Nachhaltig handeln in Baden-Württemberg heißt
… die Lebensgrundlagen und die vielfältige Natur sowie die einzigartigen Kulturlandschaften des Landes zu schützen und zu erhalten sowie Belastungen für Mensch, Natur und Umwelt auch über das Land hinaus möglichst gering zu halten.
Artenvielfalt und Landschaftsqualität
Durchgängigkeit der Fließgewässer für Lachse
Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert
Waldzustand | ![]() |
Rund 38 Prozent der Landesfläche Baden-Württembergs sind von Wald bedeckt. Wälder sind ein wichtiger Rohstofflieferant, sie haben eine große Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz und sind ein Ort der Erholung und Freizeitgestaltung. Darüber hinaus sind Wälder unverzichtbar für den Boden-, Wasser- und Klimaschutz. Zunächst durch Luftschadstoffe, wird der Wald seit Anfang der 2000er Jahre immer mehr durch die Auswirkungen des Klimawandels belastet. Steigende Temperaturen und häufiger auftretende Dürreperioden belasten die Wälder und machen sie anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall, wobei der langfristige Trend der Klimaerwärmung die Etablierung und massenhafte Vermehrung von Schadstofforganismen, die bislang nur eine geringe Bedeutung in unseren Wäldern gespielt haben, begünstigt [1].
Die Erfassung der Waldschäden basiert auf einer Beurteilung der Baumkronen. Aus der Kombination von Nadel-/Blattverlust und Vergilbung lassen sich sogenannte Schadstufen bestimmen, die einen schnellen und zusammenfassenden Überblick über die Entwicklung des Waldzustands ermöglichen [Waldzustandsbericht 2025]. Die Bewertung des Waldzustandes erfolgt dann in fünf Kombinationsschadstufen (0 = ungeschädigt bis 4 = abgestorben). Dargestellt wird der Anteil deutlich geschädigter Bäume der Stufen 2 bis 4 (mittelstark geschädigt bis abgestorben) in Prozent. Als deutlich geschädigt gelten Bäume, die einen Nadel- beziehungsweise Blattverlust oder einen Anteil der Vergilbung von mehr 25 Prozent aufweisen.
Die Waldwirtschaft verfolgt das Ziel, naturnahe, möglichst stabile, arten- und strukturreiche Mischwälder zu fördern. Derartige Wälder lassen ein hohes Maß an Widerstandskraft, Regenerationsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit gegenüber Umweltveränderungen erwarten.
Im Jahr 2025 ist ein weiterer Anstieg des Anteils ungeschädigter Bäume (Schadstufe 0) zu verzeichnen. Nach dem bisherigen Tiefststand im Jahr 2022 konnte der Anteil seither jährlich leicht zunehmen. Umgekehrt verringert sich der Anteil der deutlich geschädigten Bäume (Schadstufe 2 bis 4) seit 2022 kontinuierlich und liegt aktuell mit 42 Prozent sogar unter dem Niveau des Trockenjahres 2018.
Insgesamt hat sich der Waldzustand in Baden-Württemberg in den letzten 25 Jahren aber erheblich verschlechtert. Ab dem Jahr 2003 ist ein sprunghafter Anstieg an deutlich geschädigten Bäume zu beobachten. Besonders der Anteil an stark geschädigten Bäumen (Schadstufe 3) hat sich seitdem auf einem hohen Niveau stabilisiert. Die Trockenjahre ab 2018 führten zu einer Verschärfung der Waldschäden, die in dieser Zeit Höchstwerte erreichten. Seit etwa zwei Jahren ist eine leichte Verbesserung der Situation zu verzeichnen, die sich in diesem Jahr fortsetzt [1].
Artenvielfalt und Landschaftsqualität | Bewertung für Teilindikator Feldvogelarten |
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Vögel eignen sich als Zeiger für den Zustand unserer Natur und Landschaft. Der Rückgang von Goldammer, Feldlerche und Feldsperling zeigt, dass die Lebensbedingungen für Feldvogelarten weiterhin große Defizite aufzeigen.
