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Rogers Goldhaarmoos - Orthotrichum rogeri Brid.

 

Rogers Goldhaarmoos gehört zu den Laubmoosen. Es bildet dunkelgrüne Polster, die aus 5 bis 15 mm hohen, aufrechten bis aufsteigenden, einfach bis mehrfach verzweigten Stängeln bestehen. Die Stängel sind an der Basis stark wurzelfilzig. Die 2 bis 2,6 mm langen Blätter sind zungenförmig und besitzen eine stumpf gespitzte bis deutlich abgerundete Spitze. Die Art kann nur von Experten mittels mikroskopischer Untersuchung von anderen, nahe verwandten Arten sicher unterschieden werden.
Wuchshöhe: max. 15 mm
Sporenreife: Juli bis August
Lebensdauer: mehrjährig
Rogers Goldhaarmoos wächst epiphytisch auf Laubbäumen und Sträuchern mit basenhaltiger Borke, und zwar sowohl auf freistehenden Gehölzen als auch im Waldrandbereich. In Baden-Württemberg wurde die Art auf Pappel, Weide, Bergahorn, Schwarzerle, Kirsche sowie Holunder gefunden. Die meist kleinen Vorkommen beschränken sich in der Regel auf wenige Trägerbäume in niederschlagsreichen und relativ luftfeuchten, meist (sub-)montanen Lagen.
Das ausdauernde Moos bildet häufig Sporenkapseln und breitet sich vorwiegend über Sporen aus. Da die Sporen recht groß sind, ist eine Verfrachtung durch den Wind höchstens über kurze Strecken möglich.

Gesamtverbreitung
Rogers Goldhaarmoos kommt in Europa und Asien vor. Aus Europa liegen Fundorte aus dem Süden Skandinaviens, aus Mittel- und Südeuropa sowie aus dem Kaukasus vor. Für Deutschland liegen vor allem Kenntnisse über Vorkommen in Baden-Württemberg und Sachsen vor. Vereinzelte Nachweise gelangen im Saarland, in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Verbreitung in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg gibt es die meisten Vorkommen bisher im Südschwarzwald, aber auch im Nordschwarzwald, Odenwald, im Westallgäu sowie im Bodenseebecken sind Vorkommen bekannt.

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg
Die Art wurde in Baden-Württemberg lange für ausgestorben gehalten und erst in den 1990er Jahren wiederentdeckt. Der Aufwärtstrend bei den Vorkommen ist im Wesentlichen auf eine verbesserte Datenlage zurückzuführen. Die inzwischen viel geringeren SO2-Immisionen wirken sich allgemein positiv auf die Entwicklung und Ausbreitung von Moosepiphyten aus.

Rote Liste Schutzstatus Verordnungen und Richtlinien
BW D BNatSchG EG-VO 338/97
Anhang
FFH-Richtlinie
Anhang
BArtSchV
R
extrem selten
2
stark gefährdet
- - - II - - - -

 


Gefährdungsursachen

  • Luftverschmutzung
  • Fällen der Trägerbäume
  • Verkleinerung der Verfügbarkeit potenzieller Trägerbäume
  • Nutzungsintensivierung im Umfeld der Trägerbäume bzw. von Trägerbaumgruppen
Schutzmaßnahmen
  • Bestandsschutz der markierten Trägerbäume und weiterer ausgewählter potentieller Trägerbäume (Laubgehölze, Lärche) im direkten Umfeld der Moosvorkommen
  • Beibehaltung des Offenlandcharakters im Bereich der Trägerbäume
  • Sicherung einer nachhaltigen Ausstattung mit Trägerbäumen als potentielle Wuchsstandorte des Mooses

Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird auch der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht.

FFH-Gebiete
Eine Karte der FFH-Gebiete mit Vorkommen des Rogers Goldhaarmooses und weitere Informationen zu den Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.
 

Erhaltungszustand

  Verbreitungsgebiet Population Habitat Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig günstig günstig günstig
Gesamtbewertung günstig

2019

Erhaltungszustand aller FFH-Arten in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB) 

Beeinträchtigung, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen (pdf; 2,0 MB)

 

Zusammenfassung (pdf)