Mobilfunk

Handys sind für viele von uns unverzichtbar geworden. Die Zahlen sprechen für sich: mehr als 80 Millionen Mobilfunktelefone begleiten uns in Freizeit und Beruf. Menschen aus allen Altersgruppen schätzen inzwischen die Vorzüge drahtloser Kommunikation und haben sie zu einer Massenanwendung werden lassen.

Längst sind die technischen Möglichkeiten des Mobilfunks über das Telefonieren weit hinausgewachsen: UMTS hat sich etabliert und bietet Zugriff auf Datenbanken und Internet, WLAN und Bluetooth verknüpfen Handys und Computer in vielen Wohnungen und Arbeitsstätten. Zahlreiche neue Nutzungsmöglichkeiten zeichnen sich ab.

Zugleich gibt es Ängste, die stetig anwachsenden Mobilfunkdienste könnten zu Gesundheitsgefahren bei Menschen und Tieren führen. Zahlreiche Studien - auch mit Unterstützung des Umweltministeriums Baden-Württemberg - haben sich mit diesen Fragen befasst. Besonders mit dem im Juni 2008 abgeschlossenen Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) wurden umfangreiche Erkenntnisse zu den Auswirkungen des Mobilfunks gewonnen. Das Forschungsprogramm hat überzeugend bestätigt: durch die geltenden Vorschriften werden Sie vor Gefahren für die Gesundheit geschützt.

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Beim Einschalten löst das Handy eine Folge von Funksignalen aus und nimmt Kontakt mit der nächsten Mobilfunk-Basisstation des Netzbetreibers auf. Dort wird das Telefon identifiziert und seine Position während des gesamten Betriebs fortlaufend an alle Funkverbindungsstellen des Netzbetreibers übermittelt. Der Datenaustausch zwischen Handys und Sendemasten erfolgt über Mikrowellen – hochfrequente elektromagnetische Felder, die in kurzen Häppchen hin und her geschickt werden. Diese so genannten „gepulsten Funkwellen“ übertragen Sprache, SMS-Zeichen, beim mobilen Internet auch Musik, Bilder und Videos. Heute werden Mobilfunknetze drei verschiedener Generationen parallel betrieben: Die höchste Flächenabdeckung hat GSM (Global System for Communication). GSM ist ein Mobilfunkstandard der zweiten Generation. Eine schnellere Datenübertragung bietet UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) ein Mobilfunkstandard der dritten Generation. Wegen der hohen Nachfrage nach mobilem Internet werden momentan die Mobilfunknetze der 4. Generation (LTE) ausgebaut. Mit LTE können Daten im Vergleich zu UMTS noch einmal deutlich schneller übertragen werden.

Die Antennen der Basisstationen – in Städten häufig auf Dächern, auf dem Land oft aufeinzeln stehenden hohen Masten – dürfen nicht zu weit vom Handy entfernt sein, sonst leidet die Empfangsqualität. Je nach Landschaft und Bebauung deckt eine Basisstation einen Umkreis von einigen hundert Metern bis zu zehn Kilometern und mehr ab. Die Gebiete überlappen sich, damit auch bei einer Fahrt im Zug oder im Auto ein kontinuierlicher Empfang gewährleistet ist. Rund 74.000 solcher Funkzellen sind nötig, um für ganz Deutschland eine flächendeckende Mobilfunkversorgung zu erreichen.

Basisstation und Handy tauschen ihre Daten über elektromagnetische Wellen in festgelegten Frequenzbereichen zwischen 700 MHz und 2700 MHz aus. Die maximale Sendeleistung eines Handys beträgt bis zu 250 mW. Bei guter Funkverbindung drosseln Handys ihre Sendeleistung automatisch und die Stärke der Funkwellen sinkt – bis auf ein Millionstel des maximalen Wertes. Ein dichteres Netz von Basisstationen führt damit also zu geringeren Sendestärken der Mobiltelefone, weil die Handys auch mit geringerer Leistung überall gut empfangen werden.

Jedes Handy enthält eine Antenne, die sowohl sendet als auch empfängt. In modernen Telefonen ist sie so konstruiert, dass die Abstrahlung in Richtung des Kopfes möglichst gering ist und sich das Gewebe in Ohrnähe kaum erwärmt. Ein Maß für die Strahlung eines Handys ist der SAR-Wert (SAR = Spezifische Absorptionsrate) – die Leistung, die von einem Kilogramm Körpergewebe aufgenommen wird. Sie sollte möglichst gering sein. Viele Handys erfüllen die Anforderung des blauen Umweltengels: Das ist ein SAR-Wert von weniger als 0,6 Watt pro Kilogramm. Die SAR-Werte vieler Handys sind auf diesen Internetseiten des Bundesamtes für Strahlenschutz zu finden.

