Immissionsprognosen

TA Luft

Die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft, Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz vom 24. Juli 2002 – regelt die Durchführung von Schornsteinhöhenberechnungen und Immissionsprognosen. Die TA Luft (2002) wird derzeit überarbeitet.

Ausbreitungsrechnungen nach TA Luft

Ausbreitungsrechnungen sind gemäß den Vorgaben in Anhang 3 der TA Luft (2002) durchzuführen. Die vom Umweltbundesamt entwickelte und im Internet kostenlos zur Verfügung stehende Anwendung AUSTAL2000 erfüllt die im Anhang 3 aufgestellten Anforderungen ud ist eine beispielhafte Umsetzung der dort gemachten Vorgaben. Soweit von Gutachtern andere Rechenprogramme verwendet werden, muss gegenüber der Behörde nachgewiesen werden, dass die Anforderungen des Anhangs 3 erfüllt werden.

Leitfaden TA Luft BW

Immissionsprognosen müssen einige wichtige Anforderungen erfüllen. Hierzu gehört vor allem die nachvollziehbare, vollständige und richtige Anwendung der Methoden. Zur besseren Nachvollziehbarkeit der Inhalte von Gutachten mit Ausbreitungsrechnungen nach Anhang 3 der TA Luft 2002, stellt die LUBW einen Leitfaden zur Verfügung. Darin wird ausgeführt, welche Informationen ein derartiges Gutachten im Einzelnen enthalten muss.

Bereits im Jahr 2004 veröffentlichte die LUBW den Leitfaden zur Beurteilung von TA Luft Ausbreitungsrechnungen in Baden-Württemberg als Bericht. Auf Grundlage dieses Leitfadens und auch weiterer Leitfäden anderer Bundesländer erschien im Jahr 2010 die VDI-Richtlinie 3783 Blatt 13 „Qualitätssicherung in der Immissionsprognose". Aufgrund der häufigen und umfangreichen Neuerungen im Immissionsschutz wurde 2010 eine Neuauflage des 2004 erschienenen Leitfadens in Form eines Webangebots angestrebt. Diese Form des Angebotes hat zahlreiche Vorteile:

  • Möglichkeit zeitnaher Aktualisierungen
  • Zeitgemäße Informationsbeschaffung
  • Leichte Pflege des Systems
  • Plattform für alle Verwaltungsbehörden und Gutachter
  • Vereinfachung der Qualitätskontrolle
  • Zahlreiche Anwendungsbeispiele

Neben den Inhalten und Interpretationshilfen für die TA Luft (2002) und die GIRL, die anhand von Beispielen verdeutlicht werden, sind in dem nun realisierten Online-Leitfaden auch Tools und Links zu finden, die für die Erstellung und Überprüfung von Gutachten hilfreich sein können. Der Leitfaden schlägt eine Gliederung für Immissionsprognosen vor und ist somit ein Hilfsmittel für Behörden und Gutachter.

Zum "Leitfaden zur Beurteilung von TA Luft Ausbreitungsrechnungen in Baden-Württemberg" gelangen Sie hier.

Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL)

Die Ermittlung, Bewertung und Prognose von Gerüchen in der Außenluft wird durch die Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) vom 29. Februar 2008 und Ergänzungen vom 10. September 2008 geregelt. Darin finden Sie Hinweise zur Anwendung der GIRL sowie Hilfsmittel zur Ermittlung von Emissionen und Immissionen bei gewerblichen Anlagen.

Der Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geruchsimmissionen ist in der TA Luft (2002) nicht geregelt. Dies betrifft auch die Ausbreitungsrechnung für Geruchsstoffe. Die Bundesländer haben in einer gemeinsamen Initiative das Ausbreitungsmodell AUSTAL2000 G(eruch) entwickeln lassen. Programmtechnisch ist es vollständig in AUSTAL2000 integriert.

Hinweise zur Anwendung der GIRL in Ausbreitungsrechnungen finden sich im "Leitfaden zur Beurteilung von TA Luft Ausbreitungsrechnungen in Baden-Württemberg".

Tools

Für die Erstellung und Überprüfung von Gutachten stehen den Behörden des Landes Baden-Württembergs verschiedene Tools zur Verfügung. Neben dem "Leitfaden zur Beurteilung von TA Luft Ausbreitungsrechnungen in Baden-Württemberg" als ein Hilfsmittel für Immissionsprognosen sowie -gutachten, haben die Behörden auch auf die nachstehenden Programme zur Unterstützung Zugriff.

