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null Außergewöhnlich frühe Hitzewelle in Baden-Württemberg
LUBW ordnet frühe Hitze des Sommers klimatologisch ein
13.07.2026GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DER LANDESANSTALT FÜR UMWELT BADEN-WÜRTTEMBERG UND DES MINISTERIUMS FÜR UMWELT, KLIMA UND ENERGIEWIRTSCHAFT BADEN-WÜRTTEMBERG
Baden-Württemberg/Karlsruhe. Nach einer zunächst vergleichsweise kühlen ersten Junihälfte entwickelte sich in Baden-Württemberg – wie in weiten Teilen Deutschlands – eine außergewöhnlich frühe und intensive Hitzewelle. Sie brachte landesweit überdurchschnittliche Temperaturen und nur geringe Niederschläge. Die Hitzewelle wurde nur kurzzeitig von wenigen kühleren Tagen unterbrochen. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ordnet die außergewöhnliche Wärmephase anhand von Messdaten klimatologisch ein.
Außergewöhnlich früh und außergewöhnlich intensiv
„Ungewöhnlich ist, dass eine derart intensive Hitzewelle bereits so früh im Sommer aufgetreten ist. Die intensivsten Hitzewellen treten in Baden-Württemberg üblicherweise eher im Hochsommer auf, also im Juli und August“, fasst Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW, die Situation zusammen.
Der erste Heiße Tag (über 30°C) des Jahres wurde am 23. Mai, der erste Sehr Heiße Tag (über 35 °C) am 18. Juni, die erste Tropennacht (über 20 °C) am 19. Juni registriert. Bis einschließlich Sonntag, 12. Juli, wurden im Landesmittel in Baden-Württemberg 16 Heiße Tage und 4 Sehr Heiße Tage gezählt. Davon entfielen bereits 13 Heiße Tage und 4 Sehr Heiße Tage auf den Juni.
Der Juni 2026 war mit einer Mitteltemperatur von 20,0 °C der zweitwärmste Juni seit Beginn der Messreihe im Jahr 1961 und lag 5,0 °C über dem Mittel der Klimareferenzperiode 1961–1990. Gleichzeitig fielen mit lediglich 46 Millimetern Niederschlag nicht einmal die Hälfte des langjährigen Mittels von 104 Millimetern. Damit belegt der Juni Rang 4 der trockensten Junimonate der Messreihe.

Hitzewelle erfasst nahezu das gesamte Land
Die Hitzewelle beschränkt sich nicht auf einzelne Regionen. Während in einem durchschnittlichen Juni nur in einem Fünftel der Gemeinden überhaupt ein Heißer Tag auftrat, wurden im Juni 2026 in allen Gemeinden Baden-Württembergs mindestens 3 Heiße Tage registriert, häufig sogar 5 Heiße Tage.
Bis Ende Juni wurden im Mittel 14 Heiße Tage je Gemeinde registriert. Davon entfielen knapp 12 auf den Juni. Bis zum 12. Juli 2026 kamen im Mittel je Gemeinde weitere 3 Heiße Tage hinzu. Dadurch erhöhte sich die durchschnittliche Zahl im bisherigen Jahresverlauf auf 17 Heiße Tage je Gemeinde.
Auch Sehr Heiße Tage traten jetzt im Juni außergewöhnlich häufig auf. In 50 % der Gemeinden wurden mindestens 4 Sehr Heiße Tage registriert, in rund einem Viertel (25,5 %) der Gemeinden sogar mindestens 7 Sehr Heiße Tage. Bis einschließlich Sonntag, 12. Juli, erhöhte sich der Anteil der Gemeinden mit mindestens 7 Sehr Heißen Tagen auf 26,0 %.
Besonders betroffen waren die tiefer gelegenen Regionen des Landes, während Schwarzwald, Schwäbische Alb und Oberschwaben vergleichsweise weniger Temperaturbelastung aufwiesen.
Feldberg: Tropennächte selbst auf einer der kühlsten Messstationen des Landes
Wie außergewöhnlich die erste Hitzewelle des Sommers verlief, zeigen einzelne Messstationen besonders eindrucksvoll.
Selbst an der hoch gelegenen Messstation auf dem Feldberg wurden während der ersten Hitzewelle zwei Tropennächte registriert. Da der Feldberg zu den kühlsten Messstandorten Baden-Württembergs gehört, ist dies ein außergewöhnliches Ereignis. Die nächtlichen Tiefsttemperaturen lagen am 26. Juni bei 21,1 °C und am 27. Juni bei 22,2 °C.

Mannheim: Hohe Hitzebelastung in tieferen Lagen
Die Tropennächte auf dem hoch gelegenen Feldberg verdeutlichen, dass die Hitzewelle selbst die Hochlagen Baden-Württembergs erreichte. Besonders hoch war die thermische Belastung tagsüber jedoch in den tiefer gelegenen und dicht besiedelten Räumen des Landes. Das zeigen beispielhaft die Messwerte der LUBW-Station in Mannheim.
Dort wurden vom 18. bis 28. Juni 11 Heiße Tage in Folge registriert. An 5 aufeinanderfolgenden Tagen überschritten die Höchsttemperaturen sogar 35 °C. Der höchste gemessene Wert lag bei 40,0 °C. Bis einschließlich Samstag, 11. Juli, erhöhte sich diese Zahlen auf 22 Heiße Tage und 8 Sehr Heiße Tage.

