HNV farmland-Indikator

Knapp die Hälfte der Fläche Baden-Württembergs wird landwirtschaftlich genutzt. In den letzten Jahrzehnten führte die Intensivierung der Landwirtschaft zu einem drastischen Verlust weniger intensiv genutzter Flächen wie z. B. blütenreiche Wiesen oder Brachflächen und damit zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt und von seltenen Tier- und Pflanzenarten. Um extensiv genutzte Flächen für den Erhalt der Biologischen Vielfalt zu sichern, hat das Land Förderprogramme wie z. B. das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) und die Landschaftspflegerichtlinie (LPR) aufgelegt.

Mit dem High Nature Value farmland-Indikator (HNV farmland-Indikator, Indikator für ökologisch wertvolle landwirtschaftliche Flächen) wird überprüft, inwieweit diese Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum positive Wirkungen auf sogenannte HNV-Flächen (ökologisch wertvolle landwirtschaftliche Flächen) haben. Dies erfolgt im Gesamtblick und hat keine direkten Konsequenzen für die Fördernehmer. Der HNV farmland-Indikator ist ein Agrar-Umweltindikator, der den Naturschutzwert verschiedener Landwirtschaftssysteme aufzeigen soll.

Ziel der Umwelt-Förderprogramme ist es, die Formen von Landwirtschaft zu unterstützen, die zum Naturschutz beitragen und die Biodiversität begünstigen. Es geht nicht darum, bestimmte Gebiete auf Grund eines hohen Naturschutzwertes als HNV-Schutzgebiete abzugrenzen oder auszuweisen. Im Vordergrund steht die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung von Bewirtschaftungsformen mit hohem Naturschutzwert.

Laut Rechenschaftsbericht 2017 des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sollte sich der Anteil der Agrarlandschaftsfläche mit hohem NAturwert bis zum Jahr 2015 auf mindestens 19 % erhöhen.

Der HNV farmland-Indikator ist einer der Indikatoren der Länderinitiative Kernindikatoren der Länder (LIKI) im Bereich Natur und Landschaft (B) als Teilindikator B7 - Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert. Auf den Seiten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW ) finden Sie Informationen zum HNV-Wert der Bundesländer und Deutschlands. 

Weitere Informationen zum HNV farmland-Indikator erhalten Sie auch auf den Seiten des BfN (Bundesamt für Naturschutz).

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) ruht auf zwei Säulen. Die erste Säule dient mit den Direktzahlungen der Einkommensstützung und honoriert die gesellschaftspolitischen Leistungen der Landwirte. Die zweite Säule flankiert die erste Säule und setzt die Ziele der EU zur Entwicklung der ländlichen Räume um. Im Jahr 2013 hat der Rat der Europäischen Union als neue rechtliche Grundlage für die 2. Säule der GAP die „Verordnung über die Förderung der ländlichen Entwicklung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums" (ELER-VO, (EG) Nr. 1305/2013) erlassen. Sie gilt für die EU-Förderperiode 2014 bis 2020. Alle Maßnahmen der 2. Säule der GAP werden aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) finanziert.

Baden-Württemberg hat auf Grundlage der ELER-VO 16 Förderprogramme für

  • die Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft,
  • den Erhalt der Kulturlandschaft, 
  • die Themen Tierwohl, Ökolandbau, Natur-, Umwelt- und Klimaschutz 
  • die Verbesserung der Lebensqualität im Ländlichen Raum und Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe sowie 
  • LEADER

im "Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014-2020" (MEPL III) zusammengefasst.

Im Rahmen der ELER-VO müssen die EU-Mitgliedsstaaten über die Wirkung der Förderprogramme anhand verschiedener Indikatoren an die Europäische Kommission Bericht erstatten. Insgesamt sind 45 Kontextindikatoren nach der Durchführungsverordnung zur ELER-VO (EG Nr. 1698/20051305/2013, Anhang IV) vorgegeben. Mit dem HNV farmland-Indikator werden Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum bezüglich ihrer positiven Wirkungen auf die Natur und Umwelt überprüft.

Der HNV farmland-Indikator wird als Kontextindikator (C37) nach ELER-VO und Wirkungsindikator der GAP (I.09) zur Beurteilung der Wirkungen von durchgeführten (Agrarumwelt-) Maßnamen erhoben und ausgewertet. Er ist als sogenannter Pflichtindikator von allen Mitgliedsstaaten an die EU zu berichten (EU-Bericht).

Weitere Informationen zur Agrarförderung und zum Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum (MEPL III) finden Sie auf den Seiten des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR).