Pressemitteilungen

Zurück

Ein neu entdeckter Baden-Württemberger: der Brunnenkrebs Parabathynella badenwuerttembergensis - 10 Jahre angewandte Grundwasserökologie in Baden-Württemberg

Gemeinsame Pressemitteilung der LUBW, Universität Koblenz-Landau und IGÖ GmbH

Löwe 21.02.2013
„Ich begrüße den neu entdeckten Mitbewohner im Land, den Brunnenkrebs Parabathynella badenwuerttembergensis“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller anlässlich des heute (22. Februar) im Naturkundemuseum Karlsruhe stattfindenden Symposiums zur Grundwasserökologie. Es sei das erste Tier überhaupt, das nach Baden-Württemberg benannt sei. „Die gute Qualität des Grundwassers hat für mich eine sehr große Bedeutung, denn in Baden-Württemberg werden rund 72 % des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen“, betonte Minister Untersteller. 

Wie die Präsidentin der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Margareta Barth, erläuterte, fehle es noch an Grundlagenwissen für eine biologische Qualitätsbeurteilung. „Der erste Schritt hierzu ist in Baden-Württemberg jetzt getan“, erklärte Barth. 

Die LUBW hat in den letzten zehn Jahren zusammen mit der Universität Koblenz-Landau und dem Institut für Grundwasserökologie IGÖ GmbH umfangreiche Untersuchungen der Lebewesen im Grundwasser durchgeführt. 

Im Jahr 2002 hat die LUBW ein Messnetz aus über 300 Messstellen eingerichtet, um einen Gesamtüberblick über die Grundwasserfauna im Land zu erhalten. Daraus wurden gezielt 43 Messstellen ausgewählt, die für eine langjährige Beprobung geeignet sind. Diese wurden ab 2006 jährlich untersucht, um Entwicklungen und Veränderungen erkennen zu können. „Heute ist Baden-Württemberg das weltweit wohl am besten grundwasserfaunistisch untersuchte Land und beherbergt die artenreichste und älteste Grundwasser-Fauna Deutschlands“, erklärte der Präsident der Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Roman Heiligenthal. 

Bei Untersuchungen entdeckten die Forscher der Universität Koblenz-Landau unter den über 100 Tierarten überraschenderweise eine neue Tierart im Untergrund: einen Brunnenkrebs, der nun den Namen „Parabathynella badenwuerttembergensis“ trägt. Dieser Brunnenkrebs ist ein sehr altes, urtümlich und skurril anmutendes Tier aus einer Zeit, die über 200 Millionen Jahre zurückliegt. 

Das Grundwasser ist ein lebendes, erdgeschichtliches Museum. Es ist bevölkert von zahlreichen Lebensformen, deren Vorfahren in früheren Epochen von der Erdoberfläche ins Grundwasser einwandern mussten, weil das Klima sich änderte. Ihr Körperbau hat sich über Millionen von Jahren kaum gewandelt. Die Tiere sind lebende Fossilien. 

Die Grundwassertiere bilden gemeinsam mit Bakterien und Einzellern im Grundwasser ein Ökosystem, das sehr wichtige Aufgaben im Untergrund wahrnimmt. Sie zersetzen zum Beispiel organisches Material, aber auch Schadstoffe und tragen somit zur Reinhaltung und guten Qualität des Grundwassers bei. Nicht nur aufgrund dieser Eigenschaften, sondern auch wegen seiner großen Artenvielfalt ist dieser Lebensraum schützenswert. 

Bei zukünftigen Umweltbewertungen können Untersuchungen der Grundwasserfauna eine ökologisch-biologische Bewertung des Grundwasserzustandes ermöglichen. Dadurch könnte die bisher rein chemisch-physikalisch orientierte Grundwasserüberwachung ergänzt und das Bild des Grundwasserzustandes vervollständigt werden.
Rückfragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de