Verkehr

Überschreitungen der Luftqualitätsgrenzwerte für Partikel PM10 (Feinstaub) und Stickstoffdioxid (NO2) treten in Baden-Württemberg heute nur noch an vielbefahrenen Straßen auf. Hier ist der Straßenverkehr die wichtigste Quelle für Luftschadstoffe. Die Emissionen des Verkehrssektors werden im Wesentlichen durch die Verkehrsmenge (Größe der Fahrzeugflotte bzw. zurückgelegte Fahrleistung) und die Emissionen pro Fahrzeug beeinflusst.

Verkehrsmengen

Im Folgenden werden die Verkehrsmengen in Baden-Württemberg betrachtet.

Die Anzahl der Kraftfahrzeuge, insbesondere der Pkw, in Baden-Württemberg hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016; Datenquelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016; Datenquelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Der Motorisierungsgrad der Bevölkerung stieg von 527 Fahrzeugen pro 1000 Einwohnern im Jahr 1985 auf 705 Fahrzeuge pro 1000 Einwohner im Jahr 2016 an. Insbesondere die Anzahl der Diesel-Pkw nimmt seit vielen Jahren zu. Ihr Anteil am Pkw-Bestand lag in den 1980er Jahren noch unter 10 Prozent, im Jahr 2016 schon bei über 34 Prozent.

Mit der Anzahl der Fahrzeuge nimmt in Baden-Württemberg auch die Anzahl der zurückgelegten Kilometer zu:

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016; Datenquelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Weitere Informationen zum Verkehr finden Sie bei der Straßenverkehrszentrale Baden-Württemberg.

Das Streckennetz für den gewerblichen Binnenschiffsverkehr in Baden-Württemberg umfasst ca. 550 km. Die Mehrheit hiervon entfallen auf Bundeswasserstraßen, das sind der Rhein von Mannheim bis Basel (270 km), der Neckar von Mannheim bis Plochingen (203 km) und der Main bei Wertheim (25 km). Hinzu kommen die für die Schifffahrt bestimmten Landesgewässer, das sind die Donau bei Ulm, der baden-württembergische Anteil des Hochrheins zwischen Bodensee und Basel, der Bodensee sowie bestimmte Nebengewässer des Rheins zwischen Basel und Mannheim.

Am meisten befahren ist der Rhein, auf den etwa 75 Prozent des Güterumschlags der Binnenschifffahrt in Baden-Württemberg entfallen. Ursache hierfür ist auch, dass der Rhein von größeren Schiffseinheiten befahren werden kann als der Neckar.

Die Länge des Schienennetzes in Baden-Württemberg beträgt ca. 4.300 km (Stand 31.12.2010). Große Teile davon werden von der Deutschen Bahn AG betrieben. Aus Emissionssicht von Interesse ist der Transport auf den nicht elektrifizierten Strecken (ca. 1.600 km im Jahr 2010) mit Dieselloks und ggf. Dampfloks sowie der Rangierbetrieb mit Dieselloks auf 47 Bahnhöfen in Baden-Württemberg.

An der Personenverkehrsleistung hatte der Schienenverkehr 2012 bundesweit einen Anteil von fast 8 Prozent, an der Güterverkehrsleistung mehr als 17 Prozent und in Baden-Württemberg knapp 15 Prozent. Zwischen 1990 und 2012 nahm in Baden-Württemberg die Güterverkehrsleistung auf der Schiene um 50 Prozent zu (wobei der „Modal-Split“-Anteil der Schiene gegenüber 1990 nahezu konstant geblieben ist, bei ca. 15 Prozent).

Zentraler Verkehrsflughafen des Landes ist der internationale Verkehrsflughafen Stuttgart. Daneben stehen dem Flugverkehr zwei große Regionalflughäfen (Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden), zahlreiche kleinere Verkehrsflugplätze sowie sonstige Flug- und Landeplätze zur Verfügung.

Der Flugverkehr der drei Flughäfen in Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen 30 Jahren insgesamt durch eine hohe Wachstumsdynamik ausgezeichnet (siehe Abbildung). Die Fluggastzahlen auf dem Flughafen Stuttgart verzeichneten im Jahr 2017 mit 10,9 Mio. Personen einen erneuten Höchstwert. Der Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden erreichte im Jahr 2017 gut 1,2 Mio. Fluggäste, der bisherige Höchstwert betrug 1,3 Mio. Fluggäste im Jahr 2012. Am Regionalflughafen Friedrichshafen wurden im Jahr 2017 rund 510.000 Passagiere abgefertigt, bisheriger Höchstwert waren 660.000 Fluggäste im Jahr 2006. Insgesamt wurden an den drei genannten Flughäfen im Jahr 2017 rund 12,7 Mio. Fluggäste abgefertigt und damit so viele wie nie zuvor.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen

Insgesamt wird deutlich, dass insbesondere der Straßenverkehr in Baden-Württemberg deutlich zunimmt.

