Wirksame Klimafaktoren

Die wichtigsten Klimafaktoren für das Handlungsfeld Wald und Forstwirtschaft sind Temperatur- und Niederschlagsgrößen. Diese werden sich nach den vorliegenden Klimaprojektionen für Baden-Württemberg in den kommenden Jahrzehnten weiter signifikant ändern und die Verbreitung, Baumartenzusammensetzung und Vitalität der Wälder erheblich beeinflussen (siehe Tabelle Exposition und nachgelagerte Effekte).

Kritische Klimafaktoren sind für die Wälder gemäßigter Breiten insbesondere Trockenzeiten und Extremwetterereignisse (z.B. Stürme). Mit dem erwarteten Anstieg der Jahresdurchschnittstemperaturen in den kommenden Jahrzehnten wird sich voraussichtlich die Zahl der Sommertage (Temperaturmaximum > 25°C) und der Tropentage bzw. heißen Tage (T max > 30°C) deutlich steigern. Für die Sommermonaten der naher Zukunft (2020-2051) wird im Landesmittel eine Verdopplung der Tropentage erwartet bzw. in ferner Zukunft (2071-2100) sogar die fünffachen Werte (Anstieg von derzeit 4 auf 7 bzw. 21 Tage im Jahr; Werte bei ‚mittlerer‘ Betrachtung 50. Perzentil der Klimaprojektionen). In besonders betroffenen Gebieten wie dem Oberrheingraben oder bei der Betrachtung der ‚worst-case-Szenarien‘ wird die Zahl der Sommertage und der Tropentage noch drastischer ansteigen. Die Zahl der Frost- und Eistage wird dagegen deutlich zurückgehen, was u.a. die Verbreitung und Populationsbiologie von Schädlingen und Schaderregern beeinflusst.

Anzahl der Tropentage

Saisonverschiebung beim Niederschlag beeinflusst Wasserbilanz

Bei etwa gleichbleibenden Gesamtniederschlagsmengen im Jahr wird der Sommerniederschlag voraussichtlich in Zukunft deutlich abnehmen zugunsten höherer Niederschläge im Winterhalbjahr (regional bis zu +35 %). Allerdings sind die Klimaprojektionen für den Niederschlag mit deutlich höherer Unsicherheit behaftet als die für die Temperatur. Da in den Sommermonaten gleichzeitig die Verdunstung stark ansteigen wird, könnten sich die heute noch positiven klimatischen Wasserbilanzen (Niederschläge abzüglich potentielle Verdunstung) in dieser Phase auf beinahe Null reduzieren oder regional sogar negative Werte annehmen (d.h. mehr Verdunstung als Niederschläge im gleichen Zeitraum). In der Summe bedeutet dies: Die Gefahr von Hitzeperioden und geringen Bodenwasservorräten im Sommer nimmt dadurch deutlich zu. Vor allem in den Hoch- und Spätsommer-monaten könnte es zu einem vermehrten Trockenheitsstress kommen. Besonders betroffen sind die trockenheitssensible Fichte, aber auch die Buche. Damit werden diese Baumarten auch anfälliger gegenüber weiteren Belastungen wie Schädlingen, Krankheitserregern und Extremwetterereignissen.

Klimatische Wasserbilanz

Klimatische Wasserbilanz für Baden-Württemberg: künftig deutlicher Rückgang im Sommer

Die letzten Spätfröste im Frühjahr, die das Baumwachstum negativ beeinflussen können, finden im Vergleich zu heute in naher Zukunft um 7 Tage früher und in ferner Zukunft sogar um 20 Tage früher statt. Das Datum des ersten Frostes im Herbst bzw. Winter verschiebt sich dagegen weiter Richtung Jahresende, d.h. die frostfreie Periode verlängert sind. Eine Abnahme der Zahl von Frostschäden ist dadurch möglich. Allerdings steigt auch das Schadenspotenzial von dennoch auftretenden Spät- und Frühfröste auslösen können.

