Zurück

Eremit - Osmoderma eremita (Scopoli, 1763)

 

Der Eremit gehört zu den Blatthornkäfern. Sein Panzer ist glänzend schwarz mit einem leichten metallischen Schimmer. Die Art besitzt typische Grabbeine mit gezähnten Vorderschienen. Die Männchen verströmen einen süßlichen Duft, der an Aprikosen oder Juchtenleder erinnern soll, was ihm auch den Namen Juchtenkäfer einbrachte. 
Körperlänge: max. 30 mm
Entwicklungsdauer: 3 bis 4 Jahre
Flugzeit: Mai bis Oktober
Der Eremit bewohnt lichte Laubwälder, flußbegleitende Gehölze, Alleen und Parks mit alten, anbrüchigen Bäumen. Die Larven leben in mit Mulm gefüllten Höhlen alter Bäume. Entscheidend für eine erfolgreiche Entwicklung ist ein ausreichend großer und feuchter Holzmulmkörper, der sich nur in entsprechend alten und mächtigen Bäumen sowie in sehr starken Ästen bilden kann. 
Die Weibchen des Eremiten legen ihre Eier in die tieferen Bereiche der Mulmhöhle ab. Die Entwicklungsdauer vom Ei zum erwachsenen Käfer dauert drei bis vier Jahre. Die Larven fressen morsche, verpilzte Holzpartien sowie organische Reste. Die Verpuppung findet im Zeitraum zwischen April und Juni statt. Die Imagines erscheinen meist im Juli an der Oberfläche des Mulmkörpers. Flugaktivität ist nur an heißen Tagen zu beobachten. Ansonsten sitzen die Käfer am Höhleneingang der Brutbäume oder laufen auf dem Stamm herum. Die Art gilt als sehr standorttreu und wenig ausbreitungsfreudig.

Gesamtverbreitung:

Das Areal des Eremiten ist auf Europa beschränkt. Es reicht von Nordspanien ostwärts bis in die Umgebung von Moskau. Die nördlichsten Vorkommen befinden sich in Mittel-Schweden und im äußersten Süden Finnlands. Im Süden reicht das Areal bis Italien und Griechenland. In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Verbreitung in Ostdeutschland. Kleine Arealinseln sind über ganz Deutschland verteilt, so dass die Art in fast jedem Bundesland vorkommt.

Verbreitung in Baden-Württemberg:
Die Verbreitungsschwerpunkte in Baden-Württemberg liegen heute am mittleren Neckar, an der Rems, im Schönbuch und im Kraichgau. Einzelne Nachweise gibt es am Oberrhein, in der Bodenseeregion und im Kreis Heidenheim.

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg:
Durch gezielte Erfassungen in einzelnen Landesteilen wurden in den letzten Jahren weitere Vorkommen bekannt. Diese sind jedoch überwiegend letzte Reste lange bestehender Populationen und drohen zumeist zu erlöschen. Zur langfristigen Erhaltung der Art sind umfangreiche Schutzmaßnahmen in BW erforderlich.

Rote Liste Schutzstatus Verordnungen und Richtlinien
BW D BNatSchG EG-VO 338/97
Anhang
FFH-Richtlinie
Anhang
BArtSchV
2
stark gefährdet
2
stark gefährdet
 besonders
 geschützt
streng
 geschützt
- II* IV - - -

        * prioritäre Art

Gefährdungsursachen

  • Maßnahmen der Verkehrssicherung (Fällungen, unsachgemäße Kronenrückschnitte)
  • Fällung von Brutbäumen und potenziellen Brutbäumen
  • Fällung von Bäumen, bevor sich besiedlungsrelevante Strukturen bilden können
  • Aufgabe der traditionellen Nutzung von Kopfweiden (durch das Fehlen des regelmäßigen Schnitts brechen die Bäume auseinander und bieten keine geeigneten Höhlen mehr)
 
Schutzmaßnahmen
  • Erhaltung der besiedelten Wirtsbäume
  • Sicherstellung einer nachhaltigen Ausstattung mit starken Höhlenbäumenz im Wald und in Parkanlagen
  • Erhöhung des Anteils alter Laubbäume in näherer Umgebung der bekannten Vorkommen
  • Belassen ausgewählter kränkelnder Laubbäume
  • Aktive Förderung von Höhlenbildungen: Schaffung von Kopfbäumen

Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Arten- und Biotopschutzprogramm Baden-Württemberg
  • Art des Zielartenkonzepts Baden-Württemberg

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht.

FFH-Gebiete

Eine Karte der FFH-Gebiete mit Vorkommen des Eremiten und weitere Informationen zu den Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

Erhaltungszustand

  Verbreitungsgebiet Population Habitat Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend ungünstig-schlecht
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht

Stand: 2019

Erhaltungszustand aller FFH-Arten in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB) 

Beeinträchtigung, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen (pdf; 2,0 MB)