Hintergrund und Eckdaten

Wasserwirtschaftliche Aspekte

Baden-Württemberg ist ein wasserreiches Land: Rhein, Neckar und Donau sind die bedeutendsten Flüsse des Landes. Der Bodensee ist mit einer Fläche von 536 km2 der drittgrößte See Mitteleuropas und bedeutsam als Trinkwasserlieferant, Lebensraum und Touristenmagnet. Daneben stellen rund 4.500 stehende Gewässer mit einer Größe von mind. 2.000 m2 Lebensräume hoher ökologischer Qualität mit vielfältiger Nutzung dar.

Der Gewässerschutz wird in Baden-Württemberg groß geschrieben und ist auf einem hohen Stand. Umfangreiche Messnetze überwachen die Qualität der Fließgewässer, der Seen und des Grundwassers. Das hydrologische Messnetz liefert Daten zu Abfluss und Wasserstand in langen Zeitreihen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, die Trendaussagen im Zusammenhang mit dem Klimawandel ermöglichen. Die Pegeldaten fließen auch in die Hochwasservorhersage ein. Jährlich werden Millionen in die Verbesserung des Hochwasserschutzes, das Niedrigwassermanagement und die Renaturierung von Gewässern investiert.

Grundlegende Aufgabe der Wasserwirtschaft ist es, die Lebensgrundlage Wasser zu sichern, aber auch vor Gefährdungen durch Wasser zu schützen. Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, versucht die Wasserwirtschaft die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt abzuschätzen, Anpassungsstrategien zu entwickeln und diese regional angepasst umzusetzen. Hierfür arbeiten im Verbundvorhaben "Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft" - kurz KLIWA - die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und der Deutsche Wetterdienst (DWD) seit 1998 zusammen.

Rund 1.300 Wasserversorgungsunternehmen stellen die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft mit Trink- und Brauchwasser sicher. Von den 49 Milliarden Kubikmeter Wasser des jährlichen Wasserdargebots aus Grundwasser und Oberflächengewässerzuflüssen (das entspricht in etwa dem Volumen des Bodensees) wird etwa ein Zehntel, also 5 Mrd. Kubikmeter genutzt. Rund 80% davon als Kühlwasser für thermische Kraftwerken, ca. 10% Trinkwasser für die öffentliche Wasserversorgung (ca. 652 Millionen Kubikmeter pro Jahr). Seit Ende der 1980er Jahre ist die Wassergewinnung im Land rückläufig. Unser Trinkwasser stammt zu 73% aus Grund- und Quellwasser und zu 27% aus Oberflächenwasser (hauptsächlich aus dem Bodensee).

Wasserhaushalt und Klimawandel

 

KLIWA - Verbundvorhaben "Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft"

Mit dem Klimawandel ändert sich auch der Wasserhaushalt. Wir müssen uns in Zukunft auf mehr Starkregenereignisse, mehr und längere Hitzeperioden und Trockenphasen vor allem im Sommer und vermehrte Hochwasserereignisse, vor allem im Winterhalbjahr einstellen. Der Gesamtniederschlag pro Jahr wird sich voraussichtlich nur gering ändern, aber saisonal verschieben: künftig wird es im Winter häufiger regnen als bisher, aber weniger Schneefall geben. Damit wird die Hochwassergefahr weiter steigen. Treten Niedrigwasserereignissen großflächig auf, können sie zu erheblichen Beeinträchtigungen in der Binnenschifffahrt und Energiewirtschaft (Kraftwerkskühlung) aber auch bei der Gewässerqualität führen. Die Grundwasserneubildung ist dagegen auch in Zukunft nicht gefährdet: Trinkwasser steht in guter Qualität und auch künftig ausreichend zur Verfügung.

 

Wirkungskette Wasserhaushalt und Klimawandel (nach UBA)

Die Wirkungskette zeigt den Zusammenhang zwischen Klimawandel, menschlicher Nutzung und den Teilbereichen des Wasserhaushaltes und ihre Verknüpfung mit anderen Handlungsfeldern. Klimabedingte Veränderungen des regionalen Wasserhaushalts haben unmittelbare Auswirkungen auf wesentliche Teilbereiche der Wasserwirtschaft und viele andere Handlungsfelder, vor allem auf:

  • den Hochwasserschutz durch Veränderung der Höhe, Dauer und Häufigkeit der Hochwasser und durch Erhöhung des Schadensrisikos,
  • die Siedlungsentwässerung durch eine Zunahme von Starkregen-Ereignissen verbunden mit häufigeren und stärkeren hydraulischen Belastungen der Kanalnetze und Regenwasserbehandlungsanlagen,
  • die Wasserversorgung durch Änderung der Grundwasserneubildung, der Grundwasserbeschaffenheit und der Grundwasserbewirtschaftung,
  • den Gewässerschutz durch Änderung der jahreszeitlichen Abfluss- und Temperaturverhältnisse mit Auswirkungen auf die Wasserbeschaffenheit und den Stoffhaushalt der Flüsse und Seen,
  • die Gewässerentwicklung durch die Änderung der Dynamik der Fließgewässer und Seen, ihrer morphologischen Verhältnisse, ihres Wärmehaushalts und ihrer Ökosysteme,
  • die Bewirtschaftung und Nutzung der Gewässer durch die Änderung der Betriebsweise der Wasserspeicher (Talsperren und Rückhaltebecken), der Wasserkraftnutzung, der Schiffbarkeit der Gewässer, der landwirtschaftlichen Bewässerung etc...

Details zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Teilbereiche der Wasserwirtschaft finden Sie auf den folgenden Seiten. Mittelbar oder unmittelbar betroffen sind von Veränderungen im Wasserhaushalt alle weiteren Handlungsfelder der Anpassungsstrategie. Die Quervernetzungen werden im Fachgutachten Wasserhaushalt im Detail aufgeführt.