Regionale Unterschiede der Landschaftszerschneidung in Baden-Württemberg


Um Aussagen über den Zerschneidungsgrad unterschiedlicher Regionen, z.B. administrativer oder naturräumlicher Einheiten zu erhalten, wurde im Rahmen des Landschaftszerschneidungsprojektes eine Methode entwickelt, die es erlaubt, auf einfache Weise über ein Geographisches Informationssystem die Werte für den Zerschneidungsgrad zu ermitteln. Nähere Informationen zu dieser Methodik finden Sie unter Weiterführende Verweise.

Wir stellen auf diesen Seiten Ergebnisse für die 12 Regionen, die 44 Kreise, die 1111 Gemeinden sowie für die 66 Naturräume Baden-Württembergs vor. Über den Wert der effektiven Maschenweite kann der Zerschneidungsgrad der verschiedenen räumlichen Einheiten verglichen werden. Desweiteren wird die zeitliche Entwicklung regionsspezifisch dargestellt.

Entwicklung der Landschaftszerschneidung in den Regionen Baden-Württembergs


In allen Regionen ist ein deutlicher Rückgang der effektiven Maschenweite zu erkennen. Im Zeitraum zwischen 1930 und 2004 nimmt der Zerschneidungsgrad zwischen 20% in der Region "Nordschwarzwald" bis über 50% in den Regionen "Hochrhein-Bodensee" und "Mittlerer Neckar" zu. Damit sind zwei sehr unterschiedliche Regionen von einer stark negativen Entwicklung betroffen. Allerdings spielt sich die Entwicklung in der Region "Hochrhein-Bodensee" auf etwas höherem Niveau ab.
Sehr gravierend scheint die Entwicklung in der Region "Südlicher Oberrhein". Obwohl insgesamt ein geringerer Rückgang der effektiven Maschenweite zu verzeichnen ist, als in den beiden letztgenannten Regionen, verschlechtert sich hier die Situation von einem sehr hohen Niveau im Jahr 1930 (meff=43,4 km²) auf 24,1 km² im Jahr 2004. Der stärkste Rückgang wird zwischen den Jahren 1977 und 1989 registriert.
Insgesamt lassen sich zwei, bzw. drei Kategorien von Entwicklungen unterscheiden. Zum Einen gibt es Regionen in denen die Entwicklung insgesamt sehr moderat verläuft. Hier ist zwar ein ständiger Rückgang der effektiven Maschenweite zu verzeichnen, jedoch kein gravierender Einbruch zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dies ist zum Beispiel in den Regionen "Nordschwarzwald", Mittlerer Oberrhein" und "Mittlerer Neckar" der Fall. Bei einigen Regionen gibt es bereits nach 1966 einen stärkeren Knick im Kurvenverlauf, und der Zerschneidungsgrad nimmt verstärkt zu, so z.B. in der Region "Franken" und der Region "Unterer Neckar". In der dritten Kategorie setzt dieser verstärkte Rückgang erst nach 1977 ein. Beispiele hierfür sind die Regionen "Neckar-Alb", "Schwarzwald-Baar-Heuberg" und "Hochrhein-Bodensee".
 


Die erste Karte zeigt die historische Entwicklung der Landschaftszerschneidung seit 1930, die zweite Karte stellt die Werte der effektiven Maschenweite im Jahr 2004 dar. Das Diagramm verdeutlicht die Entwicklung des Zerschneidungsgrads der Regionen. Es wird erkennbar auf welchem Niveau die Landschaftszerschneidung vorranschreitet und in welcher "Geschwindigkeit".

Die Karten (gif) stehen als PDF-Dateien zum Download zur Verfügung:

Karte zur Entwicklung der effektiven Maschenweite der Regionen (pdf)
Karte der effektiven Maschenweite der Regionen (2004) (pdf)
Diagramm zur Entwicklung der effektiven Maschenweite in den Regionen in Baden-Württemberg seit 1930
 

Die Tabelle listet für alle Regionen die einzelnen Werte der effektiven Maschenweite seit 1930 auf.
 

