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Sand-Silberscharte - Jurinea cyanoides (Linnaeus) H. G. L. Reichenbach 1831/1832

 

Die Sand-Silberscharte, manchmal auch nur kurz Silberscharte genannt, gehört zu den Korbblütlern und ist eine Pionierart offener, nährstoffarmer Sandflächen. Die Pflanze wächst aufrecht und bildet nur am Grund Blätter. Die kopfförmigen Blütenstände stehen meist einzeln und erreichen einen Durchmesser von bis zu 3 cm. Die Blütenkrone ist röhrenförmig verwachsen und purpurviolett gefärbt. Die Vorkommen in Baden-Württemberg stellen isolierte westliche Vorposten dieser in den eurasischen Steppengebieten beheimateten Pflanze dar.
Wuchshöhe: max. 80 cm
Blütezeit: Juli bis September
Lebensdauer: mehrjährig
Die Sand-Silberscharte besiedelt in Mitteleuropa offene bis licht mit Gehölzen bestandene, basenreiche aber nährstoffarme, trockene Sandflächen auf Dünen, Moränenkuppen und Talsandterrassen. Sie ist überwiegend auf Sandtrockenrasen anzutreffen, nur sehr selten auf Kiefernwaldlichtungen. Für eine erfolgreiche Fortpflanzung benötigt die Art einen zeitlich-räumlichen Wechsel von vegetationsfreien oder -armen Bereichen und ist damit auf dynamische Prozesse angewiesen, die immer wieder solche Pionierstandorte erzeugen. Die Sand-Silberscharte ist eine charakteristische Pflanzenart des prioritären FFH-Lebensraumtyps 6120 „Subkontinentale Blauschillergrasrasen" (Synonym: „Subkontinentale Sandtrockenrasen")
Die Sand-Silberscharte ist eine konkurrenzschwache Steppendünenpflanze mit wintergrüner Blattrosette. Die Art bildet ein tiefreichendes Pfahlwurzelsystem aus, um an feuchte Bodenschichten zu gelangen, und kann sich sowohl vegetativ als auch generativ vermehren. Die Diasporen werden mit dem Wind verbreitet, überdauern jedoch nicht besonders lang, d.h. die Art baut kein Diasporenreservoir auf, aus dem sich auch nach Jahren bei geeigneten Bedingungen neue Pflanzen entwickeln könnten. Vermutlich auch deshalb besitzt die Art in Mitteleuropa nur eine sehr geringe Tendenz sich auszubreiten und kann nur in seltenen Fällen neue Standorte besiedeln.

Gesamtverbreitung
Die Sand-Silberscharte zeigt eine kontinentale Verbreitung und kommt vor allem in den Steppengebieten Asiens und des europäischen Russlands vor. Neben Vorkommen in Tschechien gibt es in Europa außerhalb des Hauptareals nur in Deutschland weitere Vorkommen der Art. Diese liegen in der nördlichen Oberrheinebene, im mittleren Maintal, in Sachsen-Anhalt, im südwestlichen Mecklenburg-Vorpommern sowie im südlichen Brandenburg.

Verbreitung in Baden-Württemberg
Die Vorkommen der Sand-Silberscharte beschränken sich auf die Sandgebiete der nördlichen Oberrheinebene und reichen südlich bis Sandhausen.

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg gibt es derzeit ein sehr großes und stabiles Vorkommen. Die weiteren Vorkommen sind meist klein. Insgesamt konnte u. a. infolge von Wiederansiedlungsmaßnahmen der z. T. rückläufige Bestandstrend vorläufig aufgehalten werden.

Rote Liste Schutzstatus Verordnungen und Richtlinien
BW D BNatSchG EG-VO 338/97
Anhang
FFH-Richtlinie
Anhang
BArtSchV
1
vom Aussterben bedroht
2
stark gefährdet
besonders
geschützt
streng
geschützt 
- II* IV - - -

    * prioritäre Art

Gefährdungsursachen

  • Eintrag von Nährstoffen (insbesondere Stickstoff) in den Bestand sowie in angrenzende Flächen (atmogen, über Abfälle, durch Grüngutablagerungen sowie auch durch Hundekot)
  • Freizeitaktivitäten jeder Art
  • Ausbringen von Gehölzen sowie Aufforstungen
  • Nutzungsintensivierung und - änderung
  • Bei Beweidung: Einrichtung eines Pferches im FFH-Lebensraum
  • Anwendung von Herbiziden

Schutzmaßnahmen
  • Maßnahmen gegen Verbuschung und Zuwachsen mit hochwüchsigen Pflanzen (Sukzession), insbesondere Beseitigung von Neophytenbeständen
  • Fortführung traditioneller Nutzungsformen (z. B. Schafbeweidung) oder Weiterführung von Pflegemaßnahmen
  • Schaffung offener Sandbereiche (Pionierstandorte) durch gezielte mechanische Bodenentblößung auf Teilflächen zur Verjüngung der Silberscharte
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Besucherlenkung

Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Arten- und Biotopschutzprogramm Baden-Württemberg

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht.

FFH-Gebiete

Eine Karte der FFH-Gebiete mit Vorkommen der Sand-Silberscharte und weitere Informationen zu den Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.

Erhaltungszustand

  Verbreitungsgebiet Population Habitat Zukunftsaussichten
Einzelbewertung  günstig günstig  ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung  ungünstig-unzureichend

2019

Erhaltungszustand aller FFH-Arten in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB) 

Beeinträchtigung, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen (pdf; 2,0 MB)

 

Zusammenfassung (pdf)