Flechten als Klimawandelindikatoren


Flechten sind Pilze, die mit einem oder mehreren Photosynthese betreibenden Partnern wie Grünalgen oder Cyanobakterien in symbiotischer Lebensgemeinschaft leben. Sie passen ihre Areale an sich verändernde Lebensraumbedingungen an. Dies lässt sich beispielhaft für auf der Rinde von Bäumen lebende (epiphytische) Flechtenarten nachweisen. Flechten reagieren vergleichsweise empfindlich auf Klimaveränderungen, da sie als wechselfeuchte Organismen direkt mit der Atmosphäre interagieren. Im Gegensatz zu Gefäßpflanzen sind sie im Winter stoffwechselaktiv und eignen sich daher auch, um Witterungsveränderungen in den Wintermonaten anzuzeigen.
Die Veränderungen der Flechtengemeinschaften werden in Baden-Württemberg an Walddauerbeobachtungsflächen der Medienübergreifenden Umweltbeobachtung systematisch untersucht. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf 45 Flechtenarten, die als "Klimawandelindikatoren" eingestuft sind, da sie in milden und eher atlantisch geprägten Klimagebieten beheimatet sind. Sie breiten sich von Westen und Süden kommend nach Norden und Osten hin aus.
Von Mitte der 1980er-Jahre bis heute hat die durchschnittlich erfasste Anzahl wärmeliebender Flechtenarten zugenommen. Seit 2002 verläuft diese Entwicklung beschleunigt. Selbst in kühlen, teils über 1.000 Meter hoch gelegenen Wäldern lässt sich diese Entwicklung beobachten. Die Zunahme wärmeliebender Flechtenarten vollzieht sich somit im gesamten Bundesland und in allen Höhenstufen.
Auf Grundlage dieser Untersuchungen wird über wärmeliebende Flechten als Klimawandelindikator im 2025 veröffentlichten "Monitoringbericht 2025 zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel in Baden-Württemberg" berichtet. Details dazu entnehmen Sie bitte dem Factsheet I-NA-3.
Flechten tolerieren zwar widrigere Umweltbedingungen, dennoch reagieren sie empfindlich, schnell und artspezifisch abgestuft auf chemische oder physikalische Veränderungen ihrer Umwelt. Sie nehmen Nähr- und Schadstoffe über ihre gesamte Oberfläche auf, reichern diese an und sterben bei zu hoher Belastung ab. Somit eignen sich Flechten auch bestens als Bioindikator für saure und eutrophierende Immissionen.
Der Untersuchungsbericht "Flechtenmonitoring auf Walddauerbeobachtungsflächen, Kartierung 2018 und Auswertung der Erhebungen 1986 bis 2018" liefert Ergebnisse dazu sowie weiterführende Informationen zur Datengrundlage und zur Erhebungsmethodik.
Mehr zu den Ergebnissen aus dem Flechtenmonitoring in den Umweltdaten 2024: Flechten zeigen Klimaänderung - Umweltportal Baden-Württemberg