Temperatur und Hitzestress belasten die Menschen

Fazit: Der menschliche Organismus verfügt zwar über leistungsfähige Thermoregulations-Mechanismen, aber übermäßige thermische Belastung kann zu akuten gesundheitlichen Folgen wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Insuffizienzen führen. Besonders betroffen sind ältere Menschen über 75 Jahre, Kleinkinder unter fünf Jahren, chronisch Kranke, Konsumenten von Alkohol und psychoaktiv wirkenden Drogen sowie sozial isoliert und in Armut lebende Personen. Insgesamt ist die durch Hitzestress bedingte Vulnerabilität des Menschen als hoch anzusehen. Insbesondere in Verdichtungsräumen mit wenigen Grünflächen ist mit einer hohen Gesundheitsbelastung durch steigende Temperaturen zu rechnen. Auch in den Nicht-Risiko-Gruppen führen erhöhte Temperaturen zu einer zusätzlichen Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und damit zu einer verminderten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.

Der gesunde menschliche Organismus verfügt über eine effektive Hitzeakklimatisation und kann sich an Temperaturen höher als 25°C bis 30°C anpassen. Die physiologische Thermoregulation und Hitzeanpassung gelten jedoch vor allem für den gesunden und jüngeren Organismus. Bei alten Menschen sind diese Mechanismen nur eingeschränkt wirksam. Ähnliches gilt für chronisch kranke Menschen, besonders wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen.

Untersuchungen zeigen eindrücklich, wie die Sterblichkeit der Bevölkerung in Hitzephasen rapide ansteigt. Bei einer Temperaturzunahme um ein Grad Celsius ist ein Anstieg der Gesamtmortalität aller Altersgruppen um 1 bis 6 Prozent zu erwarten (Eis et al. 2010). Für die Planung von Anpassungsstrategien im Sinne einer gesundheitlichen Vorsorge sind nicht nur die mittleren Temperaturwerte von Bedeutung, sondern vor allem auch die eventuell zu erwartenden extremen Wärmebelastungen. Gerade diese Spitzenbelastungen könnten ausgeprägte gesundheitliche Folgen haben. Nach einer Studie von Koppe (2005) sterben an Tagen mit starker Wärmebelastung – das entspricht einer gefühlten Temperatur von 32 °C bis 38 °C – rund 13 Prozent mehr Menschen als erwartet.

Im Hitzesommer 2003 kam es in Baden-Württemberg zu schätzungsweise 1.100 hitzebedingten Sterbefällen. In den Pflegeheimen des Landes fielen in der ersten Augusthälfte etwa 300 Menschen der Hitzewelle zum Opfer. Nach einer Studie von Gerstengarbe et al. (2005) ist damit zu rechnen, dass sich in Baden-Württemberg die Verwundbarkeit gegenüber Wärmebelastung im Zukunftsszenarium (2001-2055) im Vergleich zum Basisszenarium (1951-2000) um rund 20 Prozent erhöht. Nach diesen Ergebnissen ist zukünftig landesweit mit jährlich 180 bis 400 zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen zu rechnen.

Jenseits der hitzebedingten Morbidität und Mortalität hängen auch die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit von der Temperatur und der Feuchte der Umgebungsluft ab. Bei einem Anstieg der „Gefühlten Temperatur“ von 20 °C auf 28 °C sinkt die mentale Leistungsfähigkeit auf 70 Prozent, bei 33 °C sogar auf 50 Prozent. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt mit steigender Umgebungstemperatur noch stärker ab. Auch das Unfallrisiko ist am geringsten bei Temperaturen um 20°C. Diesseits und jenseits dieses Optimums nimmt es zu.

Gezeigt wird die Titelseite der Veröffentlichung "Klimazukunft Baden-Württemberg - Was uns ohne effektiven Klimaschutz erwartet"Klimazukunft Baden-Württemberg - Was uns ohne effektiven Klimaschutz erwartet

Klimaleitplanken 2.0


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