FFH-Richtlinie

Die biologische Vielfalt in Europa zu erhalten, ist das zentrale Ziel der FFH-Richtlinie. Um dieses Ziel erreichen zu können, sind die Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Lebensraumtypen (LRT) und Arten von gemeinschaftlichem Interesse (Anhänge I, II, IV und V) durch geeignete Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder wiederherzustellen. Um sicherzustellen, dass die Schutzbemühungen des jeweiligen Landes ausreichend sind und die ergriffenen Maßnahmen einen langfristigen Fortbestand sichern können, sind die Mitgliedstaaten nach Artikel 11 verpflichtet den Erhaltungszustand der Schutzgüter in ihrem Hoheitsgebiet - nicht nur innerhalb der FFH-Gebiete - zu überwachen. Die wichtigsten Ergebnisse der Überwachung - dem sogenannten FFH-Monitoring - müssen alle sechs Jahre im Rahmen der FFH-Berichtspflicht (Artikel 17) an die EU-Kommission übermittelt werden. 

 

Rechtlicher Hintergrund

Nach Artikel 11 der FFH-Richtlinie sind die EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen (LRT) und Arten von gemeinschaftlicher Bedeutung (Anhänge I, II, IV und V) zu überwachen und alle sechs Jahre die wesentlichen Ergebnisse dieses Monitorings an die Europäische Kommission zu übermitteln (Artikel 17).

Die Anforderungen an die FFH-Berichtspflicht sind in der Richtlinie sehr allgemein gehalten. Um einen Rahmen zu geben, in welcher Genauigkeit und in welcher Form der Bericht an die EU-Kommission zu übermitteln ist, wurden folgende Dokumente als Hilfestellung für die Mitgliedstaaten erarbeitet:

  • „Bewertung und Berichterstattung nach Art. 17 der FFH-Richtlinie für den Zeitraum von 2007 - 2012" (DocHab 11-05/03 - Berichtsformat für den dritten Bericht nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie für den Zeitraum von 2007 bis 2012)
  • Guidelines "Assessment and reporting under Article 17 of the Habitats Directive: Explanatory Notes & Guidelines for the period 2007-2012" (Final Version, Juli 2011) - Das Dokument ist nur in englischer Sprache verfügbar.


Berichte nach der FFH-Richtlinie

Nach Artikel 23 waren die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert die FFH-Richtlinie innerhalb von zwei Jahren nach deren Erlass (1992) umzusetzen und alle sechs Jahre einen Bericht an die EU-Kommission zu übersenden.

Berichtszeitraum Nationaler Bericht (EU-Bericht) Inhaltlicher Schwerpunkt
1994 - 2000 2001 (2003/04) Fortschritte hinsichtlich der Anwendung der Richtlinie, Umsetzung in nationales Recht sowie Schaffung des Schutzgebietsnetzes Natura 2000
2001 - 2006 2007
(2008/09)
Erste Erfassung und Bewertung des Erhaltungszustandes der Lebensräume (Anhang I) und der Arten (Anhänge II, IV, V) auf Grundlage der besten verfügbaren Daten
2007 - 2012 2013
(2014/15)
Erste Erfassung und Bewertung des Erhaltungszustandes der Lebensräume (Anhang I) und der Arten (Anhänge II, IV, V) auf Grundlage des geschaffenen Monitoringsystems und der besten verfügbaren Daten
2013 - 2018 2019
(2020/21)
Erfassung und Bewertung des Erhaltungszustandes der Lebensräume (Anhang I) und der Arten (Anhänge II, IV, V) auf Grundlage des etablierten Monitoringsystems und der besten verfügbaren Daten
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Erfassung und Bewertung des Erhaltungszustandes der Lebensräume (Anhang I) und der Arten (Anhänge II, IV, V) auf Grundlage des etablierten Monitoringsystems und der besten verfügbaren Daten

 

In Deutschland werden die Daten von den Fachbehörden der Bundesländer zusammengestellt und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) zu einem einheitlichen Nationalen Bericht gebündelt. Dafür ist es unbedingt notwendig, dass die Erfassungen und Bewertungen der Erhaltungszustände der LRT und Arten bundesweit miteinander vergleichbar sind. Von Expertengruppen der Länder und des Bundes wurden daher Empfehlungen zu den Mindestanforderungen, Referenzlisten zur Erfassung der Gefährdungsursachen sowie der Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen erarbeitet, die auf den Seiten des BfN abrufbar sind. Auch die Ergebnisse des letzten Nationalen Berichts sind auf den Seiten des BfN einsehbar.

