Schutzgut Wirtschaft

Geringere Produktivität bei Produktion und Dienstleistung

Fazit: Zunehmende Erwärmung führt bei vielen Erwerbstätigen zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit und geringerer Produktivität. Eine größere Hitzebelastung durch den Klimawandel kann also ökonomische Einbußen zur Folge haben. Hiervon sind besonders der sekundäre (Produktion) und der tertiäre Sektor (Dienstleistung) betroffen. Die Untersuchungen ergaben, dass die Kreise Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar, Karlsruhe (Landkreis und Stadtkreis), Heilbronn (Landkreis und Stadtkreis), Ludwigsburg, Rems-Murr, Göppingen, Esslingen, Böblingen, Pforzheim, Ortenau und Freiburg als hoch vulnerabel eingestuft werden müssen.


Neckarwerk Altbach

Neckarwerk Altbach
 

Um die Anfälligkeit der Wirtschaft in Baden-Württemberg durch die Klimafolgen zu bestimmen, haben die Gutachter vier Problemlagen genauer untersucht:

  • das Risiko leicht eingeschränkter Leistungsfähigkeit für den sekundären Sektor,
  • das Risiko stark eingeschränkter Leistungsfähigkeit für den sekundären Sektor,
  • das Risiko leicht eingeschränkter Leistungsfähigkeit für den tertiären Sektor,
  • das Risiko stark eingeschränkter Leistungsfähigkeit für den tertiären Sektor.

Der Unterschied zwischen "leichter" und "starker" Einschränkung ergibt sich aus den verwendeten Klimafaktoren: Bei leicht eingeschränkter Leistungsfähigkeit wurden die "Sommertage" (Tagesmaximum-Temperatur ≥ 25 °C) verwendet, bei starker Einschränkung die "Heißen Tage" (Definition: Tagesmaximum-Temperatur ≥ 30 °C) und die "Hitzeperioden-Tage" (mindestens 3 Tage mit einer Tagesmaximum-Temperatur ≥ 30 °C und einem Tagesminimum von ≥ 18 °C). Schon bei Temperaturen über 24 °C kann das körperliche Wohlbefinden beeinträchtigt werden und damit die Leistungsfähigkeit sinken. Bei Tropentagen über 30 °C verschärfen sich diese Probleme nochmals deutlich. Das Gutachten unterscheidet aus zwei Gründen zwischen sekundärem und tertiärem Sektor: Tertiäre Arbeitsstätten liegen eher in der Innenstadt (Hitzeinsel-Effekt), während sich Arbeitsstätten des sekundären Sektors vorwiegend am Stadtrand in Gewerbegebieten befinden. Zweitens wird in der Produktion vielfach körperlich gearbeitet, manchmal sogar mit zusätzlicher Wärmebelastung aus dem Produktionsprozess. Dadurch ergeben sich spezifische Anpassungsmaßnahmen.

Sekundärer Sektor

Im sekundären Sektor sind in Baden-Württemberg 1,82 Millionen Erwerbstätige beschäftigt, was 31 Prozent der insgesamt 5,8 Millionen Erwerbstätigen entspricht. In der Produktion ist häufig mit einer (Vor-)Belastung durch die Abwärme von Maschinen in Verbindung mit körperlicher Anstrengung zu rechnen, die – je nach Ausstattung des Gebäudes mit Klimaanlagen, Möglichkeiten zur Lüftung etc. – die Leistungsfähigkeit einschränken kann. Dadurch erhöht sich das Verletzungsrisiko und die Fehlerrate, während gleichzeitig die Arbeitsgeschwindigkeit sinkt. Die Untersuchungen zeigen, dass der sekundäre Sektor vor allem in den Kreisen Mannheim, Heilbronn (SKR), Ludwigsburg, Pforzheim, Böblingen, Esslingen und im Ortenaukreis als hoch vulnerabel einzustufen ist.

Tertiärer Sektor

Der tertiäre Sektor ist mit 3,91 Millionen und damit 67,4 Prozent aller Erwerbstätigen an der Gesamtwirtschaft in Baden-Württemberg der wichtigste Wirtschaftssektor im Südwesten. Untersuchungen zur Arbeitsproduktivität bei Bürotätigkeiten ergaben, dass die Beschäftigten eine Raumtemperatur von etwa 22 °C als optimal empfinden. Demnach sinkt ihre Produktivität besonders in Bürogebäuden mit schlechter Dämmung und hohem Glasfassadenanteil, sofern keine oder unzureichende Kühlsysteme vorhanden sind. Nicht an das Klima angepasste Bürogebäude können daher volkswirtschaftliche Einbußen zur Folge haben. Die Untersuchungen ergaben, dass die Leistungsfähigkeit der Erwerbstätigen vor allem in den Kreisen Rhein-Neckar, Heidelberg, Karlsruhe (Landkreis und Stadtkreis), Ludwigsburg, Rems-Murr, Esslingen, Böblingen, Freiburg und der Ortenaukreis eingeschränkt sein wird. Entsprechend sind diese Landkreise hoch vulnerabel.
 

Vulnerabilitäten der Stadt- und Landkreise für das Schutzgut Wirtschaft

Potenzielle Vulnerabilitäten der Stadt- und Landkreise für alle Teilaspekte des "Schutzgut Wirtschaft" in der nahen Zukunft (2021-2050; p50.0); eigene Darstellung; Legende: rot = hoch; orange = mittel; gelb = gering (Quelle: Fachgutachten im Handlungsfeld Stadt- und Raumplanung, Hemberger und Utz 2013)