Hinweise Standortswald

(Stand 2017)

Die Standortseinheit stellt im Modellgestützten Südwestdeutschen Standortskundlichen Verfahren (MoST) der Forstlichen Standortskartierung die waldökologische Grundeinheit dar, auf deren kartierter Fläche annähernd einheitliche Existenzbedingungen für die Waldökosysteme vorliegen. Der Standortswald bildet die lokale natürliche Baumartenzusammensetzung im Bereich einer Standortseinheit ab; er wird für die flächenhaft kartierten Standortseinheiten im Sinne einer heutigen potentiellen natürlichen Vegetation hergeleitet. Er bietet damit eine geeignete Grundlage für die Einstufung der Naturnähe der Baumartenzusammensetzung von Wäldern nach Anlage 2 Nr. 5 ÖKVO. Im Standortswald werden Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten unterschieden:

Unter Hauptbaumarten werden die vorherrschenden Baumarten des natürlichen Schlusswaldes verstanden. Im naturnahen Schlusswald sind sie obligate Bestandteile der Bestockung.
Nebenbaumarten schalten sich räumlich und zeitlich begrenzt in die Pionier-, Zwischen- und Schlusswaldphasen der Waldentwicklung ein. Ihr Vorkommen im Schlusswald ist nicht zwingend für eine naturnahe Ausbildung der Waldgesellschaft erforderlich.
Die Pionierbaumarten sind nur aus Lichtphasen der Waldökosysteme heraus konkurrenzfähig und werden im Laufe der natürlichen Waldentwicklung zum Schlusswald verdrängt.

Das Verfahren der Herleitung der Standortswälder ist bei Michiels (1996: Mitt. des Vereins für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung H. 39, 73-80) beschrieben.

Voraussetzung für die Naturnähebewertung der Baumartenzusammensetzung über den Standortswald ist die Verfügbarkeit einer digitalisierten Forstlichen Standortskartierung im Maßstab 1:10.000. Für die Abgabe forstlicher Geodaten ist die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA), Abteilung Biometrie und Informatik, zuständig. Die Standortskarten sind auch über das InFoGIS im Netz der Landesverwaltung einsehbar. Die zum Verständnis erforderlichen Legenden sind über InFOGIS oder über die Homepage der FVA abrufbar.
Digitalisierte forstliche Standortskarten sind aktuell (Stand 31.12.2016) für 69 % der Waldfläche des Landes Baden-Württemberg verfügbar. Nach Waldbesitzarten gliedert sich der Bearbeitungsstand wie folgt:

Besitzart Kartierstand Waldfläche in %
Staat 90
Körperschaft/Gemeinde 90
Kleinprivatwald 43
Insgesamt 69

 

Die Standortskartierung verfügt über eine durchschnittliche Gültigkeit von 40 Jahren. Die Einschätzung, wann eine Kartierung widerholt werden muss, beruht allerdings auf einer Experteneinschätzung, die jede Kartierung individuell betrachtet. Beurteilungskriterien sind unter anderem die Detaillierung der Legenden, die Anforderung an die Genauigkeit der Kartierung auf den Naturraum bezogen und die Kartier-Qualität an sich.

Ist der Standortswald für Waldflächen, die in Maßnahmen nach der ÖKVO einbezogen werden sollen, nicht bekannt, da keine gültige forstliche Standortskartierung vorliegt, muss als Grundlage für die Herleitung des Standortswaldes durch ein einschlägig qualifiziertes Unternehmen eine Standortskartierung nach den Fachvorgaben der FVA im Modellgestützten Südwestdeutschen Standortskundlichen Verfahren (MoST) erstellt werden. 

Die Liste der Standortseinheiten mit den Standortswäldern gliedert sich nach den Wuchsgebieten, Wuchsbezirken und Höhenstufen der forstlichen Standortskartierung in Baden-Württemberg. Da die Forstliche Standortskartierung laufend fachlich weiter bearbeitet wird, erfolgt einmal jährlich - im Regelfall zum 01.02. eines Jahres - eine Aktualisierung dieser Liste durch die FVA.
Auskunft zu fachlichen Fragen, die den Standortswald betreffen, gibt die Abteilung Waldnaturschutz der FVA (Tel.: 0761/4018-0; Mail: Waldnaturschutz.FVA-BW@forst.bwl.de).

Hier können Sie sich die Tabelle der Standortswaldbaumarten herunterladen: Baumarten Standortswald (mdb; 4,8MB)