Der Indikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität bezieht sich auf den Zustand der Normallandschaft. Diese ist die genutzte und nicht besonders geschützte Landschaft, die über 90 Prozent der Fläche Deutschlands ausmacht. Dargestellt wird die quantitative Bestandsentwicklung repräsentativer Vogelarten. Die Daten werden aus dem seit 1992 laufenden „Monitoring häufiger Brutvögel“ (MhB) ermittelt.
Ausgewählte Brutvögel stehen stellvertretend für den Zustand der Artenvielfalt in unterschiedlichen Landschaftstypen und spiegeln mittelbar die Nachhaltigkeit der Landnutzung wider. Der Landesindikator Baden-Württemberg besteht aus den vier Teilindikatoren Agrarland, Wälder, Siedlungen und Binnengewässer. Feldlerche, Feldsperling und Goldammer sind potenzielle Indikatorarten des Teilindikators Agrarland Baden-Württemberg. Der jeweilige Bestandsindex wird hier exemplarisch dargestellt.
Der Rückgang der Biodiversität in den Agrarökosystemen des Landes soll gestoppt und für die typischen Arten der Agrarlandschaft soll ein Aufwärtstrend erreicht werden. Ein konkretes Ziel ist für diesen Indikator nicht definiert.
Das Ziel in Baden-Württemberg ist die Erhaltung eines guten Zustands des Grundwassers gemäß Wasserrahmenrichtlinie bzw. der Grundwasserverordnung. Dazu darf die Nitratkonzentration 50 Milligramm pro Liter nicht überschreiten.
Um alle Laichhabitate und Jungfischlebensräume zu erschließen, ist die weitere Herstellung der aufwärtsgerichteten Durchgängigkeit bis zum Zielwert 100 Prozent erforderlich.
Im Jahr 2025 sind bereits 56 Prozent der insgesamt 247 für den Lachs relevanten Querbauwerke im Rheineinzugsgebiet Baden-Württembergs aufwärts durchgängig gestaltet.
Erste Erfolge bei der Wiederansiedlung des Lachses konnten bereits festgestellt werden. Die Durchgängigkeit im Wiederansiedlungsgebiet wird schrittweise verbessert, damit werden zunehmend ehemalige Lebensräume für den Lachs wieder erschlossen. Inzwischen kann in allen Programmgewässern eine natürliche Reproduktion des Lachses regelmäßig nachgewiesen werden.
Die vollständige Herstellung der aufwärts gerichteten Durchgängigkeit ist erforderlich, um alle Laichhabitate und Jungfischlebensräume für den Lachs zu erschließen. Außerdem muss die Durchgängigkeit für die Abwärtswanderung der Lachse auf ihrem Weg zum Meer ebenfalls dringend verbessert werden. Es besteht somit noch erheblicher Handlungsbedarf in Baden-Württemberg.
Naturschutzflächen | ![]() |
Der Anteil der Naturschutzflächen an der Landesfläche Baden-Württembergs liegt bei 2,8 Prozent. Den Erfolgen des Natur- und Artenschutzes durch die Ausweitung der Naturschutzflächen steht eine wachsende Gefährdung ehemals sehr häufiger Arten der Normallandschaften außerhalb geschützter Landschaftsbestandteile gegenüber.
Um die biologische Vielfalt nachhaltig zu sichern, sind ausreichend große Flächen erforderlich, auf denen sich die Natur ohne belastende Eingriffe des Menschen entfalten kann.
Dargestellt ist der Anteil der bundeseinheitlich nach Naturschutzrecht streng geschützten Gebiete (Naturschutzgebiete, Kern- und Pflegezonen der Nationalparke und des Biosphärenreservates) an der Landesfläche in Prozent.
Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert | ![]() |
Seit Mitte der 2010er Jahre zeigt sich ein steigender Trend, der sich vor allem auf eine Zunahme der Flächen mit sehr hohem und äußerst hohem Naturwert stützt. In den letzten fünf Jahren sind die Zuwächse an Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert nur noch gering.
In der Agrarlandlandschaft sind naturnahe Landschaftselemente sowie extensiv genutzte Flächen von großer Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt. Durch die systematische Erfassung von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (High Nature Value Farmland-Flächen, HNV Farmland-Flächen) können Auswirkungen unter anderem der Agrarpolitik in Hinblick auf die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft aufgezeigt werden.
Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert an der gesamten Landwirtschaftsfläche in Prozent. Es wird unterschieden zwischen Flächen mit äußerst hohem (Stufe I), sehr hohem (Stufe II) und mäßig hohem Naturwert (Stufe III).
Baden-Württemberg will die Landwirtschaft stärker im Sinne der Nachhaltigkeit sowie der Erhaltung der Biodiversität entwickeln. Ein Zielwert ist für Baden-Württemberg nicht definiert.
Im Jahr 2024 lag der Anteil von Landwirtschaftsflächen mit einem hohen Naturwert (High Nature Value Farmland-Flächen, HNV Farmland-Flächen) in Baden-Württemberg bei 19,4 Prozent der gesamten Agrarlandschaftsfläche. Nach der ersten Erhebung im Jahr 2009 war zunächst ein Rückgang der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert zu beobachten. Mitte der 2010er Jahre wurde diese Entwicklung gestoppt und seither zeigt sich ein insgesamt steigender Trend, der sich vor allem auf eine Zunahme der Flächen mit sehr hohem und äußerst hohem Naturwert stützt.
Dargestellt wird die über kommunale Kläranlagen in Gewässer eingeleitete Jahresfracht an Gesamtphosphor in Tonnen pro Jahr. Der Summenparameter Gesamtphosphor (Pges) umfasst im Abwasser alle organischen Phosphorverbindungen und die anorganischen Phosphorverbindungen ortho-Phosphat-Phosphor sowie Polyphosphate.
Im „Handlungskonzeptes Abwasser“ wird die weitergehende Phosphor-Elimination dort angestrebt, wo aufgrund der über Kläranlagen eingetragenen Phosphorverbindungen die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie verfehlt werden.
Seit 2010 konnten die Jahresfrachten an Gesamtphosphor mehr als halbiert werden. In den Jahren 2010 bis 2015 wurden zunächst im defizitären Neckargebiet Kläranlagenmaßnahmen zur Reduktion der Phosphatfrachten durchgeführt. In den folgenden Jahren wurden die Maßnahmen auf andere Gebiete im Land ausgeweitet. Ab 2029 sind grundsätzlich alle Betreiber von kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen unabhängig von der jeweiligen Ausbaugröße zu einer Phosphorrückgewinnung aus dem Klärschlamm verpflichtet [AbfKlärV]. Aktuell (2024) wird in 75 Prozent der Kläranlagen in Baden-Württemberg eine Phosphor-Elimination durchgeführt. Vor allem kleine Anlagen mit weniger als 5000 angeschlossenen Einwohnerinnen und Einwohnern verfügen zum Teil noch nicht über Anlagen zur Phosphor-Abscheidung [3].
[2] Pressemitteilung des Umweltministeriums zum 10. Phosphorkongress im November 2024. https://um.baden-wuerttemberg.de/de/presse-service/presse/pressemitteilung/pid/phosphor-ressourcen-vor-ort-nutzen-jetzt-handeln?highlight=phosphor
[3] 50. Leistungsnachweis der kommunalen Kläranlagen in Baden-Württemberg. https://www.dwa-bw.de/files/_media/content/PDFs/LV_Baden-Wuerttemberg/Homepage/BW-Dokumente/Homepage%202013/Nachbarschaften/LN%202024_Bericht_Teil%201%20und%202_2024_FINAL_4.pdf


