Unzerschnittene Verkehrsarme Räume >100 km² (UZVR100) in Baden-Württemberg

 

Große, durch Siedlung und Verkehrsinfrastruktur noch nicht zerschnittene Freiräume sind für Tierarten mit großen Raumansprüchen, aber auch für den Erholung suchenden Menschen von besonderer Bedeutung. Die historische Siedlungsentwicklung in Baden-Württemberg, aber auch die ungebrochene Zunahme des Flächenverbrauchs durch wachsende Siedlungen und der Ausbau von Straßen und Schienenwegen haben ein Siedlungsnetz geschaffen, das große, unzerschnittene verkehrsarme Räume selten gemacht hat. Übernimmt man das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) festgelegte Kriterium einer Größe der verkehrsarmen Räume von mehr als 100 km², so gibt es 27 solcher Räume, die vollständig oder teilweise in Baden-Württemberg liegen. Innerhalb der Landesgrenze befinden sich 22 Areale mit einer Größe über 100 km² .

 

Die Karte mit einer Übersicht der UZVR100 steht zum Download zur Verfügung:

Karte der UZVR100 (pdf)

Weiterführende Informationen zum Thema UZVR100 in anderen Bundesländern:                             

BayernHessenNordrhein-WestfalenThüringenSachsen

Weiterführende Informationen zum Thema UZVR100 auf Bundesebene:

UZVR100 in Deutschland, BfN
UZVR100 in Deutschland 2016, BfN (Karte)
Zerschneidung Wiedervernetzung (BfN-Themenseite)

 

Funktionen der UZVR 100 in Baden-Württemberg

 

Die 22 Areale mit einer Größe über 100 km² können mit Landschaftsfunktionen beschrieben werden, die von der weiträumigen Ungestörtheit der UZVR profitieren. Zwei wichtige Bereiche der Landschaftsfunktionen treten hier in den Vordergrund: Naturschutzfunktionen sowie Funktionen, die Erholung und Naturerleben fördern.

Als naturschutzfachlich relevant erweisen sich die UZVR100 vor allem hinsichtlich der Ungestörtheit und Unberührtheit schützenswerter Gebiete und Habitate sowie hinsichtlich der dem Biotopverbund förderlichen Durchgängigkeit. Erholung und Naturerleben hingegen profitieren in den UZVR von der dort ausgiebig möglichen Bewegung in ungestörter Natur sowie aus dem Erleben naturnaher Landschaftsbilder. 

In den folgenden Karten werden die angesprochenen Landschaftsfunktionen in den Arealen der UZVR100 in Baden-Württemberg anhand einfacher Indikatoren quantifiziert. Mit den Karten können die Räume auf Grund ihrer spezifischen Qualitäten unterschieden werden.

 

     Naturschutzfunktion        Wälder als Habitate                       Biotopverbundfunktion


       Erholungsfunktion und Landschaftserleben                         Störung und Zerschneidung

Eine Zusammenfassung der Karten mit der Übersicht und den Funktionen der UZVR100 stehen zum Download zur Verfügung:

Kartenwerk Übersicht und Funktionen der UZVR100 (pdf; 5,7 MB)

 

Methodik zur Ermittlung der UZVR100
 

Die Ermittlung der UZVR100 für das Bundesland Baden-Württemberg erfolgt geometrisch auf der Grundlage des Digitalen Landschaftsmodells im Amtlich Topographisch Kartographischen Informationssystem (ATKIS DLM 25/2) sowie unter Berücksichtigung von Verkehrsstärkedaten.

Als zerschneidend wurden folgende räumlichen Objekte herangezogen:

  • alle Siedlungsflächen,
  • alle Straßen ab einer Verkehrsstärke von 1.000 Kfz/24 Std.,
  • zweigleisige und elektrifizierte eingleisige Bahnstrecken (nicht stillgelegt) sowie
  • Flughäfen.
  • Tunnel ab einer Länge von 1000 m wurden als entschneidend berücksichtigt (der jeweilige Straßen- bzw. Schienenabschnitt wurde aus der Geometrie entfernt).

Die so nach den Vorgaben Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI) konstruierten UZVR100 unterscheiden sich von den "Unzerschnittenen Räumen mit hohem Wald- und Biotopanteil", wie sie im Landesentwicklungsplan 2002 dargestellt sind.

Eine erste auf Verkehrsstärkedaten aus 2000 beruhende Abgrenzung wurde 2005 erstellt und resultierte in 20 UZVR100. Die Kulisse der 2013 auf der Basis einer BRD-weiten Verkehrsstärkenmodellierung bundesweit abgegrenzten UZVR100 wurde hinsichtlich der Übernahme in die für Baden-Württemberg festgelegten Kulisse im Rahmen einer generellen Revision geprüft. Die Aktualisierung resultiert in nunmehr 27 UZVR100. Die Erhöhung der Anzahl ist dabei keineswegs ein Indiz für eine Entschärfung des Problems der Landschaftszerschneidung. Vielmehr verdeutlicht die Erhöhung der Anzahl der UZVR100 das Problem, eine verlässliche Basis für die Zuordnung von Verkehrsmengen zu Straßen über Verkehrsumlegungsmodelle zu erhalten. Im Sinne einer vorsorgenden Kennzeichnung noch existierender UZVR100 sind in die Kulisse der UZVR – neben den Räumen, die von der Landesgrenze geschnitten werden – deshalb auch solche Räume aufgenommen, die nur mit schwachem Beleg nicht zerschnitten sind (Verkehrsstärke aller Straßen im Inneren < 1.000 Kfz/24 Std.).

Weiterführende Informationen zum Thema Abgrenzungsmethodik:

Länderinitiative Kernindikatoren - LIKI