Region

1930

1966

1977

1989

1998

2004

Bodensee-Oberschwaben

10,64

9,38

9,28

6,51

6,32

5,94

Donau-Iller

13,73

13,08

11,84

8,69

8,55

8,40

Franken

12,94

11,17

7,88

7,29

7,11

6,84

Hochrhein-Bodensee

18,79

15,40

14,74

10,44

9,31

9,21

Mittlerer Neckar

13,94

10,67

8,62

7,00

6,93

6,71

Mittlerer Oberrhein

17,73

14,27

13,30

12,49

12,35

11,30

Neckar-Alb

23,92

20,22

19,87

16,69

16,29

15,74

Nordschwarzwald

20,33

18,03

17,70

16,37

16,12

15,92

Ostwürttemberg

18,59

17,46

12,44

11,27

10,44

10,46

Schwarzwald-Baar-Heuberg

18,90

17,60

16,53

10,93

10,92

10,03

Südlicher Oberrhein

43,43

36,68

36,36

27,50

27,16

24,05

Unterer Neckar

11,96

10,72

8,68

7,80

7,70

7,21

Entwicklung der Landschaftszerschneidung in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs


Der Landschaftszerschneidungsgrad der Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs reicht von 1,4 km² im Stadtkreis Stuttgart bis 26,5 km² im Landkreis Ortenau. Die linke Karte zeigt, dass die meisten Kreise einen Zerschneidungsgrad zwischen 4 und 9 km² aufweisen. Die Stadtkreise Ulm, Pforzheim, Stuttgart, Heilbronn, Mannheim und Karlsruhe liegen alle unter 3 km². Baden-Baden ist als Stadtkreis weniger stark zerschnitten als der Landkreis Karlsruhe. Einen sehr hohen Zerschneidungsgrad weist der Landkreis Bodensee auf. Mit 3,7 km² erhält er den schlechtesten Wert aller Landkreise.

Die stärksten Rückgänge seit 1930 zeigen sich außer in den Stadtkreisen wiederum im Bodenseekreis, sowie in den Landkreisen Göppingen, Karlsruhe, Waldshut-Tiengen und im Rems-Murr-Kreis. Die Werte liegen zwischen 10,5 % im Kreis Baden-Baden und 69,4% im Stadtkreis Karlsruhe. Vergleicht man die Rückgänge von 1998 und 2004 (s. Diagramm), so zeigt sich, dass die Zerschneidung immer noch weiter zunimmt. Im Gegensatz zu 1998 ist die Klasse "Rückgang um 0 - 10 %" im Jahr 2004 nicht mehr besetzt. Gleichzeitig erhöht sich die Anzahl der Kreise in den Klassen "40 - 50%" sowie "60 - 70%".
 


Die Karten (gif) und weitere Informationen stehen als PDF-Dateien zum Download zur Verfügung:

Tabelle mit allen Werten der effektiven Maschenweite für die Kreise (pdf)
Karte der meff der Kreise (2004) (pdf)
Karte der Entwicklung der meff innerhalb der Kreise (pdf)
Diagramm zur Abnahme der effektiven Maschenweite innerhalb der Kreise Baden-Württembergs seit 1930

Entwicklung der Landschaftszerschneidung in den Gemeinden Baden-Württembergs


Der Landschaftszerschneidungsgrad der Gemeinden Baden-Württembergs variiert von 0,47 km² in der Gemeinde Asperg (Kreis Ludwigsburg) bis 101,60 km² in der Gemeinde Gengenbach (Ortenaukreis). Der Zerschneidungsgrad ist dabei unabhängig von der Größe und den Grenzen der Gemeinde. Dies kann an Hand von den Werten der effektiven Maschenweite der 10 am stärksten bzw. am geringsten fragmentierten Gemeinden abgelesen werden (Tab. s. unten). Zum Beispiel hat die Gemeinde Durbach im Ortenaukreis eine Maschenweite von 91,38 km² bei einer Fläche von 26,3 km². Die etwa gleichgroße Gemeinde Reichenau dagegen hat eine Maschenweite von 0,82 km². Weitere Gemeinden mit ca. 26 km² Flächengröße sind z.B. Bad Ditzenbach mit einem Zerschneidungsgrad von 14,75 km², oder Aidlingen mit 8,08 km². Der Mittelwert des Zerschneidungsgrades aller Gemeinden liegt bei 11, 4 km². Dabei liegen 304 Gemeinden oberhalb dieses Wertes, d.h. mehr als 2/3 aller Gemeinden sind überdurchschnittlich fragmentiert.

Der kartographische Überblick der Zerschneidungssituation der Gemeinden lässt deutlich die weniger stark fragmentierten Gemeinden im Schwarzwald und auf der Schwäbische Alb erkennen. Auch die stark zerschnittenen Gebiete entlang des Rheintals, rund um Stuttgart und am Bodensee zeichnen sich innerhalb der Gemeindengeometrie ab.