Die EU-Kommission fasst die Inhalte der Nationalen Berichte zu einem Gemeinschaftlichen EU-Bericht zusammen und nimmt darin eine Bewertung des Erhaltungszustands der Natura 2000 Arten und Lebensraumtypen auf EU-Ebene vor. Informationen zum EU-Bericht und die Daten aller Mitgliedstaaten können auf den Seiten der EU-Kommission eingesehen werden.

Um die FFH-Berichtspflichten zu erfüllen, müssen die EU-Mitgliedstaaten Monitoringssysteme zur Überwachung der Erhaltungszustände von Lebensraumtypen (LRT) und Arten etablieren.

Der Bezugsraum für das Monitoring sind die biogeographischen Regionen der EU. Der Erhaltungszustand der Arten und LRT von gemeinschaftlichem Interesse wird von den Mitgliedstaaten für jede der Regionen getrennt bewertet. Das bedeutet für Deutschland, dass die atlantische, kontinentale und alpine biogeographische Region betrachtet werden müssen. Für die Überwachung der Erhaltungszustände sind dabei Vorkommen der LRT und Arten sowohl innerhalb als auch außerhalb der FFH-Gebietskulisse zu berücksichtigen. In Baden-Württemberg, das sich nur im Bereich der kontinentalen biogeographischen Region befindet, kommen aktuell 53 Lebensraumtypen und 170 Arten von gemeinschaftlichem Interesse vor.

Um eine Bewertung der Erhaltungszustände vornehmen zu können, wurden drei Informationskategorien und ihre entsprechenden Datenquellen identifiziert: 


Überblick über die benötigten Daten zur Ermittlung der Erhaltungszustände

Kategorie Beispiel Datenquelle
Gesamtbestand Aktuelles Verbreitungsgebiet, Flächen, Population Biotopkartierung, Artenkartierung
Qualitative Aussage Flächentrend, Populationstrend, Qualitätsänderungen Bundesweites Stichprobenmonitoring
Zukunftsaussichten Zukunftsaussichten Einbindung von Experten

 

Um das FFH-Monitoring umsetzen zu können, wird die Einrichtung und Fortführung jeder der drei Datenquellen in Baden-Württemberg benötigt. Nur so können die Gesamtbestände, die qualitativen Aussagen und die Zukunftsaussichten ermittelt werden. Die Ausgestaltung der Biotop- und Artenkartierung sowie der Einbindung der Experten kann jedes Bundesland unabhängig vornehmen. Entscheidend ist, dass die erforderlichen Daten regelmäßig in aktueller Form vorliegen und für die Ermittlung der Erhaltungszustände im Rahmen der FFH-Berichtspflicht verwendet werden können. Nur die Datenquelle „bundesweites Stichprobenmonitoring" wurde bezüglich ihrer Ausgestaltung und Umsetzung festgelegt und ist für die Bundesländer verbindlich.


Biotop- und Artenkartierung

Um die Gesamtbestände der LRT und Arten in Baden-Württemberg zu ermitteln, ist eine regelmäßige Aktualisierung der Verbreitungsdaten im Zeitraum von zwei Berichtsperioden (12 Jahre) praktikabel. Eine periodisch stattfindende Kartierung der §33-Biotope (nach Landesnaturschutzgesetz, NatSchG) mit gleichzeitiger Berücksichtigung der FFH-Lebensraumtypen wäre ein geeignetes Instrumentarium, um eine flächendeckende Aktualisierung der Verbreitungs- und Flächendaten für die FFH-LRT in Baden-Württemberg zu gewährleisten.
Ein ähnliches Instrument wird auch für die Arten benötigt, um eine Aktualisierung der Gesamtbestände für diese Schutzobjekte zu garantieren. Eine landesweite Artenkartierung, die im gleichen Rhythmus wie eine Biotopkartierung flächendeckend die Arten des Anhangs II und IV erfasst, würde sich für die Umsetzung anbieten. 
 

Bundesweites Stichprobenmonitoring

Gegenstand des bundesweiten Stichprobenmonitorings sind die LRT des Anhangs I und die Arten der Anhänge II und IV. Ein kleiner Anteil dieser Schutzobjekte wird beim Stichprobenmonitoring nicht berücksichtigt, da sie entweder Bestandteil anderer existierender Monitoringprogramme sind, sehr schwierig nachweisbar sind oder nur innerhalb einer biogeographischen Region nur in einem Bundesland vorkommen. 

