Pressemitteilungen
null Grundwasserqualität im Oberrheingraben
Fokus Baden-Württemberg
07.05.2026ZUMELDUNG DER LANDESANSTALT FÜR UMWELT BADEN-WÜRTTEMBERG
zur Pressemitteilung der Partner des Projektes ERMES-ii-Rhein: Grundwasser am Oberrhein
Anlass: Vorstellung der Ergebnisse des grenzüberschreitenden Projekts „ERMES ii Rhein 2022-2025“ durch die LUBW und ihre Partner im Rahmen der Abschlusskonferenz am 7. Mai 2026 in Straßburg.
Oberrheingraben/Straßburg/Baden‑Württemberg. „Mit dem Projekt ERMES‑ii Rhein liegt uns ein eindrucksvolles Beispiel für gelebte grenzüberschreitende Zusammenarbeit vor“, so Dr. Ulrich Maurer, Präsident der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). „Die Ergebnisse zeigen, wie vielfältig die Einträge ins Grundwasser sind – und wo wir künftig noch genauer hinschauen müssen.“
In der Eröffnung betont Maurer: „Das Grundwasser im Oberrheingraben ist ein gemeinsames europäisches Erbe – und als größtes Grundwasservorkommen Westeuropas von zentraler Bedeutung für die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen. Gerade weil Belastungen durch klassische und neue Schadstoffe zunehmen und nicht an Landesgrenzen haltmachen, ist sein Schutz eine über Baden-Württemberg hinausgehende, gemeinsame Aufgabe.“
Ergebnisse für Baden-Württemberg
Welche Spurenstoffe wurden gefunden?
Wie bereits im Vorgängerprojekt wurden im gesamten Oberrheingraben zahlreiche anthropogen verursachte Spurenstoffe nachgewiesen. Im Fokus standen erneut Spurenstoffe, die aus Landwirtschaft, Industrie, Haushalten und medizinischen Anwendungen stammen. Dazu zählen insbesondere:
- Pestizidmetaboliten,
- PFAS,
- TFA,
- pharmazeutische Substanzen,
- Süßstoffe und
- Industriechemikalien.
Alle diese Stoffgruppen wurden im baden‑württembergischen Teil des Oberrheingrabens nachgewiesen.
Belastungssituation im Grundwasser
An 65 % der insgesamt 454 untersuchten Messstellen in Baden-Württemberg wurde mindestens ein gemeinsamer Trinkwassergrenzwert überschritten. Der Wert bezieht sich auf das Roh- beziehungsweise Grundwasser im Oberrheingraben und ist nicht mit der Qualität des Trinkwassers gleichzusetzen. Das in Baden‑Württemberg verteilte Trinkwasser erfüllt weiterhin die Anforderungen der Trinkwasserverordnung und kann bedenkenlos genutzt werden.
Wie bereits in früheren Projekten gehören Nitrat, Pestizidmetabolite und PFAS zu den Stoffgruppen, die am häufigsten Überschreitungen aufweisen.
Ein Vergleich der untersuchten Stoffe und Messstellen mit früheren Projekten zeigt einen leichten Rückgang der Belastungen durch Grenzwertüberschreitungen von etwa 69 % (ERMES-Rhein 2016) auf 65 %.
Hohe Nachweisrate für PFAS
Zu den am häufigsten nachgewiesenen Stoffgruppen zählen neben Nitrat und Pestiziden auch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), insbesondere PFBS, PFBA, PFOA und PFOS. Sie wurden an über 40 % der Messstellen nachgewiesen. In einzelnen Gebieten bestehen weiterhin deutliche Belastungsschwerpunkte, etwa im bekannten Schadensgebiet Rastatt/Baden-Baden. Auffällig war die hohe Nachweishäufigkeit von TFA: Der Stoff wurde an nahezu 98 % der Messstellen gefunden. Der derzeit geltende Leitwert für Trinkwasser von 60 µg/L wurde jedoch an keiner Messstelle überschritten.
Pharmazeutische Substanzen
Hohe Konzentrationen pharmazeutischer Substanzen wurden wieder überwiegend im Norden des Oberrheingrabens entlang von Bächen und Flüssen festgestellt, in die gereinigtes Abwasser eingeleitet wird. Am häufigsten wurde das Röntgenkontrastmittel Amidotrizoesäure entdeckt, 24 % der Messstellen wiesen Positivbefunde auf.
Der Süßstoff Acesulfam wurde ebenfalls häufig (52 %) vor allem in der Nähe von Wasserläufen nachgewiesen.
