Pressemitteilungen
null Herbstbeginn: Wassermangel in Flüssen und Seen verschärft sich
Wetter bringt keine Erholung für die Oberflächengewässer
29.09.2026Baden-Württemberg/Karlsruhe. Auch der erste kalendarische Herbstmonat hat für den Wasserhaushalt in Baden-Württemberg bisher keine Entspannung gebracht. Die Folgen des Sommers und ein extrem trockener Herbstbeginn zeigen sich weiterhin deutlich in Flüssen und Seen. Der Sommer 2026 war der wärmste und der zweittrockenste seit dem Jahr 1961. Niederschläge in der zweiten Augusthälfte sorgten nur kurzzeitig für Entspannung.
September 2026: nur rund ein Viertel der durchschnittlichen Regenmenge
Landesweit fielen nach vorläufigen Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes im September nur etwa 19 Liter Niederschlag pro Quadratmeter (l/m²). Das entspricht rund 27 Prozent der für einen September durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 70 l/m². Damit dürfte der September 2026 in Baden-Württemberg zu den fünf trockensten Septembermonaten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 zählen.
„Mit dem Übergang in den Herbst werden die Tage kürzer, die Temperaturen gehen zurück und der Wasserbedarf der Vegetation nimmt ab. An der ausgeprägten Wassermangelsituation ändert dies derzeit wenig, denn im September hat es kaum geregnet“, fasst der Präsident der Landesanstalt für Umwelt (LUBW), Dr. Ulrich Maurer, die Lage Ende September zusammen. „Die Böden sind sehr trocken und das Niedrigwasser ist inzwischen noch stärker ausgeprägt als im Sommer. Unsere Daten zeigen, dass das Niedrigwasser das bisherige Rekordjahr 2018 übertrifft. Die Pegel an Rhein, Donau und Neckar weisen nach wie vor Niedrigwasserstufe 2 – extrem niedrig – auf.“
Niedrigwasser belastet die Gewässerökologie
Häufigkeit, Dauer und räumliche Ausdehnung von Extremereignissen wie sommerlicher Hitze- und Niedrigwasserphasen können einen großen Einfluss auf die aquatische Lebensgemeinschaft haben. Je naturferner ein Lebensraum ist, desto größer können die Schäden sein, da beispielsweise aufgrund von fehlender Strukturvielfalt Rückzugsräume fehlen.
Das anhaltende Niedrigwasser belastet auch im Herbst die Tier- und Pflanzenwelt in Bächen und Flüssen. Ufer- und Flachwasserbereiche fallen trocken und Lebensräume gehen zeitweise verloren. Muscheln können trockenfallen und absterben, Fische müssen in Gewässerabschnitte mit günstigeren Bedingungen ausweichen. Trockene Gewässerabschnitte können ihnen jedoch den Weg in solche Rückzugsräume versperren. Trocknen Gewässer vollständig aus, können die meisten Gewässerorganismen dort nicht überleben.
Mit den sinkenden Lufttemperaturen im Herbst lässt zumindest die zusätzliche Belastung durch hohe Wassertemperaturen nach. Die grundsätzlichen Folgen des Wassermangels bleiben jedoch bestehen. In abwasserbeeinflussten Gewässerabschnitten werden Einleitungen bei Niedrigwasser weniger stark verdünnt und können die Wasserqualität zusätzlich belasten.
Bodensee: Auswirkungen auf die Lebensräume am Ufer
Normalerweise erreicht der Bodensee seinen jährlichen Tiefststand im Februar oder März. Der jemals niedrigste gemessene Wasserstand des Bodensees stammt aus dem Jahr 1858: Ende Februar/Anfang März wurden 226 Zentimeter gemessen. Seinen jährlichen Höchststand erreicht der Bodensee üblicherweise im Juni oder Juli. In diesem Jahr blieb dieser typische sommerliche Anstieg weitgehend aus. „Nun, Ende September, liegt der Wasserstand niedriger als im vergangenen Frühjahr, das ist eine außergewöhnliche und untypische Entwicklung“, verdeutlicht Maurer die Situation.
Das außergewöhnliche Niedrigwasser wirkt sich vor allem auf die flach geneigten Uferbereiche des Bodensees aus. Flächen, die zu dieser Jahreszeit normalerweise noch überschwemmt wären, fallen bereits trocken und stehen aquatischen Organismen damit zeitweise nicht mehr als Lebensraum zur Verfügung. Das Trockenfallen dieser Bereiche gehört grundsätzlich zum natürlichen jahreszeitlichen Wasserstandsverlauf des Bodensees: Im Winter liegen sie regelmäßig frei und werden mit steigendem Wasserstand neu besiedelt. Außergewöhnlich ist in diesem Jahr jedoch, dass sie deutlich früher trockenfallen und sich dadurch die sommerliche Überflutungsphase verkürzt oder in manchen Bereichen sogar ganz ausgeblieben ist.
Ob die aktuell extrem niedrigen sommerlichen Wasserstände langfristig zu Veränderungen der Lebensgemeinschaften in den Ufer- und Flachwasserzonen führen, hängt von der weiteren Entwicklung der Wasserstände im Bodensee ab. Die LUBW beobachtet diese Entwicklung im Rahmen ihrer Umweltbeobachtung.