Im Rahmen dieses Monitorings werden in Deutschland für jedes vorkommende Schutzobjekt Daten auf 63 Stichprobenflächen je biogeographischer Region erhoben werden. Sie wurden anteilsmäßig auf die Bundesländer (in Baden-Württemberg nur kontinentale Region) verteilt. Sind innerhalb einer biogeographischen Region weniger als 63 Vorkommen bekannt, so werden alle bekannten Vorkommen untersucht. Auf Baden-Württemberg entfallen insgesamt über 1.300 Untersuchungsflächen, die einmalig per Zufallsauswahl aus der bekannten Grundgesamtheit gezogen und anschließend kontinuierlich kartiert werden. Je nach Schwankungsintensität der einzelnen Parameter liegt die Untersuchungshäufigkeit zwischen jährlich, alle zwei, alle drei und alle sechs Jahre. Bei den LRT ist in der Regel eine einmalige Untersuchung je Berichtszeitraum ausreichend, während bei den Arten aufgrund der zum Teil hohen Populationsschwankungen oftmals kürzere Untersuchungsintervalle nötig sind. 
 

Einbindung von Experten

Derzeit führt Baden-Württemberg noch kein landesweites Stichprobenmonitoring durch. Auf Landesebene werden daher die Parameter-Einstufungen der Erhaltungszustände grundsätzlich mithilfe von Experteneinschätzungen und der besten verfügbaren Daten vorgenommen. Auf Bundesebene sollen mittelfristig nur noch die Zukunftsaussichten von Arten und LRT unter Einbindung von Experten eingeschätzt werden. 

Weitere Informationen zur EU-Berichtspflicht im Wald finden Sie auf den Seiten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA).

Der Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie wird in Artikel 1 e) und i) definiert und im „DocHab 04-03/03-rev.3" konkretisiert. Er setzt sich zusammen aus allen Einwirkungen auf den geschützten Lebensraumtyp (LRT) mit seinen charakteristischen Arten, Strukturen und Funktionen bzw. auf die geschützte Art mit ihren Habitaten und Populationen. Günstig ist der Erhaltungszustand, wenn die Flächen und Populationen langfristig stabil bleiben oder sich ausdehnen und gleichzeitig keine Verschlechterungen bezüglich der qualitativen Ausstattung eintreten. Für die Ermittlung des Erhaltungszustands müssen daher folgende vier Parameter überwacht und bewertet werden:

Parameter für die Arten Parameter für die Lebensraumtypen
Verbreitungsgebiet Verbreitungsgebiet
Population Fläche
Habitat Strukturen und Funktionen einschl. charakteristischer Arten
Zukunftsaussichten Zukunftsaussichten

 

Die ersten drei Parameter werden anhand von Referenzwerten eingestuft. Damit nicht nur der Ist-Zustand in die Bewertung eingeht, werden jeweils auch ihre Größenentwicklung (Trend der letzten 12 Jahre) und die Entwicklung der Qualität berücksichtigt. Der Parameter Zukunftsaussichten wird größtenteils über die Einschätzung von Sachverständigen bewertet.

Damit die Bewertungen der Erhaltungszustände EU-weit vergleichbar sind und zusammengeführt werden können, wurden einheitliche Regeln hierfür eingeführt. Grundlage ist ein einfaches Ampelschema:

rot = ungünstig-schlechter Erhaltungszustand

gelb = ungünstig-unzureichender Erhaltungszustand

grün = günstiger Erhaltungszustand

Lässt die Datenlage keine genaue Bewertung eines Parameters zu, wird dieser als unbekannt („grau") eingestuft. Die Gesamtbewertung, also die Zusammenführung der vier Parameter, erfolgt nach einem festen Schema. Der Gesamtwert ist mit rot bzw. gelb zu bewerten, sobald einer der vier Parameter mit rot bzw. gelb bewertet wurde. Für einen günstigen, mit grün bewerteten Erhaltungszustand müssen mindestens drei der vier Parameter mit grün eingestuft werden. Sofern mindestens zwei Parameter unbekannt sind, aber kein Parameter rot oder gelb ist, wird auch der Gesamtwert als unbekannt eingestuft.


Bewertung der Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten auf der Ebene Baden-Württembergs im Bericht 2013 und 2007

Auf Landesebene wurden die Parameter-Einstufungen der Erhaltungszustände grundsätzlich mithilfe von Experteneinschätzungen und der besten verfügbaren Daten vorgenommen.

Arten

Lebensraumtypen


Die Bewertung der Lebensraumtypen und Arten auf Bundesebene kann auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) eingesehen werden.