Zurück

Schmale Windelschnecke - Vertigo angustior Jeffreys, 1830

 

Die Schmale Windelschnecke gehört zu den zwei einzigen heimischen Vertigo-Arten mit linksgewundenem rötlichbraunem Gehäuse. Der letzte der fünf gewölbten Umgänge ist seitlich zusammengedrückt, was dem dicht und fein gestreiften Gehäuse einen spindelförmigen Umriß verleiht. In der Gehäuseöffnung, der Mündung, befinden sich 5-6 Zähne.

 

Gehäuselänge: 1,7 mm
Gehäusebreite: 0,9 mm
Lebensdauer: 1-2 Jahre, selten mehr
Verwechslungsmöglichkeiten: Durch das linksgewundene Gehäuse nur mit Vertigo pusilla O.F. MÜLLER, 1774 zu verwechseln, von diesem aber durch das gestreifte Gehäuse gut zu unterscheiden.

 

Die Schmale Windelschnecke besiedelt verschiedene Lebensräume mit konstanter Feuchtigkeit, in denen zugleich Licht und Wärme bis zum Boden gelangen. Dazu gehören nasse, nährstoffarme Wiesen, Ufer kleiner Wasserläufe, Verlandungszonen von Gewässern, Kalk-Flachmoore, Seggenrieden und im Norden des Verbreitungsgebietes sogar Dünen.

 

Die Schmale Windelschnecke ist ein Zwitter mit der Fähigkeit  zur Selbstbefruchtung. Daneben tritt aber auch wechselseitige Befruchtung auf. Die Fortpflanzungsphase erstreckt sich vom Frühjahr bis in den Spätsommer. Es werden nur wenige Eier abgelegt, nach knapp zwei Wochen schlüpfen die Jungschnecken, die innerhalb eines Jahres fortpflanzungsfähig sind. Die Art ernährt sich vermutlich von Detritus und zerfallenem organischen Material. Unter guten Bedingungen kann die Art hohe Populationsdichten von 100-1500 Tieren/m² erreichen.

 

Gesamtverbreitung:

Das Verbreitungsgebiet der Schmalen Windelschnecke umfasst ganz Europa sowie Teile Vorderasiens. Sie fehlt allerdings im Norden Skandinaviens, auf der Iberischen Halbinsel sowie in den südlichen Gebieten Italiens und der Balkanhalbinsel. Mittel- und Osteuropa stellen die Verbreitungsschwerpunkte dar. In Deutschland kommt die Art stellenweise häufig in Mecklenburg-Vorpommern und zerstreut in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern vor.

Verbreitung in Baden-Württemberg:
In Baden-Württemberg liegen aus allen Hauptnaturräumen zerstreute Funde vor (Oberrhein, Großraum Stuttgart, Neckarraum, Bodensee, Federsee). Der aktuelle Verbreitungsschwerpunkt liegt jedoch im voralpinen Hügel- und Moorland

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg:
Die meisten Vorkommen wurden erst in den letzten sechs Jahren durch systematische Erhebungen in potenziell geeigneten Lebensräumen entdeckt. Eine Aussage zur Bestandsentwicklung ist daher nicht möglich. Vorkommen im Bereich von Streu- und Nasswiesen basenreicher Standorte sind abhängig von regelmäßiger Biotoppflege.

Rote Liste Schutzstatus Verordnungen und Richtlinien
BW D BNatSchG EG-VO 338/97
Anhang
FFH-Richtlinie
Anhang
BArtSchV
3
gefährdet
3
gefährdet
- - - II - - - -

 

Gefährdungsursachen

  • Nutzungsaufgabe extensiv genutzter Feucht- und Nasswiesen, da licht- und wärmebedürftig (Gehölzsukzession, Aufkommen von Neophyten)
  • Störungen des Wasserhaushalts (Drainage, Staunässe, GrundwasserabsenkungAuteutrophierung,)
  • Eutrophierung (Auteutrophierung)

 

 


Schutzmaßnahmen
  • Entfernen von Gehölzaufwuchs
  • Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Wiedereinführung der traditionellen Streu- und Feuchtwiesennutzung
  • Renaturierung des Wasserhaushalts
 

Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Art des Zielartenkonzepts Baden-Württemberg

Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird auch der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht.

FFH-Gebiete

Eine Karte der FFH-Gebiete mit Vorkommen der Schmalen Windelschnecke und weitere Informationen zu den Gebieten erhalten Sie im Daten- und Kartendienst der LUBW.


Erhaltungszustand

  Verbreitungsgebiet Population Habitat Zukunftsaussichten
Einzelbewertung  günstig  günstig ungünstig-unzureichend ungünstig-unzureichend
Gesamtbewertung ungünstig-unzureichend

2019

Erhaltungszustand aller FFH-Arten in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB) 

Beeinträchtigung, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen (pdf; 2,0 MB)

Zusammenfassung (pdf)