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Sommer-Schraubenstendel - Spiranthes aestivalis (Poiret) L. C. M. Richard 1817

 

Der Sommer-Schraubenstendel, auch Sommerwendelorchis, Sommer-Wendelähre oder Sommer-Drehwurz genannt, gehört zu den Orchideen. Die Namen beziehen sich alle auf den spiralig gedrehten Blütenstand, der sechs bis 25 kleine, weiße Blüten aufweist. Der Stängel entwickelt sich im Zentrum einer Blattrosette, die aus drei bis fünf Blättern besteht. 
Wuchshöhe: max. 35 cm
Blütezeit: Juli bis August
Lebensdauer: mehrjährig
In Mitteleuropa besiedelt der Sommer-Schraubenstendel staunasse, nährstoffarme, zumeist kalkhaltige Sumpfhumus- oder Kalktuffböden mit deutlichem Grundwasser- oder Quellwassereinfluss. Solche Bedingungen finden sich in den Niedermooren der Uferbereiche der Voralpenseen sowie in Hangquellmooren. Die Art, die als konkurrenzschwach und lichtliebend gilt, ist auf vegetationsarme Stellen angewiesen und verträgt weder Eutrophierung und Bodenverdichtung noch das Austrocknen der Wuchsstandorte im Sommer.
Der Sommer-Schraubenstendel bildet zwei bis sechs rübenförmige Speicherwurzeln von bis zu 8 cm Länge (Speicherwurzelgeophyt). Die Art wird sehr wahrscheinlich von Insekten bestäubt, von welchen Artengruppen ist noch nicht genau untersucht. Sowohl zur generativen wie auch zur vegetativen Vermehrung ist die Art fähig, die generative ist aber vermutlich die bedeutsamere.

Gesamtverbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Sommer-Schraubenstendels umfasst das südliche Mitteleuropa, Südeuropa sowie Kleinasien. Früher gab es die Art auch in Südengland, wo sie jedoch ausgestorben ist. In Deutschland besiedelt die Art das baden-württembergische und bayerische Alpenvorland.

Verbreitung in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg gibt es derzeit nur noch Vorkommen im Bodenseebecken sowie im Westallgäuer Hügelland. Aus anderen Regionen, wie z.B. der Oberrheinebene, ist die Art verschwunden. 

Bestandsentwicklung in Baden-Württemberg
Viele Vorkommen sind im letzten Jahrhundert durch menschliche Eingriffe oder infolge von Verbuschung und Wiederbewaldung erloschen. In den letzten Jahren sind zwei aus Einzelpflanzen bestehende Vorkommen erloschen. Am Bodensee gibt es dagegen noch stabile Vorkommen mit positivem Bestandstrend, die bei Aufrechterhaltung der bisherigen Pflege den Fortbestand der Art in Baden-Württemberg sicherstellen

Rote Liste Schutzstatus Verordnungen und Richtlinien
BW D BNatSchG EG-VO 338/97
Anhang
FFH-Richtlinie
Anhang
BArtSchV
1
vom Aussterben bedroht
2
stark gefährdet
besonders
 geschützt
streng
geschützt
A - IV - - -


Gefährdungsursachen
  • Einfassen von Quellen zur Trinkwassergewinnung
  • Entwässerung, Umwandlung in Acker- oder Intensivgrünland
  • Verbuschung bzw. Wiederbewaldung
  • Aufforstung 

Schutzmaßnahmen
  • Streuwiesenmahd mit Abräumen ab Mitte September alle zwei Jahre (alternierend je die Hälfte)
  • Einrichten von Pufferzonen zu intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
  • Entfernen von Gehölzaufwuchs in der Fläche
  • Verbesserung des Grundwasserhaushaltes durch Anhebung des Grundwasserspiegels
  • Extensivierung landwirtschaftlich genutzter Flächen im Umfeld

Schutzprojekte
  • Umsetzung der FFH-Richtlinie
  • Arten- und Biotopschutzprogramm Baden-Württemberg
Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht.

FFH-Gebiete
Für den Sommer-Schraubenstendel, als Art des Anhangs IV, werden im Rahmen der FFH-Richtlinie keine Schutzgebiete ausgewiesen.

Erhaltungszustand
  Verbreitungsgebiet Population Habitat Zukunftsaussichten
Einzelbewertung günstig günstig günstig günstig
Gesamtbewertung günstig

2019

Erhaltungszustand aller FFH-Arten in Baden-Württemberg (pdf; 0,3 MB) 

Zusammenfassung (pdf)