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100 Jahre Institut für Seenforschung: Wissenschaftliche Begleitung der Seenentwicklung

Vom Mikroskop zur Satelliten-Fernerkundung

Das Forschungsschiff “Kormoran“ des ISF auf dem Bodensee. Bildquelle: ISF/LUBW
Das Forschungsschiff “Kormoran“ des ISF auf dem Bodensee. Bildquelle: ISF/LUBW
Löwe 05.08.2020

Das Institut für Seenforschung (ISF) der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg begeht in diesem Jahr sein 100jähriges Jubiläum. Von Beginn an war es die Aufgabe des Instituts, die zunehmende Nutzung der Seen in Baden-Württemberg wissenschaftlich zu begleiten. Es hat seinen Sitz in Langenargen am Bodensee.

„Das Institut für Seenforschung hat in den letzten 100 Jahren wertvolle Arbeit für unsere Seen in Baden-Württemberg geleistet“, so der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller. „Das prominenteste Beispiel ist der Bodensee. Er ist eines unserer wertvollsten Ökosysteme. Erfreulicherweise befindet er sich derzeit wieder in einem für große und tiefe Alpenseen typischen naturgemäßen Zustand. Allerdings stellt der Klimawandel eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den See dar. Deshalb müssen wir zum Beispiel weiterhin dafür sorgen, dass der Phosphor-Gehalt auf einem niedrigen Niveau bleibt. Es geht darum, das Ökosystem Bodensee so widerstandsfähig wie möglich zu machen “

Gründung im Jahr 1920: Verein für Seenforschung und Seenbewirtschaftung

Gegründet wurde das Institut für Seenforschung durch eine Art Bürgerinitiative, dem im Jahr 1920 ins Leben gerufene „Verein für Seenforschung und Seenbewirtschaftung“. Der Name des Vereins zeigt bereits die Herausforderungen, die beide Schwerpunkte der Institutsarbeit in sich haben: die Seenforschung zum Grundlagenverständnis für die Ökologie der Seen und die Seenbewirtschaftung, was damals vor allem die wirtschaftliche Nutzung der Fischbestände bedeutete. Wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und der Spanischen Grippe galt es die Ernährung der Bevölkerung zu sichern.

Das Institut wurde im Jahr 1960 verstaatlicht und gehört seit dem Jahr 1990 der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Abteilung 4 Wasser an. Heute beschäftigt das Institut rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Institut zeichnet sich für die Überwachung von rund 4.500 Seen, Talsperren und Baggerseen in Baden-Württemberg verantwortlich.

Satelliten-Fernerkundung kombiniert mit 100 Jahre alten Methoden

„Mehrere tausend Seen zu überwachen ist aufwendig“, erläutert Werner Altkofer, stellvertretender Präsident der LUBW: „Deshalb kombinieren wir heute klassische und moderne Methoden für unsere Forschung.“ Aktuell erprobt das Institut für Seenforschung im Projekt SAMOSEE die Möglichkeit, mithilfe der von der European Space Agency bereitgestellten Satellitendaten die Seen in Baden-Württemberg zu überwachen. Ziel ist es, Parameter wie Wassertemperatur, Trübung, Sichttiefe und Algenentwicklungen aus der Ferne zu erfassen und für ein landesweites Monitoring von Seen nutzbar zu machen. Verfahren, die seit hundert Jahren genutzt werden, wie die Entnahme von Wasser-, Sediment- und Pflanzenproben oder die klassische Mikroskopie der Plankton-Lebensgemeinschaft sind weiterhin im Einsatz und ermöglichen vergleichbare Aussagen über einen hundertjährigen Zeitraum.

Klimawandel

Derzeit liegt das Augenmerk der Forscherinnen und Forscher darauf, die Herausforderungen des Klimawandels auf die Wasserqualität der Seen zu erkunden. Auch der Bodensee mit seinen rund 48 Kubikkilometer ist heute an seiner Oberfläche rund 1 Grad wärmer als in den 1960er Jahren – Tendenz steigend. Die heißen Temperaturen vermindern zusehends den vertikalen Stofftransport im Jahreszyklus und damit auch den Transport von Sauerstoff. Immer weniger Sauerstoff gelangt im Winter an den Grund. Gleichzeitig können sich in heißen Sommermonaten mehr Algen bilden. Sterben diese ab, sinken sie auf den Grund des Sees und werden von Mikroorganismen abgebaut. Dieser Vorgang verbraucht noch mehr Sauerstoff. Die Sauerstoffwerte in der Nähe des Seegrunds könnten so kritische Werte erreichen. Auch deshalb ist es wichtig, den Nährstoffgehalt im Wasser auf einem natürlichen Niveau zu halten. Gelangt zum Beispiel zu viel Phosphat in den Bodensee, vermehren sich Algen und weitere Mikroorganismen noch stärker.

Invasive Arten: aktuell die Quagga-Muschel

Die Globalisierung führt zur verstärkten Einwanderung gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten. Manche von ihnen verändern die heimische Fauna und Flora nachhaltig. Seit dem Jahr 2016 breitet sich die vom Schwarzen Meer eingeschleppte Quagga-Muschel im Bodensee explosionsartig aus. Das ISF arbeitet am länderübergreifenden Forschungsprojekt „SeeWandel“ mit, bei dem auch die Auswirkungen dieser massiven Ausbreitung auf heimische Arten als Nahrungskonkurrent erforscht werden.

Auch wenn wir heute ökologische Fragen vorausschauender angehen als Mitte des letzten Jahrhunderts, bleibt der Druck auf die Seen durch anthropogene Ansprüche bestehen. Das ISF begleitet diese auch in Zukunft. 

Weiterführende Informationen

Rückfragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de