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Artenvielfalt: Die Tier- und Pflanzenwelt des Sandrasens

Oben: Silbergras, Mitte: Dünen-Sandlaufkäfer, Unten: SilberscharteAuf den ersten Blick wirken Sandrasen sehr karg und unbelebt, doch sowohl über als auch unter der Sandschicht ist eine große Artenvielfalt zu finden. Die Lebensbedingungen auf der offenen, trockenen Sandfläche sind extrem, denn die Fläche kann sich bei Sonneneinstrahlung auf bis zu 70° C erhitzen und bei nachlassender Sonne auch wieder stark auskühlen. Außerdem speichert der sandige Untergrund kaum Wasser. Damit ist auch die Verfügbarkeit von Nährstoffen stark eingeschränkt.

Mit diesen Extrembedingungen kommen nur ausgewiesene Spezialisten zurecht. Deshalb findet sich auf den Sandrasen eine ganz eigene Pflanzen- und Tierwelt. In den lockeren Sandböden finden viele Wildbienen den geeigneten Bauplatz für ihre Niströhren. Einige Arten sind sogar eng an Sandrasen gebunden, da nur hier ihre Nahrungspflanzen vorkommen. Leichtfüßig huscht der Dünen-Sandlaufkäfer über den sandigen Untergrund – durch seine langen Beine hat er genügend Abstand von der heißen Bodenoberfläche und kann auch die heißesten Stunden des Tages zur Jagd nutzen. Typische Bewohner aus der Familie der Heuschrecken sind die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) und die Sandschrecke (Sphingonotus caerulans).

Auch einige Pflanzen haben unterschiedliche Anpassungen an diesen Lebensraum entwickelt: Arten wie das Sand-Vergissmeinnicht (Myosotis stricta) oder das Sand-Hornkraut (Cerastium semidecandrum) sind einjährig und blühen und fruchten im zeitigen Frühjahr – die Mutterpflanzen verwelken in der Sommertrockenheit, während die Samen überdauern können. Andere Arten speichern Wasser in ihren fleischigen Blättern - ein typisches Beispiel ist hier der scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre). Die silbrige Behaarung der Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium) oder der sehr seltenen Silberscharte (Jurinea cyanoides) reflektiert das Sonnenlicht und verhindert, dass die Blätter zu viel Wasser verlieren. Mit ausgedehnten Wurzelwerken versuchen viele sandbewohnende Pflanzenarten möglichst viel des kostbaren Nass zu ergattern. Die Wurzeln reichen sehr weit in die Tiefe und werden teilweise von sehr dichtem oberflächennahem Wurzelgeflecht ergänzt. Auch wenn die Flächen oberirdisch nur lückig bewachsen erscheinen –unterirdisch ist die Konkurrenz groß.

Welche Pflanzenarten vorkommen, wird auch durch den Kalkgehalt des Bodens beeinflusst. Die seltenste Sandrasenvegetation in Baden-Württemberg sind Blauschillergrasrasen auf kalkhaltigen Flugsanden. Sie kommen im Bereich zwischen Mannheim und Sandhausen vor. Hier wachsen neben dem namensgebenden Blaugrauen Schillergras (Koeleria glauca) unter anderem auch Silberscharte und Dünen-Steinkraut (Alyssum montanum subsp. gmelinii).

Oberflächlich entkalkte Sandböden sind weiter verbreitet. Hier findet man beispielsweise Silbergras-Fluren mit Silbergras (Corynephorus canescens) und der blau blühenden Berg-Sandrapunzel (Jasione montana).

Bilder zeigen: Oben: Silbergras, Mitte: Dünen-Sandlaufkäfer, Unten: Silberscharte, Bildnachweise: Oben: D. Raddatz, Mitte: smerlot/stock.adobe.com, Unten: D. Raddatz

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Bildnachweis: TypoArt BS/shutterstock.com