Emissionen pro Fahrzeug

Die Emissionen des Kraftfahrzeugverkehrs sollen durch die Einführung und kontinuierliche Absenkung von Abgasgrenzwerten verringert werden.

Die Abgasgrenzwerte in der EU wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesenkt: 

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016

Hauptziel der Euro 5-Norm war die Rußminderung bei Dieselfahrzeugen: Der Ausstoß von Partikeln wurde im Vergleich zu Euro 4 von 25 mg/km auf 5 mg/km und damit um 80 Prozent reduziert. Auf diese Weise wurde der generelle Einsatz von Partikelfiltern bei Dieselfahrzeugen erreicht. Schwerpunkt der Grenzwertstufe Euro 6 war die Reduzierung der Stickoxid- (NOx-)Emissionen durch Dieselfahrzeuge.

Die Emissionsgesetzgebung über Abgasgrenzwerte war in der Vergangenheit sehr erfolgreich. So sind die realen Emissionen von Partikeln seit der Einführung der Eurostufe 5 deutlich zurückgegangen. Auch die realen NOx-Emissionen von Ottofahrzeugen konnten durch die Einführung von Grenzwerten unter allen Betriebsbedingungen gemindert werden:

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016; Datenquelle: HBEFA 3.3

Bei den NOx-Emissionen der Dieselfahrzeuge wurden hingegen wenig Fortschritte erzielt. Erst die Einführung der Euro 6-Norm hat hier zu einer Verbesserung geführt, wenngleich die Grenzwerte im Realbetrieb noch deutlich überschritten werden:

 

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016; Datenquelle: HBEFA 3.3

Bei schweren Nutzfahrzeugen (Lkw) werden die Abgasgrenzwerte nicht streckenbezogen (das heißt in g/km), sondern aufgrund des Prüfverfahrens leistungsbezogen (in g/kWh) definiert.

Die Abgasgrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge wurden in der EU in den vergangenen Jahren deutlich reduziert:

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016

Die Einführung neuer Euro-Normstufen erfolgte bei den schweren Nutzfahrzeugen meist etwas früher als die Einführung einer neuen Euro-Normstufe für Pkw. Auch die Einführung realitätsnäherer Prüfbedingungen mit der Norm Euro VI erfolgte bei den Lkw früher als bei den Pkw mit der Norm Euro 6c bzw. Euro 6dTEMP.

Die Emissionsgesetzgebung bei den schweren Nutzfahrzeugen war in der Vergangenheit sehr erfolgreich:

Quelle: Ergebnisse der Spotmessungen in Baden-Württemberg 2016; Datenquelle: HBEFA 3.3

Für motorische Zweiräder gelten in der Europäischen Union seit 1999 einheitliche Grenzwerte für die Abgaskonzentration von Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffen und Stickstoffoxiden (97/24/EG, 2002/51/EG).

Für landgebundene mobile Maschinen und Geräte mit Kompressionszündungsmotoren wurden im Jahr 1997 Emissionsgrenzwerte eingeführt (97/68/EG), im Jahr 2002 auch für Fremdzündungsmotoren (2002/88/EG).

Auch für Lokomotiven und Binnenschiffe gelten Grenzwerte (2004/26/EG).

Emissionsgrenzwerte für Flugzeuge beziehen sich auf ihre Triebwerke. Die Grenzwerte werden auf internationaler Ebene durch die International Civil Aviation Organization (ICAO) beziehungsweise durch das Committee on Aviation Environmental Protection (CAEP) festgelegt.

Insgesamt sind die Emissionsgrenzwerte im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren konsequent gesenkt worden.

Verkehrsemissionen

Durch den Verkehr wird eine Vielzahl von Schadstoffen, beispielsweise Feinstaub, Stickstoffoxide oder Kohlenmonoxid, emittiert. Dabei tragen die Verkehrsmittel in unterschiedlichem Maß zur Luftverunreinigung bei. Detaillierte Informationen zu den Emissionen des Verkehrs sowie aller anderen Quellengruppen finden sich im Emissionskataster Baden-Württemberg.

In den vergangenen Jahren sind die Emissionen von Luftschadstoffen durch den Verkehr stark reduziert worden. Dennoch werden an stark verkehrsbelasteten Straßenabschnitten weiterhin Luftqualitätsgrenzwerte, insbesondere diejenigen von Stickstoffdioxid (NO2), überschritten. Deshalb sind weitere Emissionsminderungen erforderlich, insbesondere im Straßenverkehr.

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Umweltbundesamtes.