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Zu hohe Stickstoffoxid-Emissionen von Euro-6-Diesel-Pkw im Realbetrieb

Zu hohe Stickstoffoxid-Emissionen von Euro-6-Diesel-Pkw im Realbetrieb

Löwe 13.04.2015
Im Auftrag der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg und des Bayerischen Landesamts für Umwelt untersuchten der TÜV Nord und der ADAC die Abgasemissionen von Euro-6-Diesel-Pkw mit mobiler Messtechnik in Stuttgart und München. Vor allem der Ausstoß von Stickstoffoxiden interessierte die beiden Landeseinrichtungen. Alle drei getesteten Mittelklasse-Fahrzeuge überschritten im Realbetrieb die Grenzwerte der Euro-6-Norm um ein Vielfaches. 

„In vielen Städten ist die Luft mit Stickstoffdioxid belastet“, erläutert Margareta Barth, Präsidentin der LUBW, den Hintergrund für die Untersuchung. „In Baden-Württemberg wurde im vergangenen Jahr an fast allen verkehrsnahen Messstationen der Immissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid überschritten. Stickstoffdioxid (NO2) ist hauptsächlich auf die Emissionen von Stickstoffoxiden (NOx) durch Dieselfahrzeuge zurückzuführen.“
 
Eine Absenkung der Fahrzeugemissionen ist entsprechend dringend geboten. Der Grenzwert für die Stickstoffoxid-Emissionen von Diesel-Pkw wurde mit der Euro-6-Norm von 180 auf 80 mg pro Kilometer abgesenkt. Überprüft wird das Emissionsverhalten eines Fahrzeuges zurzeit auf dem Rollenprüfstand. Dieses Verfahren ist in den letzten Jahren in die Kritik geraten. Hier setzt die nun veröffentlichte Untersuchung der LUBW und des bayerischen LfU an. Sie überprüft das Emissionsverhalten von drei Mittelklasse-Pkw im Realbetrieb, also im Straßenverkehr. Die getesteten Dieselfahrzeuge halten auf dem Rollenprüfstand die erforderlichen Werte der Euro-6-Norm ein. In den drei vom ADAC zur Verfügung gestellten Fahrzeugen sind unterschiedliche Techniken zur Minderung der Stickstoffoxide eingesetzt: selektive katalytische Reduktion (SCR) mit AdBlue-Eindüsung, NOx-Speicherkatalysator bzw. innermotorische Maßnahmen. 

„Die gemessenen NOx-Emissionen der untersuchten Euro-6-Diesel-Pkw sind im Realbetrieb überwiegend niedriger als die von vergleichbaren Euro-4- und Euro-5-Fahrzeugen. Insgesamt sind aber die Emissionen bei allen drei untersuchten Fahrzeugen im Realbetrieb noch deutlich zu hoch, um die Luftqualität im erforderlichen Umfang zu verbessern“, fasst Barth die Ergebnisse der Testreihe zusammen.
 
Teststrecken

Getestet wurden die drei Dieselfahrzeuge auf Hauptverkehrsstraßen in Stuttgart und München sowie auf Außerortstrecken, die Landstraßen, Autobahn und auch kurvenreiche Steigungsstrecken beinhalteten. In Stuttgart fuhren die Tester auf der festgelegten Streckenführung sowohl mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h als auch mit fiktiven Tempolimits von 30 bzw. 40 km/h. In München folgten sie der vorgegebenen Strecke im fließenden Verkehr mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und mit einem fiktiven Tempolimit von 50 km/h. Gefahren wurde mit einem moderaten Fahrstil, extreme Beschleunigungen wurden vermieden. 

Unterschiedliche Werte je nach Fahrverhalten

Es zeigte sich eine erhebliche Schwankungsbreite der gemessenen NOx-Emissionen in Abhängigkeit von Nachbehandlungstechnik und Fahrsituation. NOx-Emissionsspitzen treten vor allem beim Beschleunigen auf. Je höher die Fahrdynamik, desto höher fallen die Emissionen aus. Die höchsten Emissionen wurden daher im Stop-and-go-Verkehr gemessen.

Alle Fahrzeuge lagen auf den Hauptverkehrsstraßen in Stuttgart und München auch bei normalem Fahrbetrieb erheblich über dem Grenzwert von 80 mg/km. Gemessen wurden mittlere Werte zwischen 130 mg/km und 676 mg/km. Geschwindigkeitsreduzierungen auf Tempo 30 oder 40 führen bei den Euro-6-Pkw, wie auch bei Euro-4- und Euro-5-Dieselfahrzeugen, zu keiner Verminderung der NOx-Emissionen.

Die Ergebnisse des Abschlussberichtes bestätigen die Forderung der Europäischen Kommission nach der Einführung eines verschärften Zulassungsverfahrens, das die Abgaswerte der Motoren im Realbetrieb überprüft. Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission zum Thema „Real Driving Emissions“ (RDE, reale Fahremissionen) erarbeitet derzeit ein neues verschärftes Prüfverfahren für die Zulassung neuer Dieselfahrzeuge. 

Alle Ergebnisse der Untersuchungen sind im Abschlussbericht „PEMS-Messungen an drei Euro-6-Diesel-Pkw auf Streckenführungen in Stuttgart und München sowie auf Außerortsstrecken“ zusammengefasst. PEMS ist die Abkürzung für „Portable Emission Measurement System“. Der Bericht kann als PDF-Datei auf der LUBW-Website heruntergeladen werden.

Hintergrundinformation:

Abgasnorm: Der Weg zur Euro-6-Norm

Die Europäische Gemeinschaft erließ 1979 die ersten einheitlichen Abgasvorschriften, die auch Stickstoffoxide betrafen. Seitdem wurden die Richtlinien stufenweise verschärft, die letzte Stufe, die Euro-6-Norm, trat im September 2014 in Kraft. Der Grenzwert für die Stickstoffoxid-Emissionen von Diesel-Pkw wurde mit der Euro-6-Norm von 180 auf 80 mg pro Kilometer abgesenkt. Neue Pkw-Modelle müssen die Abgasnorm seit September 2014 erfüllen, ab September 2015 müssen alle Neuwagen die Euro-6-Norm einhalten. Mit welcher Technik die Abgasminderung erreicht wird, ist den Herstellern überlassen.

Messwerte für Stickstoffdioxid in Baden-Württemberg 2014

Die Stickstoffdioxidwerte der verkehrsnahen LUBW-Messstationen zur Überwachung der Luftqualität in Baden-Württemberg sind für das Jahr 2014 auf der folgenden Webseite der LUBW tabellarisch aufgelistet: mnz.lubw.baden-wuerttemberg.de/messwerte/aktuell/static_pages/spot/spot_result14.htm
Rückfragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de