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null Insektenmonitoring in Baden-Württemberg

Biotopschutz und ökologische Bewirtschaftung leisten wichtigen Beitrag zum Insektenschutz

Bild zeigt: Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) besiedeln Halbtrockenrasen und sind durch die Aufgabe der traditionellen Nutzung gefährdet, Quelle: Thorsten Bittner
Bild zeigt: Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) besiedeln Halbtrockenrasen und sind durch die Aufgabe der traditionellen Nutzung gefährdet, Quelle: Thorsten Bittner
Löwe 13.01.2023

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DER LUBW LANDESANSTALT FÜR UMWELT BADEN-WÜRTTEMBERG UND DES MINISTERIUMS FÜR UMWELT, KLIMA UND ENERGIEWIRTSCHAFT BADEN-WÜRTTEMBERG

Baden-Württemberg/Stuttgart/Karlsruhe. Die im Jahr 2018 begonnenen landesweiten Insektenkartierungen unter Federführung der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg wurde nun erstmals für alle Probeflächen ausgewertet. Die Ergebnisse wurden heute bei einem gemeinsamen Pressegespräch von Umweltministerin Thekla Walker mit der LUBW vorgestellt.

 „Die Ergebnisse sind ermutigend. Wir sind auf dem richtigen Weg. Es hat sich mehr als gelohnt, dass wir mit dem Insektenmonitoring bundesweit Maßstäbe gesetzt haben und noch weiter setzen werden, indem wir auch Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam an einen Tisch gebracht haben“, sagte Umweltministerin Thekla Walker heute in Stuttgart. „Die Untersuchungen zeigen deutlich: Biotope und die Vernetzung der Landschaft sind für Insekten und andere Lebewesen wichtig. Die Entscheidung von Landwirtinnen und Landwirten weniger Pestizide einzusetzen, wirkt sich auf den untersuchten Flächen positiv aus. Eine ökologische Bewirtschaftung führt für bestimmte Insekten, wie Laufkäfer, zu einer deutlich messbar besseren Entwicklung. Die Ergebnisse bestätigen uns, den eingeschlagenen Weg in beschleunigtem Tempo weiterzugehen“, fasste Ministerin Walker die gewonnenen Erkenntnisse beim Pressegespräch zusammen.

Tagfalter und Widderchen brauchen hochwertige Lebensräume

„Die Gruppe der Tagfalter und Widderchen ist ein guter Zeiger dafür, ob Insekten in einer Landschaft genügend hochwertiger Lebensraum zur Verfügung steht“, erläutert Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW das Vorgehen. „Unsere Untersuchungen zeigen: Bereits ein Anteil von 10 bis 20 Prozent gesetzlich geschützter Biotope in der normalen Kulturlandschaft des Offenlandes erhält unsere typischen tagaktiven Schmetterlinge. Positiv wirkt sich zudem der Verzicht auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel aus. Lebensräume für anspruchsvollere Arten finden sich dagegen fast ausschließlich in Schutzgebieten.“

Tagfalter und Widderchen sind sehr mobil und besiedeln verschiedenste Lebensräume. Sie stehen stellvertretend für weitere Artengruppen mit ähnlichen Ansprüchen an die Landschaft. Entsprechend kommen die genannten Maßnahmen einem breiten Spektrum von Insekten zugute.

Ökologische Bewirtschaftung fördert Laufkäfer

Im Gegensatz zu Schmetterlingen sind Laufkäfer weniger mobil und bewegen sich kaum über ihren Lebensraum hinaus. Sie sind ein guter Indikator für den Zustand der von ihnen besiedelten Biotope wie bspw. Äcker, die im Monitoring untersucht wurden. Laufkäfer ernähren sich meist räuberisch. Sie sind auf intakte Böden und Lebensgemeinschaften angewiesen. Sie reagieren empfindlich auf zu starke Bewirtschaftung, sowohl im Hinblick auf die Artenzahl als auch auf die Menge der Individuen.

„Durchschnittlich 9 Prozent der ausgewerteten Flächen wurden ökologisch bewirtschaftet. Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass sich bereits dieser Anteil günstig auf die Bestände der Laufkäfer auswirkt. Das hat uns positiv überrascht“, so Dr. Maurer.
Das Monitoring ist erfolgreich und wird fortgesetzt.

Um mittelfristig Aussagen zur Entwicklung der Vielfalt der Insekten treffen zu können, werden weitere Gruppen von Insekten mit unterschiedlichen Ansprüchen im baden-württembergischen Monitoring berücksichtigt. Die Kombination der vorliegenden Daten zur Landnutzung, darunter auch die Bewirtschaftung der Landfläche, mit den erfassten Insektenbestände ermöglicht Rückschlüsse auf Wechselwirkungen.

„Die erste Auswertung der Daten aller Probeflächen hat die Eignung der gewählten Insektengruppen für das Monitoring bestätigt. Die präsentierten Ergebnisse sind belastbar“, so Dr. Maurer. „Mit der Fortsetzung des Insektenmonitorings in den kommenden Jahren können wir nun nicht nur verfolgen, wie sich die Bestände der untersuchten Insektengruppen verändern, sondern wir können auch die Wirkung der ergriffenen Maßnahmen bewerten.“

Die Ergebnisse des Insektenmonitorings sind auf der LUBW-Webseite Insektenmonitoring zu finden, in dem dort verlinkten Fachtext „Landesweites Insektenmonitoring Baden-Württemberg – Ergebnisse unter Betrachtung der Landnutzung“.

