Internationale Abkommen und Auszeichnungen

Neben der Ausweisung von Schutzgebieten auf nationaler Ebene existieren verschiedene internationale Abkommen und Auszeichnungen (Prädikate). Auszeichnungen wie das UNESCO-Biosphärenreservat oder Europadiplomgebiet basieren auf internationalen Übereinkommen oder Programmen und können Schutzgebieten verliehen werden, wenn diese spezifische Standards und Kriterien erfüllen.

Mit Hilfe der Schutzgebietsauszeichnungen können sich die Gebiete höhere internationale Aufmerksamkeit und touristische Attraktivität erhoffen. Sie können auch als Zusatzargument bei der Einwerbung von Fördermitteln dienen.

 

Feuchtgebiete wie Auenlandschaften, Moore, Seen oder Gebirgsflüsse mit ihren Quellgebieten sind wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Sie spielen eine wichtige Rolle als Nahrungsquelle und Grundwasserspeicher - auch für den Menschen. Feuchtgebiete tragen unter anderem zur Qualitätserhaltung des Lebensmittels Wasser bei und dienen als natürliche Wasserspeicher und Rückhalteräume für Hochwasser.

Die Ramsar-Konvention ist ein internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten mit internationaler Bedeutung, insbesondere als Lebensraum für Wat- und Wasservögel. Die Konvention ist nach der Stadt Ramsar im Iran benannt, in der 1971 die Verhandlungen zu dem Abkommen stattfanden. Es handelt sich um eines der ältesten und bedeutendsten globalen Naturschutzabkommen.

Die Ramsar-Vertragsstaaten gehen mit dem Beitritt zur Konvention unter anderem Verpflichtungen zur Benennung und dem Schutz ihrer Feuchtgebiete ein.


Ramsar-Gebiete

Weltweit wurden bislang 2286 Feuchtgebiete mit einer Gesamtfläche von etwa 220 Millionen ha ausgewiesen. Deutschland ist der Konvention 1976 beigetreten und hat bisher 34 Ramsar-Gebiete mit einer Fläche von insgesamt ca. 870.000 ha benannt (Datenstand Ramsar November 2017). Baden-Württemberg hat davon zwei Gebiete:

  • am Bodensee: Wollmatinger Ried - Giehrenmoos und Mindelsee (1286 ha), die Trennung in zwei separate Ramsar-Gebiete den Mindelsee und das Wollmatinger Ried wurde durch Deutschland beantragt,
  • sowie gemeinsam mit Frankreich das grenzübergreifende Gebiet "Oberrhein - Rhin supérieur" (25.117 ha in Baden-Württemberg, 22.413 ha im Elsass).

Die Benennung eines Ramsar-Gebietes macht einer breiten Öffentlichkeit im jeweiligen Vertragsstaat die besondere, europaweite Bedeutung ihrer Naturgüter in Feuchtbereichen bewusst. Ein anerkanntes Ramsar-Gebiet ist eine zusätzliche naturschutzfachliche Auszeichnung und kann z.B. von Kommunen und Verbänden als touristisch wertvolles Prädikat bei der Werbung, als zusätzliches Argument beim Beantragen von Fördermitteln und bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen Verwendung finden.


Weitere Informationen

Offizielle Webseite der Ramsar-Konvention 
Deutsch-französisches Ramsar-Gebiet Oberrhein
Wollmatinger Ried

Das Programm "Der Mensch und die Biosphäre" („Man and the Biosphere" = MAB) der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) wurde 1970 mit dem Ziel gegründet, die nachhaltige Nutzung und die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu fördern. Zentraler Schwerpunkt des internationalen MAB-Programms ist dabei das 1976 ins Leben gerufene „Weltnetz der Biosphärenreservate" (World Network of Biosphere Reserves).

UNESCO-Biosphärenreservate sind international repräsentative Modellregionen nachhaltiger, umweltgerechter Lebens- und Wirtschaftsweisen. Dass heißt, Biosphärenreservate sollen nicht nur die biologische Vielfalt schützen, sondern auch die ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen der Menschen verbessern, so z.B. nachhaltigen Tourismus, regionale Wirtschaftskreisläufe und Vermarktungsstrukturen nachhaltiger Produkte anregen.

Zur Umsetzung der verschiedenen Ziele und Funktionen sind Biosphärenreservate räumlich in drei Zonen unterschiedlicher Schutzintensität gegliedert: die Kernzone unter strengem Naturschutz, die Pflegezone mit geringeren Nutzungseinschränkungen und die Entwicklungszone, in der alle Nutzungsformen erlaubt sind.

Die Anerkennung von Biosphärenreservaten durch die UNESCO erfolgt auf Antrag nach Erfüllung verbindlicher, internationaler Kriterien. Heute gibt es weltweit 669 von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate in 120 Ländern. Deutschland hat derzeit 16 durch die UNESCO anerkannte Biosphärenreservate (Datenstand, BfN November 2017). In Baden-Württemberg befinden sich zwei der Biosphärenreservate, die hier Biosphärengebiete genannt werden. Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb wurde im Mai 2009 UNESCO-Biosphärenreservat. Das Biosphärengebiet Schwarzwald wurde 2016 nach dem baden-württembergischen Landesrecht und im Juni 2017 von der UNESCO anerkannt.

Weitere Informationen
UNESCO -Programm "Man and the Biosphere" (MAB) 
Offizielle Website der Deutschen UNESCO-Kommission 
Website des BfN zum UNESCO-Programm MAB
Deutsche Biosphärenreservate
Biosphärengebiet Schwäbische Alb
Biospärengebiet Schwarzwald

Das „Europäische Diplom für geschützte Gebiete" ist eine vom Europarat vergebene Auszeichnung. Sie wird geschützten, natürlichen und naturnahen Gebieten verliehen, die eine besondere Bedeutung für die Erhaltung der biologischen, geologischen und landschaftlichen Vielfalt in Europa haben. Das Europadiplom wurde erstmals 1965 vergeben.

Das Diplom wird zunächst für fünf Jahre verliehen und kann mit verschiedenen Auflagen zur Verbesserung des Gebietsmanagements und -schutzes verbunden sein. Außerdem sind die Staaten verpflichtet, dem Europarat jährlich einen Bericht über den Zustand ihrer jeweiligen Europadiplomgebiete und die dort ergriffenen Maßnahmen zu übersenden. Nach fünf Jahren erfolgt eine Überprüfung des ausgezeichneten Gebietes durch vom Europarat beauftragte Experten. Wurden die Auflagen des Europadiploms erfüllt, kann das Europadiplom um 10 Jahre verlängert werden.

In Deutschland wurden bisher acht Gebiete mit dem Europadiplom ausgezeichnet, zwei davon im Baden-Württemberg:

Das Europadiplom ist für die ausgezeichneten Gebiete eine wichtige Argumentationshilfe, um innerstaatlich Schutzmaßnahmen durchzusetzen bzw. Flächeninanspruchnahmen durch z.B. Bebauungen zu verhindern.

Weitere Informationen

Seite des Europarates zum Europadiplom
Wollmatinger Ried 
Wurzacher Ried