadt- und Raumplanung muss daher versuchen, die Folgen des Klimawandels besonders für diese Gruppen zu berücksichtigen bzw. abzumildern. Ein erhöhtes Risiko haben insbesondere die tiefer liegenden Kreise und Verdichtungsräume in Oberrheingraben und Neckarbecken. In diesen Regionen besteht der größte Handlungsbedarf.

 

Sonnenschutz


Einzelne Bevölkerungsgruppen weisen eine erhöhte Sensitivität gegenüber erhöhter Wärmebelastung auf. Um die potenzielle Vulnerabilität beim Schutzgut "Mensch" in den baden-württembergischen Kreisen zu bestimmen, wurden deshalb charakteristische Risiken für drei besonders betroffene Bevölkerungsgruppen genauer betrachtet:

  • Risiko erhöhter Mortalität bei über 75-Jährigen,
  • Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen bei vorbelasteten Personen,
  • Risiko für Gesundheitsschäden bei unter 5-Jährigen.

Für die Bevölkerungsgruppe der über 75-Jährigen sind die Klimawandelfolgen im Bereich "Wärme" besonders einschneidend: Eine höhere Hitzebelastung bedeutet mit zunehmendem Lebensalter ein erhöhtes Sterberisiko. Denn je älter ein Mensch ist, umso weniger kann er seine Körpertemperatur ausreichend regeln und sich damit schnell genug akklimatisieren. Die Zunahme dieser Bevölkerungsgruppe durch den demografischen Wandel verschärft dieses Problem. So rechnet das Statistische Landesamt damit, dass die Zahl der über 65-Jährigen von knapp 2,1 Mio. im Jahr 2012 auf über 2,7 Mio. im Jahr 2030 zunehmen wird. Hoch vulnerabel in punkto höheres Sterberisiko sind die Stadt- und Landkreise: Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar, Karlsruhe (Stadtkreis und Landkreis), Heilbronn (Landkreis), Ludwigsburg, Rems-Murr, Esslingen, Böblingen, Stuttgart und der Ortenaukreis.

Schon eine moderate Steigerung der Wärmebelastung ist auch besonders für jene Personen kritisch, die sich aufgrund einer Vorbelastung wie beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen nur begrenzt anpassen können. Hierzu gehören die Pflegebedürftigen. Diese Personengruppe ist häufig einschlägig vorbelastet oder das "Krankheitsbild" verstärkt sich. Bei dieser Risikogruppe sind die Stadt- und Landkreise Main-Tauber, Neckar-Odenwald, Pforzheim, Baden-Baden und der Ortenaukreis als hoch vulnerabel einzustufen.

Kinder unter fünf Jahren können ihre Körpertemperatur ebenfalls nur begrenzt regulieren und haben deshalb ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Gesundheitsschäden. Denn bei höherer Wärmebelastung sind kleinere Kinder anfälliger für Dehydrierung, Hyperthermie und Hyponatriämie, Unwohlsein und die Gefahr eines Nierenversagens. Die Untersuchungen für diese Risikogruppe ergaben, dass die Kreise Mannheim, Rhein-Neckar, Karlsruhe (Landkreis), Ludwigsburg, Rems-Murr, Stuttgart, Esslingen und der Ortenaukreis als hoch vulnerabel eingestuft werden müssen.


Vulnerabilitäten der Stadt- und Landkreise für das "Schutzgut Mensch"

Potenzielle Vulnerabilitäten der Stadt- und Landkreise für alle Teilaspekte (Problemlagen) des "Schutzgut Mensch" in der nahen Zukunft (2021-2050; p50.0); eigene Darstellung; Legende: rot = hoch; orange = mittel; gelb = gering (Quelle: Fachgutachten im Handlungsfeld Stadt- und Raumplanung, Hemberger und Utz 2013)