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Nationalpark Nordschwarzwald - ein Gewinn für Mensch und Natur?

Fachtagung in Karlsruhe erörtert Bedeutung von Nationalparks für den Schutz der Biodiversität und ihre Rolle für das Naturerlebnis

Löwe 23.10.2012
Am Mittwoch, 24. Oktober 2012, veranstaltet die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg eine Fachtagung im Kongresszentrum in Karlsruhe, die sich mit den naturschutzfachlichen Aspekten des geplanten Nationalparks auseinandersetzt. 

„Wir konnten renommierte Experten aus Deutschland und der Schweiz gewinnen, die uns mit ihren Erfahrungen wertvolle Impulse für einen fachlichen Austausch über die Bedeutung eines Nationalparks im Nordschwarzwald geben werden“, ist LUBW-Präsidentin Margareta Barth überzeugt. „Die Diskussionen in den vergangenen Monaten zeigen, dass ein großer Bedarf an Sachargumenten besteht. Dem möchten wir mit dieser Fachtagung nachkommen“, so die Präsidentin weiter. 

Für Ministerialdirektor Wolfgang Reimer vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg ist die Veranstaltung ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Wege einer transparenten Entscheidungsfindung zum geplanten Nationalpark. „Neben der breit angelegten Bürgerbeteiligung brauchen wir eine solide wissenschaftliche Untermauerung der verschiedenen Aspekte des Themas Nationalpark“, betont Reimer. 

Die Referenten der Fachtagung spannen dabei den Bogen vom Thema spezieller Artenschutz über die Bedeutung von Nationalparks für die Forschung bis hin zum Naturerlebnis des Menschen. 

Dr. Claus Bässler von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald sieht den Beitrag von großen Schutzgebieten in erster Linie in der Zunahme der Habitatvielfalt. „Damit verbunden ist auch eine Zunahme an Artenvielfalt. Zu beobachten ist, dass ehemals seltene Arten wieder häufiger vorkommen. Ungenutzte große Waldgebiete sind zudem ein wichtiger Lernort, um Prozesse verstehen zu lernen, wie sie nur in ungestörter Natur ablaufen können“ unterstreicht Bässler. 

Die Zusammenhänge zwischen Management, Nutzungsaufgabe und Artenvielfalt untersucht Dr. Markus Bernhardt-Römermann von der Universität Regensburg. Er empfiehlt ein Nebeneinander von bewirtschafteten Offenlandflächen, naturnah bewirtschafteten Wäldern sowie großflächigen Totalreservaten. „Viele Organismengruppen, z. B. holzbesiedelnde Käfer oder Pilze, hängen von Strukturen ab, die nur schwer durch Bewirtschaftung geschaffen werden können. Flächen ohne Nutzung sind deshalb für die Erhaltung dieser Arten besonders wertvoll“, erläutert Bernhardt-Römermann. 

Prof. Dr. Gerhard Trommer, der bis 2005 an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt lehrte, greift einen weiteren Aspekt des Themas Wildnis auf. Er betrachtet das Naturerlebnis durch den Menschen. „Im Prozess Wildnis generieren sich großräumig Natur und Landschaft aus sich selbst heraus immer wieder neu. Das ist ein spannender Prozess, der ohne uns abläuft und vielfältige Leistungen für uns und die Biosphäre der Erde erbringt. Vor dem Hintergrund von Konsumverwöhnung und Reizüberflutung, der Gewöhnung sowohl an verkehrssichere klimatisierte Kunstwelten als auch an dramatisch gestiegene virtuelle Welten auf Bildschirmen im Lebensalltag junger Menschen kommt der Naturbildung im Nationalpark draußen in situ besondere Bedeutung zu“, fasst er seine Erfahrungen zusammen.
Rückfragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de