Funktionen

Sedimente haben vielfältige Funktionen in einem See: Neben dem Freiwasser und der Ufer- und Flachwasserzone ist  der Seeboden der dritte große Lebensraum im Ökosystem See. Viele Lebewesen nutzen den Seeboden als Lebensraum (z.B. Muscheln, Würmer, Bakterien, Pflanzen). Andere Tiere, etwa viele Fische, sind dauerhaft oder zeitweise auf ihn angewiesen, sei es zur Nahrungssuche, als Entwicklungsort für den Nachwuchs oder Rückzugsmöglichkeit vor Räubern.

Eine weitere wichtige Eigenschaft ist der Chemismus von Sediment und Porenwasser. Nährstoffe und Schadstoffe aus dem Wasserkörper können in unterschiedlichem Maß in das Sediment eingetragen werden. Hier finden dann, in der Regel unter Mitwirkung bodenbewohnender Organismen, komplexe Umsetzungsprozesse statt: Nährstoffe und Schadstoffe können entweder dauerhaft im Sediment gebunden werden, oder, unter ungünstigen Bedingungen auch wieder in den Wasserkörper abgegeben werden. Ein See kann sich so über längere Zeiträume selbst ‚düngen’ oder ‚vergiften’, nachdem die unerwünschten Stoffe erst einmal in das Gewässer eingetragen wurden.

Nicht zuletzt sind Sedimente das ‚Gedächtnis’ des Sees. Hier können Informationen über das Einzugsgebiet, die Flüsse oder die Beschaffenheit des Seewassers gespeichert sein, die mit geeigneten Methoden ‚gelesen’ werden können. Lang vergangene Zeiträume, die der direkten Beobachtung nicht mehr zugänglich sind, können so zur Bewertung des aktuellen Gewässerzustands oder des natürlichen Referenzzustandes herangezogen werden.

Schon diese kurze Aufzählung zeigt, dass für das Verständnis eines Gewässers und der darin ablaufenden Prozesse das Wissen um den ‚Bodensatz’ bzw. die Sedimente von hoher Bedeutung ist.

Fotos: Aufnahmen von zwei unterschiedlichen Sedimentkernen aus dem Schlüchtsee (links) und dem Bodensee (rechts).