Anlagenüberwachung

Im Atomgesetz ist festgelegt, dass Kernkraftwerke ständig überwacht werden müssen. Deshalb unterliegt der Betrieb von kerntechnischen Anlagen der Aufsicht des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) als zuständige Landesbehörde. Die sogenannte Kernreaktor-Fernüberwachung erlaubt der Aufsichtsbehörde eine unmittelbare Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht durch eine Echtzeitüberwachung wichtiger Anlagenparameter. Das Kernreaktor-Fernüberwachungssystem wird in Baden-Württemberg von der LUBW im Auftrag des UM betrieben und kontinuierlich weiterentwickelt.

Auch die von kerntechnischen Anlagen und Einrichtungen verursachten Emissionen und Immissionen in deren Umgebungen werden überwacht (Umgebungsüberwachung). Entsprechend der bundeseinheitlichen "Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung" (REI) führt die LUBW als unabhängige Messstelle das in der REI festgelegte Messprogramm zur Immissionsüberwachung durch.

Kernreaktor-Fernüberwachung

Die Kernreaktor-Fernüberwachung (KFÜ) ist ein komplexes System zur online-Überwachung der kerntechnischen Anlagen im Land, das die LUBW im Auftrag der baden-württembergischen Atomaufsicht betreibt und kontinuierlich weiter entwickelt. Es erfasst und überwacht täglich über 340.000 Messwerte innerhalb und außerhalb der Anlagen, vollautomatisch und rund um die Uhr. Mit diesem System kann die Aufsichtsbehörde die gemessenen Werte auf Einhaltung von Grenzwerten und Schutzzielen überprüfen. Das System alarmiert beim Überschreiten von Warnschwellen selbständig die zuständigen Stellen.

Mit diesem System überwacht die LUBW auch ständig den Strahlenpegel in der Umgebung inländischer und grenznaher ausländischer Kernkraftwerke. Die Messwerte der Gamma-Ortsdosisleistung werden regelmäßig nach Karlsruhe übertragen. In einem 10 km-Radius um die inländischen Kernkraftwerke Obrigheim, Neckarwestheim und Philippsburg herum sind jeweils rund 30 Funksonden angeordnet. Im Halbkreis auf baden-württembergischem Gebiet um die grenznahen ausländischen Kernkraftwerke Fessenheim (Elsass) und im schweizerischen Leibstadt am Hochrhein herum befinden sich jeweils rund ein Dutzend Stationen. Daten von mobilen Messfahrzeugen sowie Messnetzen Dritter, etwa benachbarter Bundesländer, des Bundes und angrenzender Staaten, sind ebenfalls in das System eingebunden.

Um die zuständigen Behörden frühzeitig vor einem luftgetragenen Eintrag radioaktiver Stoffe zu warnen, werden zudem an 12 Messorten Radioaerosolmessstationen betrieben. In diesen Stationen wird regelmäßig die Umgebungsluft durch Luftfilter gesammelt und kontinuierlich gamma-spektrometrisch ausgewertet. Diese Spektren werden im Stunden-Takt zur LUBW übermittelt und verarbeitet. Im Alarmfall werden die Daten sofort übertragen, von der LUBW ausgewertet und umgehend dem Umweltministerium zur Verfügung gestellt.

Hier finden Sie  aktuelle Messwerte zur Ortsdosisleistung und Luft-Aktivitätskonzentration aus den Immissionsmessnetzen der Kernreaktor-Fernüberwachung.

Der Informationsflyer über die Kernreaktor-Fernüberwachung gibt einen ersten Einblick in die Arbeit der KFÜ.

Umgebungsüberwachung

Im Auftrag der Aufsichtsbehörde überwacht die LUBW als unabhängige Messstelle ständig die Umgebungen folgender kerntechnischer Anlagen und Einrichtungen auf die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerwerte:

  • Kernkraftwerke in Philippsburg und Neckarwestheim
  • Stillgelegtes Kernkraftwerk Obrigheim
  • Kerntechnische Einrichtungen auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (früher Forschungszentrum Karlsruhe) und der Kerntechnischen Entsorgung Karlsruhe GmbH
  • Grenznahe Kernkraftwerke Fessenheim in Frankreich sowie Leibstadt und Beznau in der Schweiz auf baden-württembergischem Gebiet

Im Rahmen des Messprogrammes gemäß der „Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen“ werden jährlich insgesamt rund 1.000 Proben genommen, radiochemisch aufbereitet und/oder auf Radioaktivität gemessen. In diesem Zusammenhang werden auch die in der Nähe der Landesgrenzen in anderen Bundesländern gelegenen Kernkraftwerke Gundremmingen und Biblis auf baden-württembergischem Gebiet von den zuständigen Aufsichtsbehörden der Länder Bayern und Hessen überwacht.

Messprogramm

Im Normalbetrieb der kerntechnischen Anlagen und Einrichtungen umfasst deren Überwachung die Messung der Direktstrahlung sowie die Untersuchung verschiedener Medien auf künstliche Radionuklide. Die untersuchten Medien sind Aerosole, Niederschlag, Boden, Bewuchs, pflanzliche Nahrungsmittel, Milch, Oberflächenwasser, Sedimente, Fische und Trinkwasser. Je nach Medium werden die Proben quartalsweise oder saisonabhängig eingeholt. Im Störfall wird die Messfrequenz entsprechend erhöht.

Die Messung der Direktstrahlung und der Radioaktivität auf der Bodenoberfläche können mit entsprechenden Messgeräten direkt vor Ort durchgeführt werden. Von den übrigen Medien werden die Proben vor Ort genommen und im Radiochemischen Labor der LUBW aufgearbeitet und gemessen.

Ergebnisse

In einigen Proben können Spuren künstlicher Radionuklide nachgewiesen werden. So spiegeln sich in den Messergebnissen noch schwach die langlebigen Nuklide der früheren oberirdischen Kernwaffenversuche und des Reaktorunfalls von Tschernobyl wider. Auch Spuren der genehmigten Ableitungen aus dem Betrieb der Anlagen sind in Einzelfällen, vor allem im aquatischen Bereich, nachweisbar. Aufgrund der ermittelten Radioaktivitätsgehalte in den überwachten Medien kann für die Bevölkerung in Baden-Württemberg eine unzulässige Strahlenbelastung durch den Betrieb der überwachten kerntechnischen Anlagen und Einrichtungen ausgeschlossen werden. Die Messwerte der Direktstrahlung liegen im Bereich der durch natürliche Radioaktivität bedingten Untergrundstrahlung. Alle Messwerte sind für die Strahlenexposition der Bevölkerung unbedenklich.

Die ermittelten Messergebnisse werden jährlich in dem Bericht "Umgebungsüberwachung kerntechnischer Anlagen" dokumentiert. Die Berichte werden veröffentlicht und können im Bestellshop der LUBW heruntergeladen werden (Sucheingabe im Bestellshop: "Überwachung der baden-württembergischen Umgebung kerntechnischer Anlagen").

 

Weiterführende Informationen zu diesem Thema:

Kerntechnische Anlagen in Baden-Württemberg