Das Risiko für Sturmereignisse wurde u.a. im Projekt RESTER untersucht. Es wird sich nach den bisherigen Untersuchungen bis 2050 in Baden-Württemberg nicht signifikant ändern. Aber auch in Zukunft muss mit ähnlich schweren Stürmen wie Vivian, Wibke und Lothar gerechnet werden.


Weitere Angebote zum Thema

Analyse und statistische Bewertung eines zeitlich und räumlich hochaufgelösten Ensembles regionaler Klimaprojektionen

Exposition und unmittelbar nachgelagerte Effekte im Handlungsfeld Wald/Forstwirtschaft

 

Klimatische Kenngröße Projizierte Entwicklung Unmittelbar nachgelagerte Effekte
Temperaturgrößen
Jahresdurchschnitts-temperatur Von heute bis in die nahe und ferne Zukunft: Kontinuierlich deutlich zunehmend Während der Vegetationszeit bei unzureichender Wasserversorgung und hoher Evapotranspiration vermehrt Hitze- und Trockenstress insbesondere auf zur Austrocknung neigenden Standorten und in jüngeren Beständen.
Beschleunigung / Hemmung von biochemischen Prozessen in den oft humusreichen Waldböden und dadurch steigende / nachlassende Zersetzung- und Mineralisierungsleistung der Bodenorganismen.
Verbesserung der Reproduktion bei Tierarten durch verringerte Mortalität im Winter und höhere Entwicklungsgeschwindigkeit im Sommer.
Verschlechterung der Reproduktionsrate von Tieren durch zunehmende Verpilzung oder Förderung anderer Pathogene bei zunehmend feucht-milden Bedingungen.
Beginn der
Vegetationsperiode
Von heute bis in die nahe und ferne Zukunft: Kontinuierlich deutlich früher Früherer Blattaustrieb und Photosynthesetätigkeit, dadurch früheres Einsetzen des Baumwachstums. Insgesamt längere potentielle Wuchsperiode der Bäume durch Verlängerung der Vegetationszeit.
Heiße Tage Von heute bis in die nahe und ferne Zukunft: Kontinuierlich deutlich zunehmend. Deutlich regionale Unterschiede. Anstieg der Häufigkeit von Extremtemperaturen (> 30° C). Direkte Schäden und Rückgang der Photosynthese. Während der Vegetationszeit bei unzureichender Wasserversorgung vermehrt Hitze- und Trockenstress (Standorts-/altersabhängig).
Zeitpunkt
Spätfrostereignisse
Von heute bis in die nahe und ferne Zukunft: Kontinuierlich deutlich früher Nimmt nach LUBW-Modelldaten stärker ab als Zeitpunkt des Vegetationsbeginns. Dadurch möglicherweise Abnahme der Schäden bei Spätfrost empfindlichen Baumarten.
Niederschlagsgrößen
Wintermenge Vermutlich erst in ferner Zukunft zunehmend Zunehmende Hochwasserhäufigkeit in flussnahen Waldgebieten
Sommermenge Vermutlich erst in ferner Zukunft abnehmend Unzureichende Wiederauffüllung des Bodenwasserspeichers und bei gleichzeitig steigenden Temperaturen auf zur Austrocknung neigenden Standorten Hitze- und Trockenstress. Frühjahrstrockenheit sehr entscheidend für Wachstum. Tendenziell zunehmende Niederschlagsmengen im Frühjahr.
Starkregen Von heute bis in die nahe und ferne Zukunft:
Vermutlich kontinuierlich etwas zunehmend
Höherer Abfluss aus Waldgebieten

Gezeigt wird die Titelseite der Veröffentlichung "Klimazukunft Baden-Württemberg - Was uns ohne effektiven Klimaschutz erwartet"Klimazukunft Baden-Württemberg - Was uns ohne effektiven Klimaschutz erwartet

Klimaleitplanken 2.0


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