Hintergrundinformation

Blick zurück

Weckruf Krefeldstudie

Vor sieben Jahren ließ die sogenannte „Krefeldstudie“ erstmals aufhorchen: Die Studie belegte einen Rückgang der Insektenbiomasse von bis zu 75 Prozent. Neu und alarmierend war die Erkenntnis, dass auch ehemals weitverbreitete und häufige Insektenarten betroffen sind.

Das Insektensterben bedroht unsere Lebensgrundlagen, denn Insekten übernehmen in den Ökosystemen Schlüsselaufgaben wie die Bestäubung, die Aufbereitung abgestorbenen Materials oder den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Als Nahrung sind sie zudem Lebensgrundlage für eine große Zahl anderer Tiere, wie Vögel und Fledermäuse.

Jahr 2017: Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt

Vor dem Hintergrund des „Insektensterbens“ brachte die Landesregierung in Baden-Württemberg Ende des Jahres 2017 das „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ auf den Weg, mit dem unter anderem Gelder für ein landesweites Insektenmonitoring bereitgestellt wurden. Die LUBW erstellte ein Konzept für das Monitoring.

Jahre 2018 – 2022: Erste Erfassungsrunde

Der erste Erfassungsdurchgang des modular aufgebauten Insektenmonitorings fand in den Jahren 2018 – 2021 statt. Rund 50 Kartiererinnen und Kartierer mit Kenntnissen zu den verschiedenen Artengruppen haben die Erfassungen durchgeführt. Die 201 Probeflächen bestehen aus 161 Flächen, die unsere „normale Kulturlandschaft“ außerhalb der größeren Waldgebiete repräsentieren (Offenland der Normallandschaft). Als Vergleich wurden 40 Flächen in Naturschutzgebieten beprobt.

Untersuchungen aus Baden-Württemberg einschließlich vergleichende Untersuchungen der LUBW zu historischen Daten bestätigten, dass auch hierzulande von einem deutlichen Rückgang der Insektenvielfalt in den vergangenen Jahrzehnten auszugehen ist.

Studie der LUBW Landesanstalt für Umwelt zeigt massives Insektensterben in Baden-Württemberg: 13.09.2019 Staatssekretär Andre Baumann „Die ersten Daten des landesweiten Insekten-Monitorings sind alarmierend und bestätigen alle Befürchtungen.“

Weitere Ergebnisse des Insektenmonitorings der LUBW: 26.11.2020 Schmetterlinge im Fokus

Nachtfalter: Vergleich aktueller und historischer Daten bestätigen einen deutlichen Rückgang der Arten und des Bestands: 22.10.2021 Insektenrepositorium – handfestes Archiv für die Entwicklung der Arten


Im Herbst 2022 wurde die ersten Auswertungen des vollständigen Datensatzes für die Jahre 2018 bis 2021 abgeschlossen. Damit liegen nun erstmals zu allen sechs Bausteinen des Monitorings (Tagfalter und Widderchen, Heuschrecken, Laufkäfer, Nachtfalter, Biomasse Boden, Biomasse Luft) und zu allen 201 Flächen Daten vor.

Jahr 2021: Landesregierung verstetigt Insektenmonitoring

Anfang 2021 hat die Landesregierung das Insektenmonitoring aufgrund der Bedeutung der Insekten für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen verstetigt und dieses dauerhaft bei der LUBW verankert. Damit soll eine Überwachung der Bestandstrends etabliert und die Steuerung von gezielten Maßnahmen ermöglicht werden. Ziel ist es, das Insektensterben aufzuhalten und eine Trendumkehr einzuleiten.  

Kernfragestellungen des Monitorings

Hauptziel ist die langfristige Überwachung der Insektenbestände. Es sollen die Fragen beantwortet werden: Welche Insekten kommen im Land vor? Wie häufig sind sie? Wo kommen sie vor? Die Entwicklung des Bestandes kann nur mithilfe von mehreren Durchgängen des Monitorings beobachtet werden.

Die umfassenden Daten erlauben zudem die Herstellung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen, also die Beantwortung der Fragen: Welche Einflussgrößen wirken sich auf die Insekten aus? Welche sind die Wichtigsten? Zeigen die Maßnahmen Wirkung?

Fotos

Für Veröffentlichungen im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung können Sie das folgende Bildmaterial nutzen. Der Autor ist zu nennen.
 

Downloadlinks zu den Bildern:

Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica);
Foto zeigt: Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) besiedeln Halbtrockenrasen und sind durch die Aufgabe der traditionellen Nutzung gefährdet, Quelle: Thorsten Bittner

Goldlaufkäfer (Carabus auratus)
Foto zeigt: Der Goldlaufkäfer (Carabus auratus) ist eine typische Art wildkrautreicher Äcker, Quelle: Thorsten Bittner

Kornwicken Bläuling (Plebejus argyrognomon); Quelle: LUBW/Florian Theves
Foto zeigt: Der Kornwicken Bläuling (Plebejus argyrognomon) benötigt wärmebegünstigte Brachen und Saumstrukturen als Lebensraum, Quelle: Florian Theves

Roter Scheckenfalter (Militaea didyma);
Foto zeigt: Der Kornwicken Bläuling (Plebejus argyrognomon) benötigt wärmebegünstigte Brachen und Saumstrukturen als Lebensraum, Quelle: Florian Theves

 

Rückfragen

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de

Bildnachweis: wellphoto/Shutterstock, LUBW