Pressemitteilungen

null Grundwasser in Baden-Württemberg: historische Tiefstwerte an jeder fünften Messstelle

Besonders niedrige Grundwasserstände auf der Schwäbischen Alb, im Hochschwarzwald und in Oberschwaben

02.10.2026

Baden-Württemberg/Karlsruhe. Die anhaltende Trockenheit verschärft die Grundwassersituation in Baden-Württemberg weiter. Ende September liegen die Grundwasserstände und Quellschüttungen landesweit auf sehr niedrigem Niveau und gehen weiterhin zurück. An 61 Prozent der Messstellen liegen die Werte inzwischen unterhalb des Normalbereichs. An jeder dritten Messstelle werden die bisherigen September-Niedrigstwerte der vergangenen 30 Jahre unterschritten, an jeder fünften sogar die bisherigen historischen Niedrigstwerte. Besonders betroffen sind die Schwäbische Alb, der Hochschwarzwald und Oberschwaben.

„Die Auswirkungen der Trockenheit reichen inzwischen bis tief in den Boden. Selbst ergiebigere Niederschläge würden deshalb nicht unmittelbar dem Grundwasser zugutekommen. Zunächst muss sich der ausgetrocknete Bodenwasserspeicher zumindest teilweise wieder auffüllen“, beschreibt Dr. Ulrich Maurer, Präsident der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), die Lage.
 

Seit dem Frühjahr geht es landesweit abwärts

Die Grundwasserstände und Quellschüttungen gehen seit dem Frühjahr in allen Landesteilen zurück. Seit März hat die Grundwasserneubildung stark abgenommen. Eine Versickerung in tiefere Bodenschichten wurde an den Lysimeterstationen zuletzt im Juni beobachtet.

Die Situation hat sich zuletzt weiter zugespitzt: Anfang September wurden an rund 15 Prozent der Messstellen die bisherigen Niedrigwasserstände unterschritten, Ende September beträgt dieser Anteil bereits 20 Prozent.
 

Schwäbische Alb: ausgeprägtes Niedrigwasser nun auch im tiefen Karst

Besonders angespannt ist die Situation im Karst der Schwäbischen Alb. Die Quellen reagieren vergleichsweise schnell auf ausbleibende Niederschläge, entsprechend gingen die Quellschüttungen bereits im Sommer deutlich zurück. Bei den Grundwasserständen im tiefen Karst setzte der Rückgang dagegen verzögert ein. Inzwischen werden jedoch auch dort Tiefstände verzeichnet. Ende September bewegten sich die Grundwasserstände in dieser Region an zahlreichen Messstellen im Bereich der historischen Niedrigstwerte.

So ist beispielsweise die Situation an der Gallusquelle in Veringenstadt seit drei Monaten besonders angespannt. Sie führt seit Juli dauerhaft Niedrigwasser, ohne dass sich eine Entspannung abzeichnet. Selbst Quellen mit größeren Einzugsgebieten wie die Wimsener Aach oder der Blautopf, die erfahrungsgemäß moderater auf Trockenphasen reagieren, weisen Anfang Oktober sehr niedrige Quellschüttungen auf.
 

Hochschwarzwald: Quellwasserversorgung besonders im Blick

Auch im Hochschwarzwald werden an zahlreichen Messstellen außergewöhnlich niedrige Grundwasserstände und Quellschüttungen beobachtet. Besondere Aufmerksamkeit gilt dort ebenfalls der Quellwasserversorgung. Während für Baden-Württemberg insgesamt keine großräumigen Engpässe in der öffentlichen Wasserversorgung erwartet werden, sind in Gebieten, die überwiegend mit Quellwasser versorgt werden, weiterhin lokale Engpässe möglich. Im Sommer wurde aus einzelnen Gemeinden bereits über Engpässe in der örtlichen Wasserversorgung berichtet. So wurde in Buchenbach und Kirchzarten (beide im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) aufgrund rückläufiger Quellwassermengen die Verwendung von Trinkwasser zeitweise eingeschränkt. In Lauf im Schwarzwald (Ortenaukreis) wurde zusätzlich Wasser von außerhalb bezogen.

