Biotopverbund

Viele wertvolle Biotope - Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten - gingen und gehen durch Nutzungsänderungen, Bebauung sowie Zerschneidung unserer Landschaft durch Straßen, Schienenwege oder Leitungstrassen verloren. Dabei ist nicht nur der reine Flächenverlust problematisch. Biotope werden in isolierte Einzelteile aufgeteilt, die aufgrund ihrer geringen Größe insbesondere den störenden Einflüssen aus der Umgebung ausgesetzt sind. Oft sind sie für das Überleben vieler Arten zu klein und ihre Isolation erschwert den Austausch von Individuen zwischen den Gebieten. Die daraus resultierende genetische Verarmung unserer Fauna und Flora gefährdet das dauerhafte Überleben von Lebensgemeinschaften und führt zum Verlust an biologischer Vielfalt. Der Schutz der verbleibenden Freiräume, insbesondere großer, noch zusammenhängender und verkehrsarmer Gebiete sowie die Vernetzung von Lebensräumen sind somit von besonderer Bedeutung.

Ziel des landesweiten Biotopverbunds ist es daher - neben der nachhaltigen Sicherung heimischer Arten, Artengemeinschaften und ihrer Lebensräume - funktionsfähige, ökologische Wechselbeziehungen in der Landschaft zu bewahren, wieder herzustellen und zu entwickeln. Der Biotopverbund gewährleistet in unseren stark zersiedelten und zerschnittenen Landschaften den genetischen Austausch zwischen den Populationen und ermöglicht Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse. Diese sind auch im Hinblick auf die durch den Klimawandel hervorgerufenen Arealverschiebungen bei einer Reihe von Arten von besonderer Bedeutung.

Der Fachplan Landesweiter Biotopverbund bezieht sich schwerpunktmäßig auf das Offenland. Fließgewässer sind nicht berücksichtigt. Für den Verbund von Waldflächen wurde die abgeschlossene Fachplanung des Generalwildwegeplans Baden-Württemberg in das Konzept für den landesweiten Biotopverbund übernommen. Bei der Konzeption werden drei Ebenen zur räumlichen Steuerung von Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung von Lebensraumkorridoren und zum Biotopverbund unterschieden: die landesweiten Suchräume einschließlich der Kernflächen, großräumige Verbundachsen im Offenland und die Wildtierkorridore des Generalwildwegeplans Baden-Württemberg.

Die Kartendarstellung zum Biotopverbund finden Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

Der Fachplan Landesweiter Biotopverbund besteht aus Unterlagen zum Offenland und der nachrichtlichen Darstellung der Wildtierkorridore des Generalwildwegeplans Baden-Württemberg. Er gliedert sich in die drei Teilbereiche Offenland trockener, Offenland mittlerer und Offenland feuchter Standorte. Eine Kartendarstellung der Verbundflächen erhalten Sie über den Daten- und Kartendienst der LUBW. Die Geodaten stehen Ihnen dort auch als GIS-Dateien zum download zur Verfügung. Der Arbeitsbericht dokumentiert und erläutert die zur Verfügung stehenden GIS-Dateien. Die Arbeitshilfe gibt Hilfestellung bei der Umsetzung in der regionalen und kommunalen Verbundplanung. 
 

Der Generalwildwegeplan (GWP) ist eine eigenständige ökologische, waldbezogene Fachplanung des Landes für einen landesweiten Biotopverbund und ist integrativer Bestandteil eines nationalen bzw. internationalen ökologischen Netzwerks von Wildtierkorridoren. Er zeigt die letzten verbliebenen Möglichkeiten eines großräumigen Verbundes in der bereits weiträumig stark fragmentierten Kulturlandschaft Baden-Württembergs auf.

Ziel ist es, möglichst vielen Arten, vom Wirbellosen bis zum Großsäuger eine Ausbreitung, Wiederbesiedlung und Anpassung an sich verlagernde Lebensräume durch den Klimawandel zu ermöglichen. Damit stellt der GWP ein elementares Instrument zur Sicherung und Entwicklung der Biodiversität durch den Erhalt von Metapopulationen dar. Die einzelnen Korridore sind nach einer ersten, auf Wald bezogenen Analyse, in einem weiteren Schritt hinsichtlich ihrer Eignung auch für Anspruchstypen des Offenlandes trockener, mittlerer und feuchter Standorte geprüft worden. Damit soll einerseits die Multifunktionalität dieser Korridore herausgestellt werden, andererseits dienen sie als Hinweis zur Beachtung der Kompatibilität der verschiedenen Anspruchstypen bei Maßnahmenplanungen. Die Umsetzung des GWPs bedarf einer langfristigen Sicherung der benötigten Flächen vor weiterer Fragmentierung, wozu eine Berücksichtigung des GWPs vor allem in der Verkehrsplanung, der Regionalplanung und in nachgeordneten Planungen wie der Eingriffsplanung erforderlich ist. Die bisherigen Kabinettsbeschlüsse zum GWP aus den Jahren 2010 und 2012 konnten im Jahr 2015 durch Verankerungen des Generalwildwegeplans im novellierten Jagd- und Wildtiermanagementgesetz sowie im neuen Landesnaturschutzgesetz abgelöst werden. Ohne eine Berücksichtigung des GWP wird bei einem Anhalten der gegenwärtigen Entwicklungen die Isolation vorhandener größerer Kernlebensräume in Baden-Württemberg weiter stark zunehmen.

Der Fachplan Landesweiter Biotopverbund wurde auf der Basis der Anspruchstypen nach dem Zielartenkonzept erstellt. Das Zielartenkonzept ermöglicht es auf der Ebene der Gemeinde die besondere Verantwortung für spezifische Zielarten herauszuarbeiten und Maßnahmen für den Biotopverbund zu entwickeln.

Hinweise auf regionale oder kommunale Planungen, die auf Basis des Fachplans Landesweiter Biotopverbund erstellt und publiziert wurden, finden Sie künftig auf dieser Seite.

Der Fachplan Landesweiter Biotopverbund des Landes Baden-Württemberg basiert u. a. auf den methodischen Vorarbeiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Ergebnisse der bundesweiten Forschungsvorhaben wurden in der Publikationsreihe des BfN veröffentlicht.

Einen Überblick zur Biotopverbund bietet zudem die LUBW-Broschüre: "Grüne Infrastruktur"

Die Kartendarstellung zum Biotopverbund finden Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.