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Brutvögel in Baden-Württemberg: Über die Hälfte ist gefährdet

Positivbeispiele zeigen, eine Trendumkehr ist möglich

Das vom Aussterben bedrohte Braunkehlchen. Quelle: Jörg Rathgeber.
Das vom Aussterben bedrohte Braunkehlchen. Quelle: Jörg Rathgeber.
Löwe 06.10.2022

Baden-Württemberg/Karlsruhe. Von 200 in Baden-Württemberg vorkommenden Brutvogelarten sind 118 in ihrem Bestand gefährdet, das sind 59 Prozent. In jüngster Zeit sind Flussuferläufer, Haselhuhn und Raubwürger aus unserer Landschaft komplett verschwunden. Insgesamt sind damit 27 Brutvogelarten in Baden-Württemberg ausgestorben. Dies ist bisher die höchste Zahl an ausgestorbenen Vogelarten der Roten Liste des Landes. „Diese Bilanz ist trotz einiger ermutigender Erfolge insgesamt ernüchternd“, so Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, anlässlich der heutigen Veröffentlichung der 7. Fassung der Roten Liste der Brutvogelarten des Landes.

Arten des Offenlandes nehmen besonders stark ab

Insbesondere bei den Arten des Offenlandes hält der starke Abwärtstrend an. Ehemals weitverbreitete und häufige Arten wie das Rebhuhn oder das Braunkehlchen werden auch in der aktuellen Roten Liste in der höchsten Gefährdungskategorie geführt. „Wir dürfen uns an den kontinuierlichen Rückgang heimischer Arten in den letzten Jahrzehnten nicht gewöhnen“, mahnt Maurer.

Sechs Arten zeigen positive Entwicklung auf

Für sechs Arten wurde in Baden-Württemberg eine Verbesserung der Gefährdungskategorie festgestellt. So hat sich die Population des Weißstorches in den vergangenen Jahren derart gut erholt, dass er nun aus der Roten Liste entlassen werden konnte. „Diese Entwicklung haben wir auch dem langjährigen Engagement vieler ehrenamtlich Tätigen zu verdanken“, lobt Maurer und dankt allen Engagierten. Weitere Faktoren waren amtliche Schutzgebietsausweisungen und Schutzmaßnahmen, Veränderungen im Zug- und Überwinterungsgebiet der bei uns brütenden Weißstörche sowie klimatische und populationsbiologische Faktoren. „Diese Erfahrung zeigt, eine Trendumkehr ist durch das gemeinsame Engagement aller Beteiligten möglich“, so Maurer. 

Auch die wärmeliebende Zaunammer gehört nunmehr zu den ungefährdeten Arten. Die Fachleute vermuten als Ursache für die positive Entwicklung Witterungseinflüssen und natürliche Schwankungen in der Bestandentwicklung dieser Art. Die Bestände von Triel, Heidelerche, Halsbandschnäpper und Bluthänfling haben sich verbessert und wurden entsprechend in der Roten Liste besser eingestuft. Die Zunahmen sind jedoch noch nicht so ausgeprägt, dass diese Arten aus der Roten Liste entlassen werden konnten.

Willkommen: Triel und Felsenschwalbe

Der im 19. Jahrhundert in Baden-Württemberg und Deutschland ausgestorbene Triel siedelte sich am Oberrhein mit wenigen Brutpaaren wieder an. Die Felsenschwalbe konnte sich als Neuansiedlerin etablieren. Sie ist in Südeuropa verbreitet und siedelt sich aufgrund der Klimaverschiebung nun auch in Baden-Württemberg an.

Baden-Württemberg trägt für vier Arten bundesweit Verantwortung

Vier Arten haben deutschlandweit betrachtet ihre Hauptbrutgebiete in Baden-Württemberg: der nun wieder in Baden-Württemberg lebende Triel (100 %), der Alpensegler (95,4 %), der Halsbandschnäpper (65,2 %) und der Purpurreiher (58,3 %). Beim Auerhuhn hingegen setzt sich der landesweite Bestandsrückgang ungebremst fort, sodass der Anteil Baden-Württembergs am bundesweiten Bestand mit 25,7 Prozent weiter zurückgegangen ist. Im Jahr 2008 lag dieser noch bei 40 Prozent.

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Hintergrundinformation

7. Fassung der Roten Liste der Brutvogelarten

In der 92-seitigen Publikation werden alle Brutvogelarten des Landes hinsichtlich ihrer Gefährdung eingestuft. Die erste Version erschien bereits vor fast 50 Jahren. Die nun veröffentlichte 7. Berichtsperiode umfasst die Jahre 2012 bis 2016 analog zum Nationalem Vogelschutzbericht. 

Die Rote Liste eine wichtige Arbeitsgrundlage für die amtlichen und ehrenamtlichen Naturschützerinnen und Naturschützer sowie Fachplanungsbüros im Land. Sie steht im Publikationsdienst der LUBW unter der Webadresse https://pd.lubw.de/10371 kostenlos als PDF-Datei zum Herunterladen bereit. Im Laufe des vierten Quartals 2022 wird an dieser Stelle auch eine kostenpflichtige gedruckte Fassung angeboten.

Die wichtigsten Zahlen in Kürze

In der 7. Fassung gibt es gegenüber der vorherigen Roten Liste insgesamt 17 Veränderungen. Neben den erloschenen 27 Arten sind 28 Arten (14,0 %) vom Aussterben bedroht und stehen damit in der Kategorie 1 der Roten Liste. 15 Arten (7,5 %) sind stark gefährdet (Kategorie 2). 14 Arten (7,0 %) sind gefährdet und in Kategorie 3 gelistet. Weitere 9 Arten (4,5 %) fallen in die Gefährdungskategorie R „Arten mit geografischer Restriktion“ mit lokalem Vorkommen oder genereller Seltenheit. Schließlich mussten 25 Brutvogelarten (12,5 %) in die Vorwarnliste aufgenommen werden.

Vollständige Titelangabe

Kramer, M., H.-G. Bauer, F. Bindrich, J. Einstein & U. Mahler (2022): Rote Liste der Brutvögel Baden-Württembergs. 7. Fassung, Stand 31.12.2019. – Naturschutz-Praxis Artenschutz 11.

Weiterführende Information:

LUBW-Blog: LUBW Monatsthema: Rote Listen

LUBW-Blog: Grafik des Monats: Rote Liste der Brutvögel Baden-Württembergs

Hinweis zur Verwendung des Fotos "Braunkehlchen"

Das auf der Webseite hinterlegte Foto kann im Zusammenhang mit der Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung unter Nennung der Quelle: "Jörg Rathgeber" von den Medien genutzt werden. Die Rechte verbleiben beim Fotografen. 

Rückfragen

Bei Rückfragen und Anfragen zu dem Foto in einer höhren Auflösung wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de