Auch die Sendeleistungen der Basisstationen unterscheiden sich: Sie betragen in der Summe über alle Kanäle bis zu mehreren hundert Watt Antenneneingangsleistung. Die Leistung pro Kanal ist bei GSM, UMTS und LTE-Netzen vergleichbar und in Teilen von der Netzauslastung abhängig. Mobilfunkbasisstationen sind eher kapazitäts- als reichweitenbegrenzt. In Städten liegen sie daher nur wenige hundert Meter auseinander, auf dem Land einige Kilometer. Bei reiner Sprachtelefonie sind größere Entfernungen bis zu mehreren Kilometern zur Basisstation möglich. Für schnelle und stabile Datenverbindungen sollte die Entfernung zur Basisstation besser nur einige hundert Meter betragen.

Die Leistung der Sendemasten liegt deutlich höher als die eines Handys. Allerdings nimmt die Energie der Funkwellen mit dem Abstand rasch ab. Ein zehn Meter entfernter Sendemast erzeugt daher geringere Felder als ein Handy direkt am Ohr. Unmittelbar unter dem Antennenmast befindet sich ein Sendeschatten mit sehr schwachen Feldern – etwa wie beim Licht einer Kerze. Durch Gebäude wird das Signal weiter geschwächt. Messungen zeigen, dass die Felder der Sendemasten an den meisten Orten, zu Hause oder bei der Arbeit, hundert- oder gar tausendmal schwächer sind als die Felder der Handys beim Telefonieren.

Für Anlagen mit einer Sendeleistung von 10 Watt oder mehr ist eine Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur zu beantragen. Darin werden Sicherheitsabstände nach der Verordnung über das Nachweisverfahren zur Begrenzung elektromagnetischer Felder (BEMFV) festgelegt. Die Sicherheitsabstände richten sich nach den Grenzwerten der Verordnung über elektromagnetische Felder (26. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz). Eine Baugenehmigung benötigen Mobilfunkantennen nur, wenn sie einschließlich Mast höher als 10 Meter sind oder die Versorgungseinheiten mehr als 10 Kubikmeter Rauminhalt umfassen. Liegt eine Standortbescheinigung vor und werden die Sicherheitsabstände eingehalten, ist eine gesundheitliche und immissionsschutzrechtliche Prüfung im Baugenehmigungsverfahren nicht mehr erforderlich.

Das Bauplanungsrecht ist zu beachten, wenn es sich um eine Anlage mit bodenrechtlicher (städtebaulicher) Relevanz handelt. Weil die Antennen meist klein sind, fehlt ihnen die städtebauliche Relevanz, sofern sie auf höher gelegenen Dächern angebracht sind oder ins Dach integriert werden. Andernfalls hängt die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit der Mobilfunkanlage von der Lage des Vorhabens ab. Hier greifen unterschiedliche Regelungen, je nachdem ob ein Bebauungsplan existiert, die Anlage im unbeplanten Innenbereich einer Gemeinde oder im Außenbereich errichtet wird.

 

Schnurlose Telefone, wie sie heute in fast jedem Haushalt zu finden sind, arbeiten nach dem DECT-Standard bei Frequenzen um 1900 Megahertz. Die Sendeleistung ist mit 0,25 Watt (Basisstation und Mobilteil) viel geringer als bei den Mobilfunknetzen und Handys. Den Hinweis von Kritikern, die volle Sendeleistung werde auch im Stand-by-Betrieb abgestrahlt, haben sich einige Hersteller zu Herzen genommen: Neue ECO-DECT-Modelle verfügen über intelligente Regelungen, die die Leistung je nach Betriebszustand minimieren.

Bei Handys lassen sich die in den Körper eindringenden Funkwellen mit einem kabelgebundenen Headset reduzieren. Drahtlose Headsets arbeiten mit Bluetooth und sind per Funk mit dem Handy verbunden - auch hier entsteht also Strahlung am Ohr. Allerdings ist diese weit geringer als beim Handy. Die Sendeleistung von Bluetooth-Geräten liegt unter 0,1 Watt. Sinnvoll ist eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung auch im Auto, die Strahlung ist ebenfalls gering. Allerdings wirkt das Fahrzeug wie ein Faradayscher Käfig, der die Funkverbindung zwischen Handy und den Basisstationen schwächt. Das Handy muss deshalb ständig mit maximaler Leistung senden. Hier empfiehlt sich der Einbau einer Außenantenne.

Immer mehr Menschen surfen an öffentlichen Plätzen oder zu Hause mit Laptop oder Smartphone über so genannte WLAN-Hotspots (Wireless Local Area Network) im Internet. WLAN funkt wie Bluetooth auf Frequenzen um 2400 Megahertz. Die Sendeleistung von WLAN ist mit 0,1 Watt geringer als beim Handy, zudem werden WLAN-Geräte in der Regel nicht direkt am Körper betrieben.

Funkwellen dringen in den Körper ein und erwärmen das Gewebe. So kann die Temperatur im Kopf bei Nutzung eines Handys im D-Netz um maximal 0,1 Grad Celsius steigen. Der Körper gleicht dies problemlos aus, die Gesundheit wird nicht beeinträchtigt.

