FFH-Lebensraumtyp 9180* - Schlucht- und Hangmischwälder*

In diesem FFH-Lebensraumtyp sind Schlucht- und Hangmischwälder kühl-feuchter Standorte und trocken-warmer Standorte auf Hangschutt zusammengefasst. Bei den Waldtypen der kühl-feuchten Standorte handelt es sich meistens um Mischwälder in Schluchten, Klingen, Tobeln, an frischen bis feuchten Hangfüßen oder steilen, felsigen Schatthängen auf sickerfrischen, nährstoffreichen Standorten. Die Waldtypen der trockenwarmen Standorte findet man an südlich ausgerichteten Fels- und Schutthängen mit lockerem, nachrutschendem Bodenmaterial. Die Wälder sichern dort den Boden vor Rutschungen und übernehmen damit die Funktion als Bodenschutzwald. Da sie oft einen lichten Kronenschluss aufweisen, ist die Bodenvegetation üppig und reich an Frühjahrsblühern. 

Biotoptypen Baden-Württembergs

Folgende Biotoptypen für die freie Landschaft, den besiedelten Bereich oder die Wälder, mit ihren Schlüsselnummern sind dem FFH-Lebensraumtyp 9180 zugeordnet:
  • Schlüsselzahl Waldbiotopkartierung (LUBW-Schlüssel)
  • 51 (54.11) - Ahorn-Eschen-Schlucht-Wald
  • 53 (54.14) - Drahtschmielen-Bergahorn-Blockwald
  • 54 (54.13) - Ahorn-Eschen-Blockwald
  • 57 (54.22) - Traubeneichen-Linden-Blockwald
  • 58 (54.21) - Ahorn-Linden-Blockwald

Eine ausführliche Beschreibung aller Biotoptypen ist enthalten im
Datenschlüssel Baden-Württemberg: "Arten, Biotope, Landschaft - Schlüssel zum Erfassen, Beschreiben, Bewerten".

 

Kennzeichnende Pflanzengesellschaften
  • Fraxino-Aceretum pseudoplatani; Ulmo glabrae-Aceretum pseudoplatani; Adoxo moschatellinae-Aceretum; Querco petraea-Tilietum platyphylii; Deschampsia flexuosa-Acer pseudoplatanus-Gesellschaft; Aceri platanoidis-Tilietum platyphylii; Sorbo ariae-Aceretum pseudoplatani

Kennzeichnende Pflanzenarten

  • Eschen-Ahorn-Wälder kühl-feuchter Standorte: Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Esche (Fraxinus excelsior), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Silberblatt (Lunaria rediviva), Christophskraut (Actaea spicata), Hirschzunge (Asplenium scolopendrium), Haselwurz (Asarum europaeum), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Finger-Zahnwurz (Cardamine pentaphyllos), Hasenlattich (Prenanthes purpurea), Dorniger Schildfarn (Polystichum aculeatum), Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum)
  • Ahorn-Lindenwälder warmer Standorte (trocken bis frisch): Winter-Linde (Tilia cordata), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Hainbuche (Carpinus betulus), Trauben-Eiche (Quercus petraea), Hasel (Corylus avellana), Gelbes Buschwindröschen (Anemone ranunculoides), Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus), Märzenbecher (Leucojum vernum), Türkenbund (Lilium martagon), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria)

Schlucht- und Hangmischwälder sind seltene Waldtypen, die oft nur kleinflächig an Sonderstandorten vorkommen. Sie sind besonders arten- und strukturreich und weisen für Wälder sehr viele seltene und auffällige Pflanzen- und Tierarten auf. Schlucht- und Hangmischwälder sind teilweise nach Landesnaturschutzgesetz (NatSchG) bzw. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) oder § 30a Landeswaldgesetz geschützt.

Gesamtverbreitung

Schlucht- und Hangmischwälder kommen fast in der gesamten EU vor. Sie sind von der borealen Region Finnlands im Nordosten bis in die mediterrane Region Griechenlands im Süden verbreitet. Das westlichste Vorkommen liegt in Spanien.

In Deutschland kommen Hang- und Schluchtwälder nur an bestimmten, kleinflächigen Standorten wie Steilhängen oder Felsschluchten vor. Die Hauptverbreitungsgebiete liegen in den Mittelgebirgen und Alpenausläufern.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Schlucht- und Hangmischwälder sind in Baden-Württemberg mit Ausnahme der Rheinschiene in nahezu allen Naturräumen verbreitet. Das Hauptvorkommen liegt auf der Schwäbischen Alb.
  • 2012 gemeldete LRT-Gesamtfläche: 4.484,8 ha
  • der überwiegende Teil der Bestände des LRT liegt in FFH-Gebieten

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg

Zwischen 1994 und 2012 haben sich die Fläche und das Verbreitungsgebiet der Schlucht- und Hangmischwälder nicht verändert. Die Zukunftsaussichten des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg sind als gut einzustufen.

Rote Liste Biotoptypen Schutzstatus FFH-Richtlinie
Baden-Württemberg Baden-Württemberg Anhang
  • Biotoptyp 51 (54.11): nicht gefährdet
  • Biotoptyp 53 (54.14): extrem selten
  • Biotoptyp 54 (54.13): nicht gefährdet
  • Biotoptyp 57 (54.22): gefährdet
  • Biotoptyp 58 (54.21): Vorwarnliste
  • § 30a Landeswaldgesetz 
  • gesetzlich geschützte Biotope nach NatSchG bzw. BNatSchG
I

Stand 2013

Gefährdungsursachen

  • Nutzungen in Schluchtwäldern, die über eine Einzelstamm- bis gruppenweise Nutzung hinausgehen
  • Trittschäden (bei Wäldern im Umfeld von Kletterfelsbereichen oder Höhlen) 
Schutzmaßnahmen
  • Reduktion des Anteils an lebensraumtypfremden Gehölzen
  • Förderung lebensraumtypischer Gehölze
  • Entwicklung zum Dauerwald
  • Förderung von liegendem und stehendem Totholz
  • Naturnahe Gestaltung bestehender Waldaußen- und Waldinnenränder
Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Biosphärengebiet Schwäbische Alb
  • Umsetzung des Alt- und Totholz-Konzepts

FFH-Erhaltungszustand

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Name sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems für die Lebensraumtypen des Anhangs I und Arten des Anhangs II der Richtlinie. Außerdem werden die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen und Arten (Anhang II, IV, V) überwacht.

FFH-Gebiete

Karten und Steckbriefe (mit Angabe der Flächengröße, den vorkommenden LRT und Arten etc.) zu den FFH-Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.


Erhaltungszustand des Lebensraumtyps in Baden-Württemberg

  Verbreitungs­gebiet Fläche Strukturen und Funktionen Zukunfts­aussichten
Einzelbewertung günstig günstig günstig günstig
Gesamtbewertung günstig

Stand 2013

Weitere Informationen zu den Erhaltungszuständen der FFH-Lebensraumtypen erhalten Sie auf den Natura 2000-Internetseiten der LUBW.

Erhaltungszustand aller FFH-Lebensraumtypen in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB)

Beeinträchtigung von FFH-Gebieten Naturschutz-Praxis, Natura 2000: Beeinträchtigungen, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Lebensraumtypen und Lebensstätten von Arten zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Baden-Württemberg - 1. Auflage 2002)

Steckbrief des Lebensraumtyps 9180 als PDF: PDF