Das in Desinfektions- und Bleichmittel verwendete Perchlorat war im Grundwasser des Oberrheingrabens weiterhin flächendeckend anzutreffen.
Im Hinblick auf neuartige Spurenstoffe wie Pharmazeutika, PSM-Metaboliten oder TFA liefern die Projektergebnisse wichtige Hinweise zur Belastungssituation. Die Auswirkungen dieser Substanzen auf Umwelt und Gesundheit sind noch nicht hinreichend bekannt. Hier muss weiter untersucht und geforscht werden.
Innovative Analytik: Non-Target-Screening
Erstmals wurden im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projekts abgestimmte innovative analytische Verfahren für die Untersuchung des Grundwassers eingesetzt, das sogenannte Non-Target-Screening. Es ermöglicht, noch unbekannte oder auch bislang nicht routinemäßig untersuchte Stoffe zu erfassen und liefert damit ein deutlich breiteres Bild der chemischen Vielfalt im Grundwasser.
In Baden-Württemberg wurde Non-Target-Screening in zwei Pilotgebieten getestet:
- an der Kinzig, um das Verbandsklärwerk des Abwasserzweckverbands „Raum Offenburg“,
- und an der Wiese, um die Kläranlage Steinen des Abwasserverbands „Mittleres Wiesental“, das gemeinsam mit den Projektpartnern Basel-Stadt untersucht wurde.
Ziel dieser Untersuchungen war es, einen potenziellen Einfluss der genannten Kläranlagen auf das Flusswasser und Grundwasser bei normalen Verhältnissen und im Fall von Starkregen zu untersuchen und zu vergleichen. Hierbei wurden alle Wasserproben der Kläranlage, des Flusses und des Grundwassers auf spezifische Stoffe untersucht, die nachweislich aus Abwässern stammen (gezielte Analysen) und mithilfe „nicht gezielter“ Messungen analysiert (Non-Target-Screening).
Die Ergebnisse beider analytischen Methoden zeigen, dass die Einleitung von gereinigtem Abwasser aus den beiden untersuchten Kläranlagen stromabwärts zur Belastung von Fluss- und Grundwasser mit einzelnen Stoffen beitragen. Zudem können sich nach Starkregen die Belastungen durch Einträge aus Regenentlastungsanlagen erhöhen. Die Kläranlagen sind jedoch nicht die alleinige Ursache für die festgestellten Belastungen. Weitere Ursachen sind Einflüsse aus Industrie, Landwirtschaft und Siedlungen.
Durch die „nicht gezielten“ Messungen des Non-Target-Screenings wurden zahlreiche zusätzliche Stoffe im Fluss- und Grundwasser nachgewiesen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, weiterhin regelmäßige Monitoringprogramme durchzuführen, um die Qualität der Ressource Grundwasser zu überwachen.
Ausblick für den Grundwasserschutz
Das Projekt ERMES‑ii liefert wichtige Grundlagen für den Grundwasserschutz in Baden‑Württemberg und die gesamte Oberrheinregion. Die LUBW und die weiteren Projektpartner sind sich einig, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die Harmonisierung von Methoden und die Anwendung moderner Analytik auch künftig fortgeführt werden müssen.
Der Ergebnisbericht mit Messergebnissen sowie Kartendarstellungen zu ausgewählten Spurenstoffen steht ab sofort auf der Homepage www.ermes-rhin.eu zur Verfügung.
Hintergrund des Projekts
Seit den 1990er‑Jahren arbeiten die Anrainerstaaten im Oberrheingraben eng zusammen, um das gemeinsame Grundwasservorkommen zu schützen. Die Ressource ist von zentraler Bedeutung für die Trinkwasserversorgung und die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region von Basel bis Mainz.
Das Projekt „ERMES‑ii‑Rhein“ (INTERREG VI) wurde von 2022 bis 2026 durchgeführt. Es knüpft an das Vorgängerprojekt ERMES‑Rhein 2016 an und führt die langjährige gemeinsame Untersuchung der Grundwasserqualität fort.
Die zentralen Ziele des Projekts waren:
- die erstmalige, grenzüberschreitende Anwendung innovativer analytischer Verfahren,
- die Fortführung und Erweiterung des Monitorings der Grundwasserqualität,
- die Untersuchung bekannter und neuartiger Spurenstoffe,
- die Untersuchung des Austauschs von Spurenstoffen durch die Interaktion zwischen Flusswasser und Grundwasser.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de