Seit mehr als 30 Jahren wird untersucht, ob Funkwellen des Mobilfunks einen „Elektrosmog" verursachen, der für Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit, Schlaflosigkeit oder sogar Krebs verantwortlich sein könnte. Mehrere Hundert epidemiologische Studien mit Betroffenen sowie Tier- und Reagenzglasexperimente wurden weltweit durchgeführt. Einige dieser Studien genügen strengen wissenschaftlichen Kriterien nicht. Insgesamt kann die Forschung eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Mobilfunk nicht bestätigen.

Auch das jüngst abgeschlossene Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) hat keine Belege für die diskutierten Einflüsse der Mobilfunkwellen erbracht. Die zahlreichen Studien der Jahre 2002 bis 2008 fanden keine Auswirkungen auf den Schlaf, die Hirnleistung, die Blut-Hirn-Schranke, Immunparameter, die Fortpflanzung, die Entwicklung, die Verarbeitung von visuellen oder akustischen Reizen, die Entstehung von Krebserkrankungen, Tinnitus oder Kopfschmerzen. Es gibt auch keine Hinweise auf andere gesundheitsrelevante Veränderungen oder Langzeitwirkungen der Mobilfunkwellen.

Vereinzelte Berichte über Krebserkrankungen, insbesondere Hirntumore, in der Nähe von Basisstationen beruhen auf lokalen Zählungen und berücksichtigen nicht, dass Krebs generell mit örtlich verschiedener Häufigkeit auftritt. Die größte epidemiologische Studie zu Hirntumoren und Funkwellen ist die Interphone-Studie, an der zahlreiche Länder aus aller Welt teilnehmen. Aktuell verfügbare Ergebnisse liefern keinen Beleg für einen Zusammenhang von Mobilfunk und Hirntumoren. Trotz der rasanten Verbreitung des mobilen Telefonierens hat es keine Zunahme von Hirntumoren gegeben.
Manche Personen berichten, sie könnten „spüren“, ob Funkwellen angeschaltet oder abgeschaltet sind. Die oft genannten Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit können aber viele verschiedene Ursachen haben. Um einen Zusammenhang mit Funkwellen nachzuweisen, müssten alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden, was aber praktisch unmöglich ist. So beruhen Berichte über Schlafstörungen in der Umgebung von Sendemasten auf Umfragen, deren Ergebnisse durch Faktoren wie Angst, negative Einstellung oder Zufälligkeit der erhobenen Daten stark verfälscht werden können.

Wissenschaftlich fundierte Studien zur Elektrosensibilität sind so genannte Provokationsstudien im Schlaflabor, bei denen auch Personen, die sich selbst als sensibel einschätzen, Funkwellen ausgesetzt werden. In solchen Studien wissen weder die Untersuchungsleiter noch die Probanden, wann die Felder eingeschaltet sind. Unter diesen strengen wissenschaftlichen Kriterien wurde keinerlei Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Mobilfunkfeldern gefunden. Das im Juni 2008 abgeschlossene Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) hat dies bei umfangreichen Untersuchungen jetzt nochmals überzeugend bestätigt.

Implantate wie Herzschrittmacher oder neuronale Stimulatoren geben elektrische Impulse ab, wenn lebenswichtige Organe wie Herz oder Gehirn aus dem Takt geraten. Sie enthalten elektronische Schaltungen, die durch Funkwellen gestört werden könnten. Moderne Implantate sind störungsfest. Einige ältere Herzschrittmacher können jedoch beeinflusst werden, wenn das Handy dicht an das Implantat gehalten wird. Patienten, denen die Störempfindlichkeit ihres Herzschrittmachers nicht bekannt ist, sollten das eingeschaltete Handy nicht in der Hemd- oder Westentasche über dem Implantat tragen. Aufgrund ihrer geringen Sendeleistung geht von Geräten, die über Bluetooth, WLAN oder DECT funken, keinerlei Gefahr aus.

Die Forschung beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit den Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Organismus. Die Ergebnisse der weltweiten Studien werden von nationalen und internationalen Gremien bewertet, etwa von der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK) oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Mit der Verordnung über elektromagnetische Felder wurden auf der Basis dieser Erkenntnisse Grenzwerte zum Schutz vor Gesundheitsgefahren durch starke elektromagnetische Felder festgelegt.

Die Grenzwerte sind so ausgelegt, dass eine spezifische Absorptionsrate (SAR) von maximal 2 Watt pro Kilogramm Körpergewebe nicht überschritten wird. Dadurch wird die maximale Erwärmung des Gewebes auf ein zehntel Grad Celsius beschränkt. Die Felder der bestehenden Sendemasten sind in der Regel 100 bis 1.000 mal schwächer als nach den Grenzwerten erlaubt. Auch bei Handys wurde die Sendeleistung durch einen maximal zulässigen SAR-Wert begrenzt. Er darf 2 Watt pro Kilogramm nicht überschreiten. Handys mit einem SAR-Wert von weniger als 0,6 Watt pro Kilogramm gelten als besonders strahlungsarm.
 

Das im Juni 2008 abgeschlossene umfangreiche Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm hat die Gültigkeit dieser Grenzwerte bestätigt. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand schützen die gesetzlichen Regelungen vor möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Mobilfunks.