Grundwasserüberwachungsprogramm

Alljährlich werden Daten zur Grundwassermenge und Grundwasserbeschaffenheit an insgesamt rund 2.100 Messstellen aus dem Landesmessnetz erfasst und ausgewertet. Diese Daten sind unentbehrliche Grundlage zur aktuellen Beurteilung der gesamten Grundwassersituation. Weiterhin spielen sie bei der Grundwasserbewirtschaftung und den zur Bilanzierung eingesetzten großräumigen Grundwassermodellen eine bedeutende Rolle.

Auf den Folgeseiten finden Sie die Berichte zu den Ergebnissen der jährlichen Beprobungen seit 1991. Einen Überblick über die in den einzelnen Ergebnisberichten behandelten Themen und Stoffgruppen gibt diese Tabelle.

Grundlage für die im Auftrag der LUBW durchgeführten Grundwasseruntersuchungen ist der Leitfaden Grundwasserprobennahme, der aber auch externen Anwendern wichtige und hilfreiche Hinweise geben kann.

Seit dem Jahr 2006 wird an ausgewählten Messstellen auch die Grundwasserfauna regelmäßig im Dauermonitoring untersucht, um eventuelle Entwicklungen und Veränderungen erkennen zu können.

Im Jahre 2015 wurde das Jubiläum 30 Jahre Grundwassermonitoring gefeiert, zu dem ein umfassender Jubiläumsband erschienen ist.

Untersuchungen der Grundwasserfauna

Verschiedene Grundwassertiere von links nach rechts: Muschelkrebse Mixtacandona laisi, Raupenhüpferling Bryocamptus sp., Brunnenkrebs Bathynella freiburgensis

Grundwasser wird nicht nur zur Versorgung der menschlichen Bevölkerung mit Trink- und Brauchwasser genutzt, sondern stellt mit seinen wassererfüllten Lücken in Kies, Sand und Festgestein wohl den größten und ältesten kontinentalen Lebensraum dar. Hier siedeln neben Bakterien über 2.000 bisher in Europa bekannte Tierarten. Manche Grundwassertiere sind schon mit dem bloßen Auge zu erkennen, andere sind nur unter dem Mikroskop zu identifizieren. Meist sind sie pigmentlos, durchscheinend oder weiß und blind, da sie im Untergrund ohne Licht leben. Sie kriechen oder schwimmen durch die Hohlräume des Grundwassers und weiden die Bakterienfilme auf den Sedimentpartikeln ab. Damit halten die Tiere das unterirdische Lückensystem offen und tragen zur Selbstreinigungskraft des Grundwassers bei. Über die Verbreitung und Lebensweise dieser Organismen ist aber nur sehr wenig bekannt, Ökologen sprechen auch vom „vergessenen Biotop“.

Zusammen mit der Universität Koblenz-Landau hat die LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg eine landesweite Untersuchung durchgeführt. Die Landauer Arbeitsgruppe Grundwasserökologie beprobte mit kleinen Spezialnetzen und neu entwickelter Sammeltechnik 300 von der LUBW ausgewählte Grundwasserbeobachtungsrohre. Rekordverdächtig war die Beprobung eines 200 m tiefen Beobachtungsrohres auf der Schwäbischen Alb, wo trotz der großen Tiefe noch viele Tiere zu finden waren.

Die Grundwasserfauna Baden-Württembergs ist mit 106 gefundenen Tierarten sehr artenreich. Das Spektrum der gefundenen Tiere reicht von unter einem Millimeter kleinen Ruderfußkrebsen, Urringelwürmern, Grundwasserasseln und Schnecken bis zu einigen Millimetern großen Höhlenflohkrebsen, Hüpferlingen und Brunnenkrebsen. Dabei wurde 2006 eine bisher unbekannte Art neu entdeckt und als erstes Tier überhaupt nach dem Land benannt: der Brunnenkrebs Parabathynella badenwuerttembergensis. Brunnenkrebse sind „lebende Fossilien“, deren ehemals auf der Erdoberfläche lebenden Vorfahren bereits vor 300 Millionen Jahren ausgestorben sind. Nur im Grundwasser konnten diese Tiere so manche Klimaveränderung auf der Erdoberfläche bis heute überleben. Die Verbreitung mancher dieser Tiere gibt Hinweise auf uralte Flusssysteme, die heute ganz anders aussehen wie z.B. das alte Donaueinzugsgebiet. Statistische Auswertungen zeigen keine Zusammenhänge zwischen Tierbesiedlung und bestimmten Grundwasserbelastungen.

 

30 Jahre Grundwassermonitoring

Im Jahre 2015 konnte das Land Baden-Württemberg auf dreißig Jahre Monitoring der Grundwasserqualität zurück­blicken. Damals beauftragte das Umwelt­­ministerium die damalige Landesanstalt für Umweltschutz (LfU), ein Konzept für ein flächen­deckendes Monitoring der Grund­wasser­qualität in Baden-Württemberg zu erarbeiten. Dieses wurde innerhalb kurzer Zeit erstellt und ab 1985 umgesetzt.

Die Broschüre zu diesem Jubliäum Dem Grundwasser auf der Spur... gibt ein Überblick über die Aktivitäten und Entwicklungen im Monitoring der Grundwasser­beschaffenheit in den letzten 30 Jahren. Dazu wird auch über das Monitoring der Grundwassermenge und benachbarter Arbeitsbereiche berichtet.