Im Auftrag der LUBW wurden von der iMA Richter & Röckle GmbH & Co. KG für das Land Baden-Württemberg die typischen Kaltluftabflussverhältnisse – wie sie bei windschwachen und wolkenarmen Wetterlagen in den Nachtstunden auftreten – flächendeckend auf einem 50 Meter Raster mit dem Numerischen Kaltluftabflussmodell DFM berechnet. Die berechneten Strömungsfelder und Kaltlufthöhen stellen die meteorologische Datenbasis für das Screening-Modell GAKBW dar. Dies ermöglicht die Bewertung der nächtlichen Strömungs- und Ausbreitungsverhältnisse für ganz Baden-Württemberg.

Das Screening-Modell GAKBW steht ausschließlich den Landesbehörden von Baden-Württemberg zur internen Verwendung zur Verfügung.

GERDA ist ein Screening-Modell, mit dem eine erste Aussage über die immissionsseitige Relevanz von Anlagen bezüglich Geruch erlangt werden kann. Das Modell berechnet die Geruchsstundenhäufigkeit auf Basis des Lagrange'schen Partikelmodells AUSTAL2000, jedoch unter vereinfachten Annahmen.

GERDA liefert Schätzwerte für die Geruchsstoffemissionen folgender sechs Anlagetypen:

  • Abfall-/Kompostierungsanlagen
  • Biogasanlagen
  • Kläranlagen
  • Lackieranlagen
  • Räuchereien
  • Gießereien

Mit der aktuell vorliegenden Version GERDA IV wurden gegenüber GERDA III

  • die Geruchsemissionsfaktoren sowie Geruchsemissionsbestimmungen für die sechs Anlagentypen aktualisiert,
  • der Online-Zugriff auf die aktuellen synthetischen Wind- und Ausbreitungsklassenstatistiken (SynAKS) und
  • der Online-Zugriff auf aktuelle und qualitativ hochwertige topographische Karten über den Kartendienst ermöglicht sowie
  • das Modell an aktuelle System- und Programmanforderungen angepasst.

Das Screening-Modell GERDA IV steht ausschließlich den Landesbehörden von Baden-Württemberg zur internen Verwendung zur Verfügung.

Mit den synthetischen Wind- und Ausbreitungsklassenstatistiken (SynAKS) stehen für das Land Baden-Württemberg in einem Raster von 500 Meter x 500 Meter standortrepräsentative meteorologische Datensätze als Eingangsdaten für anlagenbezogene Immissionsprognosen im Rahmen von Genehmigungsverfahren nach TA Luft und GIRL, für die Berechnung von Verkehrsimmissionen sowie für die schnelle Einordnung von Nachbarschaftsbeschwerden durch Gerüche und Lärm zur Verfügung.

Die Eignung dieser synthetischen Daten als räumlich repräsentative Statistik ist für jeden Einzelfall zu prüfen. Insbesondere kleinskalige topographische Strukturen am Standort können aufgrund der räumlichen Modellauflösung durch die synthetischen Daten nicht aufgelöst werden.

Im Auftrag der LUBW hat die metsoft GbR das Expertensystem WSExpert Baden-Württemberg (WSExpert BW) entwickelt und auf die nun vorliegende Version 3.1.0 aktualisiert.

Das Expertensystem unterstützt den Anwender bei der Auswahl einer geeigneten synthetischen Windstatistik für einen ausgewählten Standort. Unter einer einfach zu bedienenden Windowsoberfläche erhält der Anwender in kurzer Zeit eine Empfehlung, welche der nächstgelegenen synthetischen Statistiken die Windverhältnisse für den angefragten Standort innerhalb Baden-Württembergs am besten repräsentiert. Neben topographischem Datenmaterial stützt sich WSExpert BW auf ein Archiv der räumlich hochaufgelösten synthetischen Windstatistiken und auf im Programm implementierte komplexe Entscheidungskriterien zur kleinräumigen Übertragung dieser synthetischen Windstatistiken auf einen benachbarten Standort.

Mögilche weitere Anwendungsbereiche für WSExpert BW bestehen unter anderem bei folgenden Fragestellungen:

  • Überprüfung der Übertragung von gemessenen Windstatistiken auf einen beliebigen Standort
  • Überprüfung gemessener Windstatistiken auf ihre räumliche Repräsentativität
  • Eignungsprüfung von Winddaten für Immissionsprognosen kleinerer Vorhaben
  • Regionalklimatologische Einschätzungen/Beurteilungen
  • Zusätzliche Standortprüfung für Windkraftanlagen

Das Expertensystem WSExpert BW steht ausschließlich den Landesbehörden von Baden-Württemberg zur internen Verwendung zur Verfügung.

Weitere Informationen zum Expertensystem WSExpert BW sind im Bericht „Aktualisierung und Erweiterung des Programmsystems WSExpert Baden-Württemberg" (pdf, 0,5 MB) zu finden.