Die Karten (gif) und weitere Informationen stehen als PDF-Dateien zum Download zur Verfügung:

Tabelle mit allen Werten der effektiven Maschenweite für die Gemeinden (pdf)
Karte der effektiven Maschenweite der Gemeinden (2004) (pdf)

Die Tabelle listet die Gemeinden mit höchstem und geringstem Zerschneidungsgrad auf:

Gemeinden mit höchstem Zerschneidungsgrad

Gemeinde

Kreis

Fläche in [km²]

Effektive Maschenweite [km²]

Asperg, Stadt

Ludwigsburg

5,78

0,47

Reichenau

Konstanz

27,54

0,82

Eimeldingen

Loerrach

3,51

0,83

Neulußheim

Rhein-Neckar-Kreis

3,38

0,91

Edingen-Neckarhausen

Rhein-Neckar-Kreis

11,91

0,96

Ilvesheim

Rhein-Neckar-Kreis

5,88

0,96

Wannweil

Reutlingen

5,28

1,14

Freiberg am Neckar, Stadt

Ludwigsburg

13,19

1,23

Kressbronn am Bodensee

Bodenseekreis

20,48

1,24

Altdorf

Esslingen

3,31

1,33


Gemeinden mit geringstem Zerschneidungsgrad

Gemeinde

Kreis

Fläche in [km²]

Effektive Maschenweite [km²]

Gengenbach, Stadt

Ortenaukreis

62,02

101,60

Simonswald

Emmendingen

74,28

99,51

Ohlsbach

Ortenaukreis

11,13

97,92

Dobel

Calw

18,37

94,24

Gutsbezirk Münsingen,

Reutlingen

67,15

92,22

Baiersbronn

Freudenstadt

189,63

91,68

Durbach

Ortenaukreis

26,29

91,38

Forbach

Rastatt

131,97

85,19

Schenkenzell

Rottweil

42,25

83,27

Gernsbach, Stadt

Rastatt

82,12

83,05

Entwicklung der Landschaftszerschneidung in den Naturräumen Baden-Württembergs


Der Zerschneidungsgrad der Naturräume Baden-Württembergs schwankt zwischen 67,08 km² im Naturraum "Grindenschwarzwald und Enzhöhen" und 0,76 km² im Naturraum "Hochrheintal". Weitere sehr stark fragmentierte Naturräume sind die "Neckar-Rhein-Ebene" (1,09 km²), die "Stuttgarter Bucht" (1,20 km²) und die "Bergstraße" (1,34 km²). Naturgemäß sind die Gebiete im Schwarzwald weniger stark von Zerschneidung betroffen und haben daher höhere Werte der effektiven Maschenweite. Eine Ausnahme bildet der Naturraum "Schwarzwald-Randplatten" mit einem Wert von 5,66 km². Durch seine Lage am Nordostrand des Schwarzwaldes macht sich hier die intensive Verkehrserschließung in Richtung Karlsruhe und Stuttgart bemerkbar. In der linken Karte (s. unten) wird die räumliche Verteilung der Zerschneidung erkennbar, sie zeigt, dass die Naturräume im Umkreis der Städte Stuttgart und Mannheim sowie entlang der Flußtäler stärker zerschnitten sind als Räume im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Betrachtet man die Entwicklung der Landschaftszerschneidung (s. rechte Karte), so variiert diese in den Teilräumen beträchtlich. Es gibt Naturräume in denen die Effektive Maschenweite bis zu 70% in den vergangenen 70 Jahren abgenommen hat. Am stärksten betroffen ist die "Neckar-Rheinebene" mit einem Rückgang von 72,89%. Die Naturräume "Hessische-, Markgräfler- und Offenburger Rheinebene" verzeichnen ebenfalls eine hohe Zunahme der Zerschneidung um jeweils 67%. Diese stark negative Entwicklung in Naturräumen, die sehr wertvolle Lebensräume enthalten, ist besonders bedenklich. Wie das unten stehende Diagramm zeigt, hat sich die Situation seit 1998 generell verschlechtert. Lagen damals noch die Rückgangsraten hauptsächlich in den Kategorien bis 40 %, so ist nun eine Verschiebung der Werte in Richtung höherer Rückgänge erkennbar. Sehr hohe Rückgangsraten zeigen sich auch im Hinterland des Bodensees und im Albvorland. Der Naturraum "Grindenschwarzwald- und Enzhöhen" liegt mit einem Rückgang von nur 7,81% als einziger größerer Naturraum* unterhalb der 10% Marke und verzeichnet eine sehr moderate Entwicklung des Zerschneidungsgrades.



*Alle anderen Naturräume die unterhalb 10% liegen sind auf Grund ihrer Grenzlage sehr klein.


Die obigen Karten (gif) und weitere Informationen stehen als PDF-Dateien zum Download zur Verfügung:

Tabelle mit allen Werten der effektiven Maschenweite für die Naturräume (pdf)
Karte der effektiven Maschenweite der Naturräume (2004) (pdf)
Karte der Entwicklung der effektiven Maschenweite (pdf)
Diagramm zur Abnahme der effektiven Maschenweite innerhalb Naturräume Baden-Württembergs seit 1930