FFH-Lebensraumtyp 5130 - Wacholderheiden

In diesem Lebensraumtyp sind Wacholderheiden der Ebene und des Berglandes in zwei Ausprägungen zusammengefasst:

  • Beweidete oder inzwischen brachgefallene Halbtrockenrasen und Trockenrasen auf Kalk mit Wacholdergebüschen (die typischen Wacholderheiden) sowie
  • Zwergstrauchheiden und auch Borstgrasrasen mit Wacholder (Wacholder-Zwergstrauchheiden). Diese zweite Ausprägung spielt in Baden-Württemberg fast ausschließlich im Südschwarzwald eine Rolle. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 5130 zugeordnet:
  • 36.30 - Wacholderheide (ab einer Größe von 1000 m2)

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Verbände Mesobromion erecti, Genistion und Violion caninae; die Wacholderbestände werden bei stärkerer Gewichtung der Gehölze bisweilen als Roso-Juniperetum gefasst (s. SSYMANK et al. 1998)

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Gewöhnlicher Wacholder (Juniperus communis)
  • Weißdorn-Arten (Crataegus spp.)
  • Rosen-Arten (Rosa spp.)
  • Schlehe (Prunus spinosa)
  • Arten der Kalkmagerrasen, der Zwergstrauchheiden sowie der Borstgrasrasen

Wacholderheiden sind besonders charakteristische Lebensräume in einzelnen Naturräumen Baden-Württembergs. Sie sind besonders wichtig für den Arten- und Biotopschutz, denn sie dienen u.a. als Lebensraum für sehr viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Zusätzlich sind Wacholderheiden Ergebnis einer ehemals weitverbreiteten Weidewirtschaft und damit von hoher kulturhistorischer Bedeutung. Sie sind inzwischen stark gefährdet: seit der Jahrhundertwende sind z.B. im Regierungsbezirk Stuttgart die Wacholderheiden etwa um die Hälfte zurückgegangen. Wacholderheiden sind nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt.

Gesamtverbreitung

Wacholderheiden sind fast in der gesamten europäischen Union verbreitet. Sie fehlen großflächig in Portugal, Spanien, Rumänien und Finnland.

In Deutschland sind besonders charakteristische Ausprägungen der Wacholderheiden zum Beispiel in der Schwäbischen und Fränkischen Alb zu finden.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Wacholderheiden kommen hauptsächlich in der Schwäbischen Alb vor, sind aber auch in den Muschelkalk- und Keupergebieten sowie in Teilen des Schwarzwaldes zu finden.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 3.002,1 ha
  • der überwiegende Teil der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten


Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Das Verbreitungsgebiet und die Fläche des Lebensraumtyp 5130 haben sich seit 1994 nicht verändert. Ein Großteil der Wacholderheiden liegt in Naturschutzgebieten und über 80% in FFH-Gebieten. Trotz dieses hohen Schutzgebietsanteils und zahlreicher Fördermaßnahmen sind die Zukunftsaussichten für den LRT ungünstig. Viele mittlere und größere Schäfereien gehen verloren, die zum langfristigen Erhalt der Bestände erforderlich sind. Gründe dafür sind enorme Heupreissteigerungen, erhöhte Pachtpreise und der altersbedingte Rückgang der Schäfer bzw. die geringe Rentabilität der Schafbeweidung

Gefährdung und Schutz

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 36.30: gefährdet
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Nutzungsänderungen (z.B. Umbruch, Aufforstung)
  • Ablagerungen (z.B. Schlagabraum, Rindenabfälle, Schnittgut, Gartenabfälle, landwirtschaftliche Abfälle etc.)
  • Intensive Freizeitaktivitäten (z.B. Motocross sowie Mountainbiking oder Reitsport außerhalb markierter Wege)
  • Nutzungsintensivierung (z.B. Melioration, Düngung insbesondere mit Stickstoff, Ausbringen von Gülle)
  • Nährstoff-, Pflanzenschutzmittel-, Schadstoffeintrag 
Schutzmaßnahmen
  • Förderung von Hutweiden gegenüber Stand- oder Koppelweiden
  • Reduktion und Lenkung der Freizeitaktivitäten durch entsprechende Konzepte
  • Bei großflächigen Vorkommen: pferchen der Weidetiere möglichst außerhalb des Lebensraumtyp; bei kleinflächigen Beständen: Pferch nur außerhalb des Lebensraumtyps
  • Bei schlecht beweidbaren Beständen aufgrund höherer Gehölzanteile (auch Wacholder): ggf. Reduktion des Wacholders und der anderen Gehölze
  • Erstellung eines Biotophilfskonzept in Nordost-Baden-Württemberg und im Schwarzwald
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Biosphärengebiet Schwäbische Alb

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

 

Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig ungünstig-unzureichend günstig ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 5130 als PDF: PDF