Oberschwaben: Historische Niedrigstwerte besonders häufig

In Oberschwaben zeigte sich die Trockenheit im Grundwasser besonders früh. Im Frühjahr wurden im Südosten Baden-Württembergs bereits zahlreiche niedrige Grundwasserstände beobachtet. Im Verlauf des Sommers verschärfte sich die Situation weiter. Ende September gehören Teile Oberschwabens zu den Regionen, in denen die bisherigen historischen Niedrigstwerte besonders häufig unterschritten werden.
 

Erholung des Grundwassers braucht Zeit

Eine nachhaltige Entspannung ist kurzfristig nicht zu erwarten. Nach der langen Trockenperiode müssen Niederschläge zunächst den ausgetrockneten Bodenwasserspeicher wieder auffüllen, bevor Wasser in tiefere Bodenschichten sickern und zur Grundwasserneubildung beitragen kann. Starkregen hilft dabei nur begrenzt, da ein größerer Teil oberflächlich abfließen kann. Günstiger sind länger anhaltende Niederschläge.

Auch die Jahreszeit spielt eine wichtige Rolle. Im Winter kann ein deutlich größerer Anteil des Niederschlags versickern als im Sommer, da bei niedrigeren Temperaturen weniger Wasser verdunstet und die Vegetation dem Boden weniger Wasser entnimmt. Im Sommer wird dagegen ein großer Teil des Niederschlags durch Verdunstung und Pflanzenverbrauch aufgezehrt.
„Selbst bei feuchter Witterung läuft die Grundwasserneubildung deshalb erst mit Verzögerung wieder an. Ob dies bereits im Oktober geschieht, ist derzeit offen. Zunächst ist mit weiter sinkenden Grundwasserständen und Quellschüttungen zu rechnen. Damit dürfte auch die Zahl der Messstellen mit historisch niedrigen Werten weiter steigen“, so Maurer.

 

Hintergrundinformation


Ausgangslage für den Sommer bereits ungünstig

Bereits im Winterhalbjahr 2025/26 lag die Grundwasserneubildung in fünf der sechs Monate unter dem 30-jährigen Mittel. Lediglich der nasse Februar brachte einen deutlichen Überschuss. Insgesamt blieb die Grundwasserneubildung im Winterhalbjahr damit leicht unterdurchschnittlich.

Im hydrologischen Sommerhalbjahr von Mai bis Oktober wird auch bei normaler Witterung deutlich weniger Grundwasser neu gebildet. 2026 verschärften die außergewöhnliche Trockenheit und die hohen Temperaturen die Situation zusätzlich.

Auch zahlreiche Messstellen, die sich noch innerhalb des statistischen Normalbereichs befinden, weisen aktuell Werte im unteren Bereich auf.
 

Trockenheit im Boden

Aufgrund des sehr trockenen Witterungsverlaufs in den vergangenen Monaten sind die Böden ausgesprochen trocken. Dies zeigt der berechnete Trockenheitsindex nach WaBoA (2007). Er beschreibt die Anzahl der Tage mit einer geringen Füllung des Bodenwasserspeichers von weniger als 30 Prozent der nutzbaren Feldkapazität (TrIndex30). In den zurückliegenden fünf Sommermonaten erreichte der TrIndex30 im landesweiten Mittel rund 120 von insgesamt 153 Tagen. Im 30-jährigen Mittel (1991–2020) sind es in diesem Zeitraum lediglich 47 Tage.
 

Wie bewertet die LUBW die Grundwassersituation?

Die LUBW bewertet die aktuelle quantitative Grundwassersituation anhand ihres Messnetzes „Grundwasserstände und Quellschüttungen“. Grundlage für die Einordnung der Messwerte sind langjährige Vergleichsdaten. Der Normalbereich beschreibt den statistisch zu erwartenden Schwankungsbereich und wird anhand der Monatswerte aus 30 Beobachtungsjahren bestimmt.

Aktuelle Informationen, Messwerte und die Bewertungskarte veröffentlicht die LUBW fortlaufend im Internet unter „Grundwasserstände und Quellschüttungen“.
                                                                                                                                                       

 

Quelle: LUBW, Grundwasserstände und Quellschüttungen, Hintergrundkarte: © 2026 Omniscale, Kartendaten: OpenStreetMap (Lizenz: ODbL), Screenshot abgerufen am 02.10.2026



  


 

Foto zeigt: Die Lysimeter sind seit Juni trocken. Blick in den Beobachtungsschacht der Anlage Steißlingen (GW-Nr. 0500/422-5). Quelle: Wingering

Rückfragen

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de