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20 Jahre Nachhaltigkeitsbüro: Global denken – lokal Handeln

Schwerpunkte in 2018: Nachhaltige Beschaffung in Kommunen, Vernetzung lokaler Akteure und Etablierung von RENN.süd

Löwe 21.02.2018

Mehr Nachhaltigkeit kann nur durch die eigentlichen Akteure der Nachhaltigkeit erreicht werden, und zwar durch die Kommunen und die Zivilgesellschaft sowie letztendlich durch das Mitmachen von jeder einzelnen Bürgerin und jedem einzelnen Bürger. Dies verdeutlichten heute Burkhard Schneider, stellvertretender Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, und Gerd Oelsner, Leiter des Nachhaltigkeitsbüros und Mitarbeiter der LUBW im Referat Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, beim Pressegespräch anlässlich „20 Jahre Nachhaltigkeitsbüro“. Viel wurde in den letzten zwei Jahrzehnten erreicht. In diesem Jahr beginnt nun eine neue Stufe: die Vernetzung der zahlreichen lokalen Initiativen auf Landes- und Bundesebene und damit die Verbreitung und Verstetigung praktikabler und bewährter Ideen.

Nachhaltigkeit als zentrale Herausforderung der Kommunen und der Zivilgesellschaft

„Ein globaler Wandel bedingt Verhaltensänderungen bei jedem einzelnen von uns“, betont Schneider in seiner Rede und erinnert daran, dass vor zwanzig Jahren das Thema Nachhaltigkeit noch keine Selbstverständlichkeit war. Die Agenda 21 setzte im Jahr 1992 als Beschluss der Konferenz von Rio erste Impulse. Viele Aktivitäten wurde angestoßen. Die Welt hat sich seitdem stark verändert, sowohl mit ihren technischen Möglichkeiten als auch im Hinblick auf die Weltkonstellation und die weiter stark wachsende Weltbevölkerung. „Die Weltgemeinschaft hat sich im Jahr 2015 mit der Agenda 2030 siebzehn neue übergeordnete Ziele für eine nachhaltige Entwicklung gegeben,“ so Schneider. Übergeordnetes Ziel der Agenda 2030 ist, die menschliche Überbeanspruchung natürlicher Ressourcen aufzuhalten und eine weltweite und gleichzeitig intergenerationelle Gerechtigkeit herzustellen. Er betont: „Nachhaltigkeit und damit Zukunftsfähigkeit sind zur Herausforderung der Kommunalentwicklung geworden.“

Das Nachhaltigkeitsbüro der LUBW finanziert in Baden-Württemberg unter anderem Prozessbegleiter und bietet Workshops vor Ort an. In diesem Jahr unterstützt das Büro die Kommunen besonders beim Thema „nachhaltige Beschaffung“.

RENN.süd fokussiert sich auf die Vernetzung der Akteure der Zivilgesellschaft. RENN.süd ist die Regionale Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) für Süddeutschland (Bayern und Baden-Württemberg). Sie ist ebenfalls im Haus der LUBW angesiedelt.

Baden-Württemberg treibt seit 20 Jahren das Thema Nachhaltigkeit voran

Baden-Württemberg unterhält als einziges Bundesland seit 20 Jahren kontinuierlich ein Nachhaltigkeitsbüro, das eine erfolgreiche Pionier- und Umsetzungsarbeit vorweisen kann. Das ist auch der Verdienst von Gerd Oelsner, der sich von Anfang an kontinuierlich und zuverlässig für das Thema in der LUBW engagiert und sich für zahlreiche Aktionen verantwortlich zeichnet. „Unser Konzept, zahlreiche lokale Veranstaltungen durchzuführen und so Kommunen und Initiativen zu erreichen, hat sich bewährt“, betont Oelsner.

Seit der Gründung des Nachhaltigkeitsbüros im Jahr 1998, das zunächst Agendabüro hieß, fanden rund 350 Veranstaltungen mit über 10.000 Teilnehmenden statt. Mehr als 300 örtliche und regionale Agenda-Projekte wurden finanziell gefördert sowie rund 90 Projekte zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.