„Helfen kann unseren Gewässern nur ein ordentlich verregneter Herbst und Winter. Auf anhaltendes Schmuddelwetter hoffen wir nun alle“, so der Präsident.
Hintergrundinformation
Entwicklung der Wasserstände
Oberrhein
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung am Rhein. Der Wasserstand befindet sich weiterhin in der Niedrigwasserstufe 2 („extrem niedrig“). Am 28. September lag der Pegel Maxau bei 283 Zentimetern und damit 178 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Tag (461 Zentimeter im Bezugszeitraum 1991–2020). Auch der bisherige Minimalwert für den 28. September von 326 Zentimetern im Jahr 2003 wurde unterschritten.
Die Wasserstände gingen bereits Anfang Juni spürbar zurück. Anfang Juli unterschritt der Pegel Maxau erstmals in diesem Jahr die Schwelle zur Niedrigwasserstufe 1 („sehr niedrig“), Ende Juli wurde Niedrigwasserstufe 2 („extrem niedrig“) erreicht. Am 23. September wurde mit einem Tagesmittel von 282 Zentimetern der bislang niedrigste Wasserstand des Jahres gemessen. „Die eigentliche Niedrigwassersaison am Rhein beginnt im Herbst. Wir starten nun in diese ‚Niedrigwassersaison‘ mit einem Wasserstand, der niedriger ist als jemals zuvor in dieser Jahreszeit gemessen“, veranschaulicht Maurer die Lage.
Donau
Auch an der Donau ist die Niedrigwassersituation weiterhin extrem. Der für die baden-württembergische Donau repräsentative Pegel Hundersingen weist am 28. September einen Stand von 26 Zentimetern auf und damit gilt die Niedrigwasserstufe 2 („extrem niedrig“).
Wie beim Rhein werden an der Donau seit Anfang Juni außergewöhnlich niedrige Wasserstände gemessen, wie sie dort zu dieser Jahreszeit bislang noch nicht beobachtet wurden. Lediglich Niederschläge in der zweiten Augusthälfte ließen die Wasserstände vorübergehend ansteigen.
Nach aktuellen Vorhersagen werden die Wasserstände auch in den kommenden Tagen extrem niedrig bleiben. Eine nachhaltige Entspannung ist zunächst nicht absehbar. Hinzu kommt, dass die Donau ihren niedrigsten Abfluss im Jahresverlauf häufig erst in den Monaten September und Oktober erreicht.
Neckar
Auch am durch Stauregelung geprägten Neckar ist die Wasserführung weiterhin extrem niedrig (Niedrigwasserstufe 2). Am 28. September flossen an dem für den Neckar repräsentativen Pegel Wendlingen-Kläranlage im Mittel nur 6,26 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Nach aktuellen Vorhersagen wird die Wasserführung auch in den kommenden Tagen auf einem extrem niedrigen Niveau bleiben.
Im Februar führte der Neckar noch durchschnittlich viel Wasser. Danach ging die Wasserführung deutlich zurück. Am 7. August erreichte der Pegel Wendlingen-Kläranlage mit 7,74 Kubikmetern Wasser pro Sekunde die Niedrigwasserstufe 2 (extrem niedrig) und verzeichnete einen neuen saisonalen Tiefstwert.
Hinweis: Da der Wasserstand des Neckars durch Staustufen beeinflusst wird, wird die Niedrigwassersituation hier nicht anhand des Wasserstandes, sondern anhand des Abflusses beschrieben – der Wassermenge, die pro Sekunde den Pegel passiert.
Bodensee
Am 28. September lag der Pegel Konstanz/Bodensee bei 253 Zentimetern und damit 90 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Tag. Selbst im außergewöhnlich trockenen Jahr 2003 lag der Wasserstand am gleichen Tag mit 263 Zentimetern noch etwas höher.
Ursachen für die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände sind insbesondere der schneearme Winter im Alpenraum und damit geringe Schmelzwasserbeiträge aus dem alpinen Einzugsgebiet in den Sommermonaten sowie geringe Niederschläge und eine hohe Verdunstung. Auch in den vergangenen Wochen blieb es im Einzugsgebiet sehr trocken. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz weist für Teile des Bodenseeeinzugsgebiets derzeit Trockenheitsstufe 4 („große Gefahr“) aus. Auch der Alpenrhein führt außergewöhnlich wenig Wasser.
Ergänzende Pressemitteilungen
29.09.2026 Deutschlandwetter im September 2026, Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes
22.09.2026 Folgen des Hitzesommers 2026 und entsprechende Maßnahmen
Pressemitteilung des Staatsministeriums Baden-Württemberg, des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg und des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
LUBW:
15.08.2026: Bodensee erreicht bisher niedrigsten Wasserstand des Jahres 2026
Ursachen: Schneearmer Winter in den Alpen, ausbleibender Regen und hohe Verdunstung
13.07.2026: Außergewöhnlich frühe Hitzewelle in Baden-Württemberg
LUBW ordnet frühe Hitze des Sommers klimatologisch ein
06.07.2026: Trockenheit setzt Baden-Württembergs Gewässern weiter zu
Mehrere Gewässer mit außergewöhnlich niedrigen Wasserständen
26.06.2026: Außergewöhnlich niedriger Wasserstand am Bodensee
Historischer Tiefstand für Ende Juni nur um wenige Zentimeter überschritten
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