Lärm und Gesundheit

Lärm ist eine Art akustischer Abfall, der uns stört oder belästigt. Ob das Ohr Schaden nimmt, hängt von der Lautstärke (Schalldruckpegel) und der Dauer der Lärmeinwirkung (Expositionszeit) ab. Ein weiterer Faktor ist die Erholungszeit zwischen den Lärmphasen.

Wenn die Sinneszellen im Ohr zu kräftig, zu lange und immer wieder gereizt werden, verkümmern sie durch mangelnde Blut- und Sauerstoffzufuhr und sterben schließlich ab. Die Folge ist eine schlechtere Geräuschwahrnehmung, die bis zur Taubheit führen kann. Ein besonders gravierendes Problem stellen Knallereignisse in Ohrnähe dar, wie z. B. Silvesterkracher, Schießen, Kinderpistolen. Diese können zu plötzlichen, irreparablen Gehörschädigungen führen.

Nach aktuellem Wissensstand leidet unser Gehör ab einem Pegel von 85 dB(A). Dieser Wert ist eine Untergrenze und bezieht sich auf eine Einwirkzeit von acht Stunden täglich über mehrere Jahre hinweg. Aber Achtung: Die Gehörgefährdung verläuft nicht linear zu den Pegelwerten und auch nicht zum Lautstärkeempfinden. Jede Pegelerhöhung um 3 dB(A) verdoppelt die Gefährdung. Der subjektive Lärmeindruck verdoppelt sich dagegen erst bei einer Pegelerhöhung um 10 dB(A).

Neben dem Gehör wird auch das vegetative Nervensystem beeinträchtigt: Lärm schlägt uns auf den Magen und macht nervös. Auch der Schlaf und das Herzkreislaufsystem leiden unter Lärm. Menschen, die an sehr lauten Straßen wohnen, haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Dies liegt daran, dass unser Körper durch Lärm in einen Stresszustand versetzt wird.

Der Gehörschwund kommt auf leisen Sohlen

Eine Dauerschädigung des Innenohrs durch Lärm kann mit Ohrsausen (Tinnitus) und/oder einer vorübergehenden Hörverschlechterung beginnen. Oft verläuft der Weg in eine gravierende Hörschädigung aber schleichend. In der Regel fallen zuerst die hohen Töne oberhalb der Sprachfrequenzen aus, wie zum Beispiel Vogelgezwitscher. Dann sind die Sprachfrequenzen betroffen. Zunächst verschwinden die stimmlosen, dann die stimmhaften Konsonanten, schließlich die Vokale. Bei dauerhaft kräftiger Geräuscheinwirkung kann eine Lärmschwerhörigkeit auch schnell zunehmen. Im fortgeschrittenen Stadium kann Gesprächen nur noch schwer oder gar nicht mehr gefolgt werden.

Empfehlungen zum Umgang mit Lärm

Wer behauptet, er sei an Lärm „gewöhnt“, hat meistens schon einen Hörschaden. Dieser ist in der Regel unheilbar und kann durch Hilfsmittel wie zum Beispiel Hörgeräte nur gemildert werden.

  • Gönnen Sie Ihren Ohren öfter Pausen: Damit sich die Ohren nach der lauten Arbeit oder Disko erholen, sollte der Lärmpegel während mindestens 10 Stunden nicht über 70 dB(A) steigen.
  • Achten Sie auf die ersten Anzeichen von Hörschwäche: Wenn sich Nachbarn über laute Musik oder Fernsehen beschweren oder die Gesprächspartner regelmäßig „zu leise“ reden, ist es höchste Zeit, zum Arzt zu gehen. Gehörschwund lässt sich mit dem Reinton-Audiometer oder mit Sprachtests messen.

Vertiefende Informationen zu Lärmgefährdungen durch Freizeitaktivitäten finden Sie ab Seite 40 in der Fachbroschüre „Lärm bekämpfen – Ruhe schützen“.

Weiterführende Informationen: Akustik – Gehör – Psychoakustik

Lärmbetroffenheit

Lärm gehört zu den Umweltbelastungen, von denen sich die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland am stärksten betroffen fühlen. Dies belegt eine repräsentative Umfrage des Umweltbundesamtes, der zufolge sich rund 80 Prozent der Bevölkerung in ihrem Wohnumfeld durch Lärm gestört oder belästigt fühlen. Während sich 15 Prozent äußerst stark oder stark belästigt fühlen, geben etwa zwei Drittel der Befragten an, sich mittelmäßig oder etwas belästigt zu fühlen.

Lärmbelästigungen sind stark vom Wohnort abhängig und damit auch von der individuellen Möglichkeit, sich ruhigere – und in der Regel teurere – Wohnorte zu leisten. Die jeweilige Lärmbelästigung ist darum auch ein wichtiger Indikator für Umweltgerechtigkeit.

Von den unterschiedlichen Lärmquellen spielt Verkehrslärm die wichtigste Rolle: 76 Prozent der Befragten fühlen sich durch Straßenverkehr gestört oder belästigt, 43 Prozent durch Flugverkehr und 39 Prozent durch Schienenverkehr. Geräusche von Nachbarn führen bei rund 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger zu Belästigungen. Industrie- und Gewerbelärm belästigt 46 Prozent der Befragten.