Anhaltende Hitze und die geringen Niederschläge bleiben nicht ohne Folgen
Die erste Hitzewelle wirkt sich gleichzeitig auf Wasserhaushalt, Luftqualität und Ökosysteme aus. Bereits während der Hitzewelle verschärfte sich die Niedrigwasserlage an zahlreichen Flüssen und Bächen Baden-Württembergs. Gleichzeitig stiegen die Wassertemperaturen vieler Gewässer deutlich an.*
Trockenheit und Hitze belasteten zudem Böden und Vegetation. Die Verdunstung nahm deutlich zu, während gleichzeitig kaum Niederschläge fielen. Dadurch verschärfte sich der Trockenstress vieler Ökosysteme zusätzlich.
Für die Bevölkerung stellte die frühe Hitzewelle eine besondere Belastung dar. Sie fiel in eine Jahreszeit, in der viele Menschen noch nicht an hohe Temperaturen angepasst sind. Dadurch werden die hohen Temperaturen häufig als besonders belastend empfunden. Zusätzlich fiel sie mitten in den regulären Schul- und Arbeitsalltag und noch vor Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg.
Während der Hitzetage wurden zudem erhöhte Ozonkonzentrationen gemessen. Ozonempfindlichen Personen und Kindern wurde empfohlen, körperliche Anstrengungen und sportliche Aktivitäten im Freien auf die frühen Morgenstunden zu verlegen. Am Spätnachmittag und Abend sind die Ozonkonzentrationen in der Regel am höchsten.
Bis einschließlich 13. Juli wurde die Informationsschwelle für Ozon von 180 µg/m³ an den baden-württembergischen Messstationen insgesamt an 9 Tagen überschritten. Die meisten Überschreitungen wurden mit 3 Tagen in Neuenburg registriert, gefolgt von Baden-Baden mit zwei Tagen. In Eggenstein, Heidelberg, Karlsruhe-Nordwest und Mannheim-Nord wurde die Schwelle jeweils an einem Tag überschritten.
Umweltministerin Walker: Klimaanpassung konsequent vorantreiben
„Baden-Württemberg muss sich auch künftig auf häufigere und intensivere Hitzeereignisse einstellen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir uns bestmöglich für diese bereits so deutlich spürbare Folge des Klimawandels wappnen“, so Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg.
„Die wirksamste Maßnahme gegen den Klimawandel ist konsequenter Klimaschutz. Gleichzeitig müssen wir unsere Städte, Gemeinden und Landschaften so gestalten, dass sie mit den Folgen des bereits fortschreitenden Klimawandels besser umgehen können. Klimaanpassung ist ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge und erhöht zugleich die Lebensqualität – etwa durch mehr Stadtgrün, entsiegelte Flächen oder Maßnahmen zum Schutz vor Hitze“, erklärt Walker weiter.
Das Land unterstützt Kommunen unter anderem mit dem Förderprogramm KLIMOPASS. Förderung gibt es beispielsweise für die Entwicklung von Hitzeaktionsplänen sowie die Umsetzung von grün-blauen Maßnahmen. Mit dem Klimaatlas Baden-Württemberg stehen wichtige Datengrundlagen zur Verfügung, um besonders hitzebelastete Räume zu identifizieren und Anpassungsmaßnahmen gezielt zu planen.
Die aktuelle Hitzewelle verdeutlicht eindrücklich, wie wichtig sowohl konsequenter Klimaschutz als auch eine vorausschauende Anpassung an die Folgen des Klimawandels für Baden-Württemberg sind.
Hintergrundinformation
Klimatische Kenngrößen:
- Heißer Tag: Tageshöchsttemperatur (Tmax) ≥ 30 °C
- Sehr heißer Tag: Tageshöchsttemperatur (Tmax) ≥ 35 °C
- Tropennacht: Tagestiefsttemperatur (Tmin) ≥ 20 °C
*Pressemitteilungen ergänzend zum Thema:
- 06.07.2026: Trockenheit setzt Baden-Württembergs Gewässern weiter zu
Mehrere Gewässer mit außergewöhnlich niedrigen Wasserständen
- 26.06.2026: Außergewöhnlich niedriger Wasserstand am Bodensee
Historischer Tiefstand für Ende Juni nur um wenige Zentimeter überschritten
- 22.06.2026: LUBW verzeichnet seit Sonntag hohe Ozonkonzentrationen
Ozonempfindliche Personen sollten sportliche Aktivitäten und körperliche Anstrengungen auf die frühen Morgenstunden verlegen
Hinweis:
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg der LUBW veröffentlicht heute ab 14:00 Uhr einen aktualisierten Lagebericht zum Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers:
https://niz.baden-wuerttemberg.de/lageberichte/oberflaechengewaesser
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de