Auf diesen langjährigen Erfahrungen aufbauend, stellt das Nachhaltigkeitsbüro in diesem Jahr einen Nachhaltigkeitscheck für kommunale Vorhaben bereit, der zunächst in Pilotkommunen eingesetzt und geprüft wird. Das Nachhaltigkeitsbüro unterstützt die Kommunen im Rahmen einer Landeskampagne in den kommenden zwei Jahren noch stärker bei der Aufgabe der nachhaltigen Beschaffung. Durch ein ausgebautes Beratungs- und Schulungsangebot wird besonders kleineren Kommunen der Einstieg und die Umsetzung erleichtert.

RENN-Süd vernetzt Aktivitäten in Baden-Württemberg und Bayern

Seit dem Jahr 2016 ist das Nachhaltigkeitsbüro auch Standort der RENN.süd, einer von vier „Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien“ der Bundesregierung. Mit ihrer Hilfe werden die lokalen Initiativen auf Landesebene und auf Bundesebene besser vernetzt. So soll eine schnellere Verbreitung von guten Ideen gewährleistet und eine fundierte gegenseitige Unterstützung organisiert werden. RENN.süd vernetzt zivilgesellschaftliche Nachhaltigkeitsinitiativen in Baden-Württemberg und Bayern.

Am 3. März 2018 findet in Ulm das länderübergreifende RENN.süd Forum für Initiativen rund um das Thema „nachhaltiges Leben“ statt. Initiativen und gute Beispiele rund um Mobilität, Ressourcenschonung und Konsum (Ernährung & Kleidung) werden vorgestellt und können sich vernetzen.

Ende April bietet RENN.süd gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsbüro die Veranstaltung „Gemeinsam RENNen - Erfahrungen und Perspektiven lokaler Nachhaltigkeitsinitiativen“ in Kooperation mit der evangelischen Akademie Bad Boll an. Hier werden Kommunen mit Akteuren aus der Zivilgesellschaft zusammengebracht und werden als Aktionsräume für zivilgesellschaftliche Aktivitäten gestärkt.

 

Hintergrundinformationen

Agenda 21: Startschuss für lokale Nachhaltigkeitsinitiativen

1992 beschlossen 172 Staaten auf der UN-Konferenz in Rio de Janeiro das weltweite Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung für das 21. Jahrhundert (Agenda 21). Unter dem Motto „Global denken – Lokal handeln“ wurden Kommunen und Bürgerschaft dazu aufgefordert, die Umsetzung vor Ort gemeinsam zu gestalten. Um die lokalen Agendaprozesse (Lokale Agenda 21) in Baden-Württemberg zu initiieren und beratend zur Seite zu stehen, wurde am 28. April 1998 bei der LUBW (damals noch LfU) das Landes-Agenda-Büro eingerichtet. Besonders erfolgreiche Projekte, die von zivilgesellschaftlichen Gruppen und Kommunen angestoßen und getragen wurden, sollten schneeballartig flächendeckend verbreitet werden. So entstanden nach den vielen Agenda-Kaffees Fair Trade-Towns. Der Gründung von Bürgerenergieanlagen durch den Agenda-Arbeitskreisen folgten zahlreiche Bürgerenergiegenossenschaften, die sich seitdem regelmäßig über das „Landesnetzwerk Ehrenamtliche Energieinitiativen – LEE“ zum Erfahrungsaustausch treffen, das vom Nachhaltigkeitsbüro koordiniert wird.

Mit der Weiterentwicklung der im Jahr 2008 beschlossenen Landes-Nachhaltigkeitsstrategie wurde 2013 das Agenda-Büro zum Nachhaltigkeitsbüro weiterentwickelt. Als Teil der Landes-Nachhaltigkeitsstrategie koordiniert das Nachhaltigkeitsbüro die „Kommunalen Initiative Nachhaltigkeit“ (KIN). Seither unterstützt das Nachhaltigkeitsbüro der LUBW die Kommunen mit unterschiedlichen „Werkzeugen“, um eine nachhaltige Entwicklung voranzubringen. Gemeinsam mit Kommunen wurde jetzt ein Nachhaltigkeitscheck entwickelt, mit dem kommunale Vorhaben einfach und schnell auf ihre Nachhaltigkeit untersucht werden können. Nach einer Pilotphase in diesem Jahr wird dieser allen Kommunen zur Verfügung gestellt.

Rückfragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de