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Liegendes Büchsenkraut - Lindernia procumbens (Krocker) Philcox 1965

 

Das Liegende Büchsenkraut gehört zu den Braunwurzgewächsen. Der Stängel ist vierkantig und meist violettrötlich überlaufen, die länglich eiförmigen Blätter sind bis zu 2 cm lang und 0,8 cm breit. Die Blüten sind langgestielt, weisen eine lila-rötliche Krone auf und sitzen einzeln in den Blattachseln. Das Liegende Büchsenkraut wächst – wie der Name vermuten lässt – niederliegend und gilt als Pionierart auf schlammigen Böden.
Wuchshöhe: max. 25 cm 
Blütezeit: Juli bis September
Lebensdauer: einjährig
Das Liegende Büchsenkraut gilt als wärmeliebende Schlammboden-Pionierart und besiedelt Ufer von Flüssen, Altwässern, Gräben, Teichen und Stauseen, die längere Zeit überflutet sind und im Hochsommer trocken fallen. Die Art benötigt eine lange Überstauung und eine anschließende, nur oberflächliche Abtrocknung des Bodens bei allerdings hohen Temperaturen.
Die Art wird zu den Therophyten gezählt, d.h. die Pflanze hat nur eine kurze Lebensdauer und übersteht ungünstige Perioden als Samen. Darüber hinaus ist sie stark an spezielle Standortbedingungen gebunden. Dies führt dazu, dass die Pflanze sehr unbeständig auftritt. An bekannten Wuchsorten kann sie über Jahre ausbleiben, um dann bei günstigen Standortbedingungen wieder zu erscheinen. Daher ist es schwer zu beurteilen, ob ein Vorkommen ohne Pflanzen wirklich erloschen ist oder ob noch keimfähige Samen vorhanden sind. Das Liegende Büchsenkraut neigt dazu, seine Blüten nicht zu öffnen, weshalb es vermutlich meist zur Selbstbestäubung und Selbstbefruchtung kommt. Die Verbreitung erfolgt durch fließendes Wasser oder Wasservögel, an deren Beinen oder Gefieder die Samen kleben bleiben.

Gesamtverbreitung
Das Liegende Büchsenkraut ist in Europa und Asien verbreitet. In Europa erstreckt sich das Areal von Frankreich ostwärts bis zur Wolga. Die südlichsten Vorkommen befinden sich in den Pyrenäen, in Mittelitalien und auf der Balkanhalbinsel. Durch Mitteleuropa verläuft die nördliche Verbreitungsgrenze. In Deutschland gibt es Vorkommen am Oberrhein, an der Donau in Bayern sowie im Elbtal zwischen Dresden und Dessau.

Verbreitung in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg kommt das Liegende Büchsenkraut nur am Oberrhein vor.

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg
Die unbeständige Lebensweise der Pflanze macht die Einschätzung des Bestandes recht schwierig. An den (ehemaligen) Vorkommen der Art dürften sich noch vielfach keimfähige Samen finden. Vermutlich werden die Voraussetzungen für die Keimung und Entwicklung der Pflanze aber immer seltener geschaffen. Dennoch konnte in den vergangenen Jahren auch ein bislang nicht bekanntes Vorkommen entdeckt werden.

Rote Liste Schutzstatus Verordnungen und Richtlinien
BW D BNatSchG EG-VO 338/97
Anhang
FFH-Richtlinie
Anhang
BArtSchV
 2
stark gefährdet
 2
stark gefährdet
besonders
geschützt
streng
geschützt
- - IV - - -



Gefährdungsursachen

  • Regulierung großer Flüsse
  • Ausbleiben der Neubildung von Schlammflächen
  • Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland

Schutzmaßnahmen
  • Schaffung nasser Mulden mit offenen Bodenstellen im Bereich ehemaliger Vorkommen
  • In geeigneten Fällen Wiederansiedlungen an ehemaligen Wuchsorten bei aktuell geeigneter Habitatqualität
  • Reaktivieren von dynamischen Prozessen in Flussauen, die zur Neubildung von Schlammflächen führen

Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Arten- und Biotopschutzprogramm Baden-Württemberg

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird auch der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht.

FFH-Gebiete
Für das Liegende Büchsenkraut, als Art des Anhangs IV, werden im Rahmen der FFH-Richtlinie keine Schutzgebiete ausgewiesen.

Erhaltungszustand

  Verbreitungsgebiet Population Habitat Zukunftsaussichten
Einzelbewertung ungünstig-schlecht ungünstig-schlecht ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-schlecht

2019

Erhaltungszustand aller FFH-Arten in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB) 

Zusammenfassung (pdf)